Hoch hinaus: Live und ohne Kran wurde am Stand der Zimmerei ein Kloster im Fachwerkstil erbaut. - © Anja Ebner
Hoch hinaus: Live und ohne Kran wurde am Stand der Zimmerei ein Kloster im Fachwerkstil erbaut. | © Anja Ebner

Lichtenau Handwerk zum Mitmachen am Kloster Dalheim

Familientag: Auf dem Gelände der Stiftung treffen sich Besucher bei "Et labora", um Fertigkeiten früherer Jahrhunderte eigenhändig zu erleben

Anja Ebner

Lichtenau-Dalheim. Ein fester Programmpunkt im Veranstaltungskalender des Klosters Dalheim ist der Mitmachtag auf dem Gelände der Stiftung. Unter dem Titel "Et labora" können Klein und Groß live erleben, was Handwerk ohne digital gesteuerte Maschinen bedeutet und welch wichtige Einnahmequelle es für Klöster im Mittelalter war. An dreizehn Stationen gab es Vergangenes zu entdecken. So etwa bei der erstmals vertretenen Korbflechterei. Körbe waren nützliche Helfer in Garten und Haushalt der Klöster. Dass dieses Handwerk nicht so leicht ist, wie es aussieht, musste Silke Stehfest aus Brilon erfahren. Nur einmal falsch geflochten und schon durfte Sohn Lukas noch einmal anfangen. "Wir waren letztes Jahr schon hier. Altes Handwerk zu erleben gefällt mir", sagt Stehfest. Neben den Wiederholungstätern gibt es auch jene, die sich spontan zu einem Ausflug nach Dalheim entschlossen haben und hier ist das Internet häufig der Wegweiser. "Wir kennen die Anlage und schauen immer mal wieder im Netz, was so los ist. Heute haben wir uns dann für Dalheim entschieden", sagt Andrea Mösenfechtel aus Lippstadt die mit ihren Kindern Pia und Clemens anreiste. Eine kurze Verschnaufpause gönnt sich Matthias Keuber-Jeromy aus Upsprunge, während Sohn Henry aus flachen Holzplättchen, so genannten Kapla Steine, ein Kloster aufbaut. "Wir haben schon die Schmiede und Esel gesehen und einen Korb geflochten. Die letzten zwei Jahre waren wir immer dabei und ich finde es gut, dass Kinder hier viel machen können", sagt er. "Ich webe eine Decke für mein Kuscheltier", erklärt Hendrik aus Delbrück, während er blaue Fäden verarbeitet. Ein Sitzkissen, ebenfalls in blau, wird von seiner Schwester Greta nebenan gefertigt. "Wir sind nur heute für den Aktionstag hier und zeigen wie man webt. Normalerweise sind wir in Detmold im Freilichtmuseum zu finden", sagt Textilhandwerkerin Ulrike Loth. Wer nicht unbedingt etwas selber machen wollte, war in der Mühle genau richtig. 2016 wurde das alte Mühlrad restauriert und mahlt seitdem wie in alten Zeiten Korn zu Schrot. "Das Rad schafft in einer Stunde zwei Zentner Schrot. Gemahlen wird immer, wenn solche Aktionstage sind wie heute. Das Schrot bekommen dann unsere Tiere hier auf dem Gelände", erklärt Burkhard Jüstel aus Dalheim, der als Schlosser aktiv an der Restaurierung der Mühle mitgearbeitet hat. Die zahlreichen Besucher dürften sich wenig mit dem Titel "Et labora" (lat. "und arbeite") identifiziert haben, zu kindgerecht waren die Aktionen aufgebaut. Lediglich die Hitze in der Schmiede oder die nötige Ausdauer zur Fertigstellung einer gewebten Decke, ließen einen Einblick zu, wie anstrengend und mühselig Handwerk einstmals gewesen sein muss.

realisiert durch evolver group