Spende an Adveniat: Cornelius Renk (r.), Mitarbeiter des Faethe-Labor, übergab im Kreis Mitstreikender und von Gewerkschaftsvertretern 610 Euro aus dem Spendenerlös seiner Hungerstreikaktion an den Geschäftsführer des katholischen Hilfswerks. Dieser zeigte sich beeindruckt und versprach Unterstützung. - © Hans-Hermann Igges
Spende an Adveniat: Cornelius Renk (r.), Mitarbeiter des Faethe-Labor, übergab im Kreis Mitstreikender und von Gewerkschaftsvertretern 610 Euro aus dem Spendenerlös seiner Hungerstreikaktion an den Geschäftsführer des katholischen Hilfswerks. Dieser zeigte sich beeindruckt und versprach Unterstützung. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn Adveniat unterstützt Streikende in Paderborn

Arbeitskampf bei Stute-Zulieferer: Katholisches Hilfswerk sieht Parallelen zum Kampf für faire Arbeitsbedingungen in Südamerika.

Hans-Hermann Igges

Paderborn. Der seit September andauernde Streik von Mitarbeitern des Faethe-Labor in Paderborn zieht bundesweit Kreise: Jetzt hat sich Adveniat, das Katholische Hilfswerk für Mittel- und Südamerika, mit den Laboranten, die Produkte des Paderborner Nahrungsmittelherstellers Stute untersuchen, solidarisiert. Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens versprach im Rahmen eines Gesprächs mit Mitarbeitern sowie Vertretern der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) und der Katholischen Arbeitnehmerbewegung Paderborn Höxter (KAB), sich für die Streikenden einzusetzen. In 2.500 Projekten zwischen Mexiko und Feuerland engagiert sich Adveniat für eine Verbesserung der Lebensbedingungen, aber auch gegen die zum Teil brutale Unterdrückung von Arbeitnehmerrechten. Das Jahresmotto „Faire Arbeit. Würde. Helfen" könne man durchaus auf die Situation der Faethe-Mitarbeiter übertragen, stimmt Jentgens den Streikenden zu. Diese übergaben 610 Euro, gut die Hälfte der Summe, die durch den dreiwöchigen Hungerstreik vor Weihnachten von Laborant Cornelius Renk an Spenden zusammen gekommen war, an Adveniat. Die andere Hälfte wurde an die Hungerhilfe Jemen überwiesen. Den Löwenanteil von 1.200 Euro (50 Euro für jeden Hungerstreik-Tag) hatte NGG-Sekretär Armin Wiese aus seiner privaten Geldbörse gestiftet; zu den Spendern gehörte aber auch die KAB Paderborn-Höxter. Adveniat will eigene Kontakte nutzen Der Geschäftsführer von Adveniat bezeichnete die Geste von Cornelius Renk als „sehr starkes Signal". Er unterstütze damit diejenigen, „die überhaupt keine Rückendeckung haben". Im Gegenzug werde man sich nun über eigene Kontakte auch für die Paderborner Streikenden einsetzen. Unter anderem sei daran gedacht, sich an Einzelhandelsunternehmen wie Aldi und Kaufland zu wenden, die Stute-Produkte vertreiben. Jentgens: „Auch deren Kundschaft legt immer mehr Wert auf fair gehandelte Ware." Als Hilfswerk setze man sich zunehmend global ein, weil viele Probleme sich in ihrer Struktur ähneln. Dass man sich in Deutschland in einen Arbeitskampf einmische, sei aber neu, sagte der Geschäftsführer des in Essen ansässigen Hilfswerks. Gewerkschaft sieht Nähe zu Sittenwidrigkeit Das Faethe-Labor hat 22 Mitarbeiter, von denen nach eigenen Angaben bis zu 13 an bisher 16 Tagen seit September gestreikt haben. Ihr Ziel sind Gespräche mit der Geschäftsführung über die erste Lohnerhöhung seit 15 Jahren. Aktuell verdient zum Beispiel Cornelius Renk, der seit 1999 Laborant bei Faethe ist, 11,40 Euro brutto pro Stunde. Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten entspricht das nur etwa zwei Dritteln des in der Branche üblichen Lohns. Damit sei die Grenze zur Sittenwidrigkeit erreicht, heißt es. Die Geschäftsführung des Faethe-Labors verweigere jedoch jegliche Gespräche, so die NGG. Auch gegenüber der Öffentlichkeit wird keine Stellung genommen. Das erfuhr auch die Neue Westfälische, die mehrfach versuchte, Stellungnahmen zu bekommen. Cornelius Renk will nach seinem Hungerstreik, der ihm viel Respekt einbrachte, nun weitere „Zeichen der Enthaltsamkeit" setzen. An Frost freien Tagen will er von seinem Wohnort Marsberg 40 Kilometer per Fahrrad zur Arbeit und zurück fahren, zweieinhalb Stunden hin, länger als drei Stunden zurück. Renk: „Aber auch eine Neuauflage des Hungerstreiks ist nicht ausgeschlossen."

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