Altenau-Renaturierung Ulrich Eichelmann, Manfred Keuter (Heimatverein Atteln) und Bernd Gerken. - © Karl Finke
Altenau-Renaturierung Ulrich Eichelmann, Manfred Keuter (Heimatverein Atteln) und Bernd Gerken. | © Karl Finke

Lichtenau Altenau und Bäche in Lichtenau werden weiter befreit

Renaturierung: Der Zufluss in den neuen Stausee versickert noch. Heimatverein Atteln stellt weitere Forderungen

Karl Finke

Lichtenau. Der Auen-Ökologe Ulrich Eichelmann führt seinen früheren Hochschullehrer Bernd Gerken am Donnerstag an die Stelle, wo 1990 alles begann. Mit wissenschaftlichen Untersuchungen wurde damals die Renaturierung der Altenau vorbereitet – 2001 schriftlich im so genannten Memorandum fixiert. Jetzt zieht der Heimatverein Atteln eine Zwischenbilanz und stellt weitere Forderungen, damit das Flüsschen und seine Bäche rechts und links sich ökologisch weiter verbessern können. „Die Altenau ist auf einem guten Weg", sagt der gebürtige Attelner Eichelmann (seit 1989 in Wien): „Wir haben die Hoffnung, dass sie bis 2027 in einem noch deutlich besseren Zustand kommen wird als heute." Zusammen mit dem Heimatvereinsvorsitzenden Manfred Keuter und Vertretern des Wasserverbandes Obere Lippe (WOL) stehen die beiden Gewässer-Experten auf dem neuen Damm am alten Dauerstau nahe Husen und Dalheim. Oberhalb ist als Kompromiss für die Angler und zur Naherholung ein noch halb so großer See erhalten worden. Weil ihm der Piepenbach nur selten Wasser zuführt, fließt es aus der Altenau und dem Holtheimer Bach durch ein Rohr hier her. Doch noch versickern pro Sekunde 7-10 Lilter. „Wir sind noch in der Erprobungsphase", sagt WOL-Geschäftsführer Volker Karthaus – und fügt diese mitverantwortliche allgemeine Erkenntnis für das ganze System an: „Es regnet einfach immer weniger.". Abrisskanten können Brutstätten für Eisvögel werden Unterhalb des neuen Damms in Richtung Lichtenau schlängelt sich die neue alte Altenau schon wieder durch die ganze Breite des Tals. Das Flüsschen kann seine Sedimente wieder weiterschieben. „Die Altenau braucht das Material, um sich selbst abzudichten", erklärt Keuter. Altholz blockt Wasser und ermöglicht so die Bildung von tieferen Kolken. Abrisskanten können Brutstätten für Eisvögel werden. Der Wasserverband verhandelt mit einem Landwirt darüber, dass hier in der Aue zukünftig sogar ein paar Rinder grasen und so den Erlenwuchs in Zaum halten. Die ökologische Zwischenbilanz des WOL für die Altenau kann sich sehen lassen. Insgesamt 50 Querbauwerke seien entfernt worden, so der stellvertretende Betriebsleiter Johannes Schäfers. Kurz vor der Mündung in die Alme verbleiben in Borchen drei Wasserkraftwerke, deren Rechte „abgearbeitet" werden müssten. Der emeritierte Hochschullehrer Gerken ruft eine fast unglaubliche Geschichte in Erinnerung. Im 12. und 13. Jahrhundert hätten Lachse sogar zu einem Fisch-Überfluss in heimischen Gewässern beigetragen. „Die Bediensteten beschwerten sich über zu viel Fisch bei den Mahlzeiten", so der Experte im Ruhestand. Kostengünstiger als ein Brückenbauwerk Wie am Dauerstau löst auch am Vorstau eine Kompromiss den Konflikt. Die Altenau wird in der Seemitte durch ein Betonbauwerk ausgeleitet und in einem Wellblech-Tunnel mit fast fünf Metern Durchmesser unter der Straße durchgeführt. Das ist kostengünstiger als ein Brückenbauwerk. Ende Mai soll die Baumaßnahme abgeschlossen sein. Mit der Zusammenkunft gestern Abend im Attelner Birkenhof wollten die Heimatfreunde „das Schwungrad für die weiteren Maßnahmen drehen", so Eichelmann: „Es müssen alle weitermachen und viele Bewohner unseres Tals sind dazu bereit." Die nächsten Maßnahmen hat der WOL schon fixiert. Der Holtheimer Bach soll auf einem Teilstück in einen alten Erlenbusch zurück gelegt werden. An der Amerunger Kapelle und bei den Quellen in Henglarn sind 2018 weitere Renaturierungen der Altenau geplant.

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