Im Wald müssen sich die Förster und ihre Mitarbeiter immer häufiger mit aufgebrachten Besuchern auseinandersetzen. - © picture alliance / Alois Litzlbauer / picturedesk.com (Themenbild)
Im Wald müssen sich die Förster und ihre Mitarbeiter immer häufiger mit aufgebrachten Besuchern auseinandersetzen. | © picture alliance / Alois Litzlbauer / picturedesk.com (Themenbild)

Paderborn Wut im Wald: Besucher sind zunehmend aggressiv

Im Wald müssen sich die Förster und ihre Mitarbeiter immer häufiger mit aufgebrachten Besuchern auseinandersetzen. Carsten Breder wurde sogar Opfer einer körperlichen Attacke

Jutta Steinmetz

Paderborn. Eigentlich gilt der Wald als Hort der Ruhe und fast als Ort des Friedens. Doch weit gefehlt. Zwischen Buchen und Eichen, inmitten von fröhlichem Vogelgezwitscher kommt es immer häufiger zum Ausbruch heftiger Aggressionen. Der Borchener Förster Carsten Breder musste das am eigenen Leib erfahren. Im Februar 2017 wurde er Opfer einer körperlichen Attacke, als er eine Gruppe von Quadfahrern daran hindern wollte, verbotenerweise in den Wald zu fahren. Eigentlich wollte Breder an diesem Samstag den neuen Hund seines Nachbarn begutachten, als er auf einmal lautes Motorengeräusch hörte. Er habe sich mitten auf den Weg gestellt, als die Gruppe mit ihren Quads auf den Waldweg zu steuerte, erzählt er. Und dass er wohl mit den Armen wedelte, als der erste Fahrer an ihm vorbeiwollte. Was die Gestik des Försters nicht vermochte, das schaffte aber der Spiegel, der abfiel. Breders Hand hatte sich augenscheinlich an ihm verfangen. Der Fahrer hielt an, stieg erbost ab und bedrängte den Förster. Entsetzt über die Ereignisse Das zeigen die Aufnahmen zweier Helmkameras, mit denen die Quadfreunde ihre Fahrt durch den Wald hatten aufzeichnen wollten. Sie zeigen auch, dass plötzlich ein anderer Mann von seinem Fahrzeug steigt, sich von hinten nähert und aus dem Nichts zuschlägt – in das Gesicht des Försters. Als Breder taumelt, tritt der Mann auch noch in dessen Richtung. Weil die Ehefrau des Försters diesen fortzieht, ist die Situation zu Ende, bevor sie vollends eskaliert. Carsten Breders Vorgesetzter Roland Schockemöhle ist entsetzt von den Ereignissen im Staatswald. „So etwas im beschaulichen Hochstift", damit hätte niemand gerechnet, sagt der Forstamtsleiter. Schließlich sei seit den 1950er-Jahren Ruhe im Wald. Denn damals breitete sich mit dem Wirtschaftswunder der allgemeine Wohlstand aus. Wild- und Holzdiebe, die durch die Jahrhunderte hindurch aus „blanker Not", wie Schockemöhle betont, den Forstleuten das Leben schwergemacht hatten, gehörten fortan der Vergangenheit an und damit fanden auch die Gewalttaten unterm Blätterdach ihr Ende. Die Gemüter kochen hoch Seit einigen Jahren aber ist Schluss mit dem Frieden im Wald. Da kochen oft die Gemüter hoch. „Die Gesellschaft hat detaillierte Vorstellungen, wie sie den Wald nützen will", sagt der Forstamtsleiter. Und Carsten Breder ergänzt: „Es sind viele Freizeitaktivitäten hinzugekommen." Denn zwischen den Bäumen wird nicht nur nach alter Väter Sitte gewandert, sondern auch geradelt und geritten. Manch einer hat sich der Beobachtung von Vögeln verschrieben, andere hingegen betreiben begeistert Geocaching. Und bewirtschaftet werden soll der Wald ja auch noch. Kein Wunder also, dass da viele unterschiedliche Interessen aufeinanderstoßen, dass da um Kompromisse gerungen werden muss. „Es ist ja grundsätzlich gut, dass die Bevölkerung Interesse am Wald hat", sagt Schockemöhle nachdenklich. Keineswegs sollen die Menschen schweig- und duldsam durch den Wald gehen, sondern durchaus das Gespräch mit den Förstern suchen. „Es ist legitim zu fragen, warum beispielsweise während der Holzernte ein Waldweg gesperrt wird", gibt Schockemöhle ein Beispiel. Aber andererseits wünscht er sich mehr Verständnis. „Wir sind die Anwälte des Waldes", erklärt er. Ein schwieriger Job. Denn einige Vorgaben stören manche Zeitgenossen überhaupt nicht. So sind grundsätzlich Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren im Wald verboten. Trotzdem gehört es für die Förster fast zum Tagesgeschäft, dass Quad- oder Motorradfahrer verbotenerweise im Wald ihre Runden drehen. Immer wieder hören sie in den Wäldern Motoren aufheulen, sehen sie Spuren. Nummernschilder werden bedeckt Die Übeltäter zu erwischen, ist meist unmöglich. Denn die Fahrer von Quad und Co. tragen meist Vorsorge, bedecken die Nummernschilder ihrer Fahrzeuge oder schrauben diese ab, bevor sie in den Wald fahren. Und wenn sie dann doch mal einem Förster oder einem Waldarbeiter begegnen, „dann drehen sie ab, so dass einem dann der Schotter ins Gesicht fliegt, und türmen", sagt Breder. Sein Erlebnis aus dem Februar vergangenen Jahres sitzt ihm noch ein bisschen in den Knochen – zumal erst vor ein paar Wochen sich das Amtsgericht mit dem Fall befasste und den Quadfahrer für seinen Übergriff zu einer zwölfmonatigen Bewährungsstrafe verurteilte. „Urplötzlich geschlagen zu werden", das war für ihn doch ein schockierendes Erlebnis. Trotzdem sagt Breder: „Ich würde jederzeit wieder genauso handeln. Ich wollte doch nur darauf hinweisen, dass dass Quadfahren im Wald verboten ist."

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