Rechnen mit neuer Energie: Der Windpark bei Lichtenau-Asseln beherbergt nun den nach Unternehmensangaben "höchsten Serverraum der Welt" - ein Rechenzentrum in einem 150 Meter hohen Windradturm. - © Birger Berbüsse
Rechnen mit neuer Energie: Der Windpark bei Lichtenau-Asseln beherbergt nun den nach Unternehmensangaben "höchsten Serverraum der Welt" - ein Rechenzentrum in einem 150 Meter hohen Windradturm. | © Birger Berbüsse

Lichtenau Erstes Rechenzentrum in Windenergieanlage bei Lichtenau eröffnet

Das Unternehmen Westfalenwind IT will nachhaltige IT-Rechenleistung zur Verfügung stellen. Die „Windcores“ sind in einer Forschungskooperation mit der Universität Paderborn entstanden

Birger Berbüsse

Kreis Paderborn. Der vermutlich „höchste Serverraum der Welt" befindet sich ab sofort auf einem Feld bei Lichtenau-Asseln: Dort hat die Firma Westfalenwind IT in Kooperation mit der Universität Paderborn ein Rechenzentrum in einer 150 Meter hohen Windkraftanlage in Betrieb genommen. Das nach eigenen Angaben bundesweit einmalige Projekt „Windcores" soll die für die Digitalisierung nötige IT-Rechenleistung wirtschaftlicher und nachhaltiger machen. Im Fuß des 15 Meter breiten Stahlbetonturms sind vier IT-Sicherheitsschränke aufgestellt, die jeweils Platz für 62 Höheneinheiten bieten. Damit passe die Rechenleistung von zwölf mittelständischen Unternehmen in einen Schrank. Insgesamt könnte also ein komplettes mittelständisches Gewerbegebiet seine Daten in der Windkraftanlage speichern. Die Uni ist der erste Mieter Erster Mieter wird im Laufe der Woche jedoch zunächst einmal die Universität Paderborn, mit deren „Software Innovation Campus Paderborn" (SICP) das Projekt in einer Forschungskooperation entstanden ist. Die Hochschule wird einen Teil ihrer Backup-Daten in das Windrad auslagern. Es gebe aber bereits viele weitere Anfragen, sagen die Betreiber. Die Interessenten könnten demnächst von den zahlreichen Vorteilen profitieren, die ein Rechenzentrum in einer Windkraftanlage laut den Verantwortlichen bietet. Da sind zuallererst die reduzierten Kosten zu nennen. Denn es werden vorhandene Gebäude und Infrastrukturen genutzt statt extra neue bauen zu müssen. Zu 90 Prozent soll das Serverzentrum mit Windstrom versorgt werden. Außerdem verfügt der Windpark bei Asseln bereits über ein eigenes Glasfasernetz und über gleich zwei Netzbetreiber, so dass die Wahrscheinlichkeit eines Stromausfalls sehr gering ist. Laut Westfalenwind IT, einer Tochter der Westfalenwind-Gruppe, können die Stromkosten um bis zu 50 Prozent auf 15 Cent pro Kilowattstunde reduziert werden.Deutlich gesenkt werden die Betriebskosten auch durch die Kühlung. Das Windenergieanlage als Kühlturm Weil die immer schnelleren und aufwendigeren Rechenprozesse immer mehr Wärme verursachen, ist die nötige Kühlung oft für 20 bis 30 Prozent des gesamten Energieverbrauchs verantwortlich. In künftigen Rechenzentren soll sich die Luft hingegen beinahe von alleine abkühlen: Die Wärme steigt durch Schläuche einfach im naturgemäß kalten Betonturm nach oben. Laut Betreibern lassen sich die „Windcores" völlig individuell konfigurieren. Außerdem sei eine direkte Vernetzung mit Kunden möglich. Die entsprechende Technik haben die Kooperationspartner zum Patent angemeldet. In die Infrastruktur und den Prototypen wurden laut Unternehmen 500.000 Euro investiert. "Green IT in Vollendung" Für Johannes Lackmann, Geschäftsführer von Westfalenwind IT, ist das Rechenzentrum im Windrad „Green IT" in Vollendung. Bevor es Großkraftwerke gab, sei es üblich gewesen, die Energie dort zu nutzen, wo sie gewonnen wurde. „Diese Idee haben wir aufgegriffen." Erneuerbare Energien seien eher dezentral: Mit den „Windcores" werde dem ländlichen Raum seine Versorgungsfunktion zurück gegeben. SICP-Vorstand Gregor Engels betonte die Perspektiven von „Windcore": „Die Digitalisierung schaffen wir nur, wenn genügend Energie vorhanden ist." Diese müsse jedoch bezahlbar sein. Er erinnerte außerdem daran, dass digitale Daten hauptsächlich in den USA oder demnächst China liegen würden. „Es ist wichtig, dass wir große Rechenzentren in Deutschland starten, wo wir sie kontrollieren können." Hier würden sie entsprechend sicherer und nach den strengeren deutschen Datenschutzrichtlinien verwahrt.

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