Düsseldorf/Paderborn Auslaufmodell Bekenntnisschulen

Expertenanhörung im Landtag

Florian Pfitzner

 Düsseldorf/Paderborn. Den Plänen der rot-grünen Landesregierung, evangelische und katholische Konfessionsgrundschulen künftig leichter in Gemeinschaftsschulen umzuwandeln, steht kaum noch etwas entgegen. Während einer Sachverständigenanhörung im nordrhein-westfälischen Landtag sprach sich die Mehrheit für einen entsprechenden Gesetzentwurf aus. Vertreter von Kirchen und Kommunen sagten dem Papier ihre Unterstützung zu. Unterdessen geht der Initiative "Kurze Beine - kurze Wege" der Entwurf nicht weit genug. So würden die vorgesehenen Schritte nicht verhindern, "dass weiterhin Kinder und Lehrkräfte aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit oder Bekenntnislosigkeit Nachteile und Einschränkungen in Kauf nehmen müssen", sagte der Sprecher der Initiative, Max Ehlers, in Anwesenheit zweier Betroffener aus Höxter und Paderborn. Familien sollten ihre Kinder ungeachtet ihrer Konfession in eine Grundschule schicken dürfen. Kirchenvertreter kamen der Landesregierung entgegen. Zwar seien Bekenntnisschulen ein "unverzichtbares Bildungsangebot", trotzdem "sehen wir Änderungsbedarf", sagte der Leiter des Katholischen Büros NRW, Pfarrer Antonius Hamers. Der evangelische Kirchenrat Thomas Weckelmann begrüßte die Änderungen ebenfalls.Bekenntnisfremder Religionsunterricht Einwanderung und höhere Mobilität hätten die konfessionelle und religiöse Zusammensetzung der Bevölkerung nachhaltig verändert. Daher plädierten die Kirchenvertreter dafür, bei Konfessionsschulen künftig auch sogenannten bekenntnisfremden Religionsunterricht zuzulassen. NRW ist das einzige Bundesland, in dem es flächendeckend staatliche Bekenntnisschulen gibt. Unter die fast 1.000 Konfessionsschulen fallen 879 katholische, 94 evangelische und 2 jüdische Einrichtungen - insgesamt ein Drittel aller Grundschulen im bevölkerungsreichsten Bundesland. Bereits 1968 hat sogar Bayern die Bekenntnisschulen abgeschafft. Angesichts dieses Umstands sei der Entwurf noch "sehr moderat", sagte Verfassungsrechtler Bodo Pieroth.

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