Reihenweise Preisträger: Der ehrenamtliche Dometscherdienst um Bruno Weber (orangefarbene Krawatte) sowie der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Paderborn-Höxter mit Simone Schäfer (rechts hinter Weber) werden ausgezeichnet. - © Svenja Ludwig
Reihenweise Preisträger: Der ehrenamtliche Dometscherdienst um Bruno Weber (orangefarbene Krawatte) sowie der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Paderborn-Höxter mit Simone Schäfer (rechts hinter Weber) werden ausgezeichnet. | © Svenja Ludwig

Paderborn Paderborner Bürgerpreis wird an Hospizdienst und Dolmetscherdienst verliehen

Bürgerpreis: Der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Paderborn-Höxter sowie der ehrenamtliche Dolmetscherdienst "Sprachschlüssel" werden geehrt

Svenja Ludwig

Paderborn. "Wir brauchen sie, die Vorbilder, die uns durch ihren Lebensmut begeistern und anstecken, die uns in ihrem konsequenten Handeln aber zugleich auch Maßstab und Richtschnur auf dem eigenen Lebensweg sein können", sagte Festredner Erwin Grosche bei der Verleihung des Bürgerpreises im Paderborner Rathaus am Freitagabend. Vorbilder müssten nicht perfekt sein. "Kannst du kein Stern am Himmel sein, sei eine Leuchte im Haus", zitierte der Paderborner Kabarettist und Kleinkünstler ein arabisches Sprichwort. Grosche entdeckte in seinem Vortrag das Vorbildliche in kleinen Handlungen, im Zwischenmenschlichen, im persönlichen Verzicht zuliebe anderer. "Ist es Ihnen auch schon mal passiert, dass Sie vorm Dom parken wollten und Ihnen ein Autofahrer seinen noch nicht abgelaufenen Parkschein entgegenhielt?", fragte Grosche: "Eine schöne Geste, da schenkt Ihnen jemand seine Zeit. Das ist ein Vorbild." Auch Ehrenamtliche, die unentgeltlich zum Wohle anderer tätig seien, seien Vorbilder. "Jeder einzelne erscheint da häufig wie der Tropfen auf den heißen Stein, aber je mehr Tropfen auf den heißen Stein fallen, desto schneller wird er gekühlt werden und man kann sich darauf niederlassen", so Grosche. Vorbilder seien auch die Bürgerpreisträger, der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Paderborn-Höxter sowie der ehrenamtliche Dolmetscherdienst "Sprachschlüssel". Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Hospizdienstes "gehen in die betroffenen Familien, beschäftigen sich mit den Geschwisterkindern, machen Ausflüge, entlasten die Eltern mit Rat und Tat und vernetzen Menschen miteinander", skizzierte Laudatorin Brigitte Badke, Koordinatorin des Erwachsenenhospizes der Caritas Paderborn, die Aufgaben der 54 Männer und Frauen, die sich aktuell um 22 erkrankte Kinder und 21 Familien kümmern. So seien die Ehrenamtlichen oft über Jahre Bezugspersonen, würden gar zu Zugehörigen der Familien. Sie zeigten die "Solidarität, die in unserer Gesellschaft so wichtig ist", unterstrich Badke und appellierte an ihre Zuhörer, den Tod - insbesondere wenn Kinder betroffen sind - zu enttabuisieren: "Die Auseinandersetzung mit dem Sterben gehört mitten in die Gesellschaft, ins Leben und manchmal auch an den Anfang." "Wenn ein Kind stirbt, passieren Dinge, auf die man sich nicht vorbereiten kann", sagte Simone Schäfer, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin des Hospizdienstes, die den Preis stellvertretend mit ihrer Kollegin Sylvia Jäger, entgegennahm. "Ich versuche, die Schwere zu nehmen", fuhr Schäfer fort. Sie betonte jedoch auch, dass sie "in erster Linie Lebensbegleitung" leiste, dass ihr die Tätigkeit viel Freude bereite. Flüchtlinge helfen und geben damit etwas zurück Elke Süsselbeck aus dem Vorstand der Bürgerstiftung übernahm die Laudatio für den zweiten Preisträger, den Dolmetscherdienst Sprachschlüssel. "Sprache ist der Schlüssel für alles", machte Süsselbeck deutlich, "die Geflüchteten, die zu uns kommen, besitzen diesen Schlüssel nicht." 30 ehrenamtliche Dolmetscher um Gründer Bruno Weber seien jeden Tag in der Woche erreichbar, um bei Behördengängen, bei Arztbesuchen und im Krankenhaus, bei der Wohnungssuche oder bei einer Bewerbung um einen Praktikumsplatz zu helfen. Zudem seien einige der jetzigen Mitarbeiter selbst Flüchtlinge gewesen, die auf die Unterstützung von Sprachschlüssel angewiesen waren. "Die Hilfe, die sie einst selbst erhalten haben, geben sie weiter", sagte die Laudatorin: "Ich finde, das ist eine tolle Botschaft". 1.500 Aufträge habe sein Dolmetscherteam bearbeitet, erklärte Gründer Bruno Weber stolz. Er selbst habe vor allem an der Infrastruktur gearbeitet, die Ehrenamtlichen untereinander vernetzt. "Das Netzwerk ist das A und O", so Weber. Viele der Übersetzer seien Studierende, die mittlerweile gar nicht mehr in Paderborn seien. Aber auch aus Frankreich, Großbritannien, den USA und Indien seien sie per E-Mail noch für Sprachschlüssel tätig. Parallel arbeite Weber bereits an einem neuen Projekt: "Türöffner". Durch die Unterstützung von Mietpaten sollten die Geflüchteten einen Weg aus den Gemeinschaftsunterkünften heraus in privaten Wohnraum finden.

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