Uganda-Hilfe: Anne Grothe unterstützt die Ugander und bekommt dafür von Kindern ein Dankesschreiben (l.) - © Marc Köppelmann
Uganda-Hilfe: Anne Grothe unterstützt die Ugander und bekommt dafür von Kindern ein Dankesschreiben (l.) | © Marc Köppelmann

Paderborn Paderbornerin sucht Freiwillige für "Volontourismus" in Uganda

Im Herbst fahren die ersten nach Uganda. Zielgruppe sind Berufstätige

Philipp Weitzel

Paderborn. Ein Birungi, das ist Anne Grothe aus Paderborn. Birungi ist die lokale Bezeichnung im ostafrikanischen Uganda für jemanden, der für andere sorgt und gute Dinge bringt. Genau solche Leute sucht Grothe für ihr Volunteer-Projekt Birungi. Anne Grothe hat durch eine Freundin, die sie in das Land brachte, seit 2007 ihr Herz an Uganda und seine Bewohner verloren. Mit 49 Jahren erfüllt sie sich jetzt ihren langgehegten Traum von Afrika. Die ersten freiwilligen Helfer hat sie bereits gefunden. Für voraussichtlich vier Freiwillige, Sozialpädagogen und eine Krankenschwester, geht es im nächsten Herbst nach Uganda. Dort können sie entweder im Kindergarten, im Waisenhaus für Aidswaisen, in einer Grundschule, in einer Berufsschule oder in einem Ärztezentrum mitarbeiten. Es bietet sich aber auch die Möglichkeit, dort Urlaub zu machen, in einem Haus nach europäischem Standard mit Vollverpflegung (eine Woche kostet 450 Euro). Zwischen zwei und zwölf Wochen verbringen die "Volontouristen", wie Anne Grothe sie nennt, in Jinja. Das Angebot sei neben den Ü30-Jährigen, die einige Erfahrung in ihren Berufen mitbringen sollten, auch für die "jungen und fitten" Senioren gedacht, die in den warmen Monaten am liebsten Zuhause sein und ihre Gärten pflegen, aber dann im Herbst und Frühling nach Uganda fahren können "um dort noch so richtig was zu leisten", sagt Grothe. Mit ihrer Organisation Birungi, im Januar 2016 gegründet, und dem Odissa-Charles-Verein engagiert sich die Sozialarbeiterin und Kunsttherapeutin in der zweitgrößten Stadt Ugandas, Jinja. Die Stadt liegt direkt am Victoriasee. "Der Kontinent ist für mich bestimmt", ist sich Anne Grothe sicher. Nach Jinja verschlug es sie aufgrund ihres Studienprojektes: Sie bekam die Möglichkeit, dort eine neugegründete Montessori-Schule zu leiten: "Genau darauf hatte ich Lust!", so Grothe. Mittlerweile verbringt sie drei bis sechs Monate im Jahr in Uganda. Das geht natürlich nur, wenn die Familie und die Arbeitgeber das unterstützen. Deswegen ist Anne Grothe sowohl ihrer Familie, bestehend aus Ehemann und zwei erwachsenen Kindern, die alle schon selbst vor Ort mitgeholfen haben, als auch ihren Arbeitgeberinnen sehr dankbar. Erst wenn man länger vor Ort ist, bekomme man ein Gespür für die Not der Menschen dort, sagt Anne Grothe. Die größte Not der Einwohner sei fehlende Bildung und Ausbildung. Mit dem 2013 gegründeten Odissa-Charles-Verein werden die Beiträge für Schul- und Internatsbesuche bezahlt, es werden offizielle Berufsausbildungen unterstützt, aber auch im Bereich Medizin erfahren die Ugander Unterstützung. "Es ist überragend, wenn man nach einem Jahr wiederkommt und sieht, wie die Kinder sich entwickelt haben. Sie wollen Minister oder Rechtsanwalt werden." Einer der Mitgründer von Birungi hat eine solche Erfolgsgeschichte. Bosco (40) absolvierte dank Anne Grothes Unterstützung eine Ausbildung zum Friseur. Nun ist er der Inhaber eines eigenen Salons mit drei Angestellten und "sehr gefragt", weiß Anne Grothe zu berichten. Zusätzlich zu Birungi und dem Odissa-Charles Verein betreibt sie einen Internetblog, auf dem sie sowohl Alltagsfragen von Interessierten wie "Kann man dort auch Toilettenpapier kaufen?", als auch Verhaltenstipps und Empfehlungen für das einzupackende und benötigte Gepäck gibt. Weitere Informationen unter www.birungi.org und www.ugandainsider.de.

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