In Sichtweite der Discounter: Die Tankstelle soll ohne Shop gebaut werden. Auch eine Ladestation für E-Mobile ist geplant. - © Anja Ebner
In Sichtweite der Discounter: Die Tankstelle soll ohne Shop gebaut werden. Auch eine Ladestation für E-Mobile ist geplant. | © Anja Ebner

Lichtenau Lichtenau bekommt eine Tankstelle für den Katastrophenfall

Mit Notstromaggregat und Rettungswache der Johanniter. Raiffeisen-Warengenossenschaft will auf Shop verzichten

Anja Ebner

Lichtenau. Veränderungen in Lichtenau: Auf der freien Fläche am Ortsausgang in Richtung Kleinenberg gegenüber von Aldi und Netto planen gleich zwei Unternehmen neue Gebäude. Zum einen soll dort in diesem Jahr eine neue Rettungswache der Johanniter-Unfallhilfe entstehen und zum anderen eine SB-Waschboxen-Station mit Automaten-Tankstelle der Raiffeisen-Warengenossenschaft. „Wir wollen hier eine Zukunftstankstelle bauen", sagt Stefan Wigge, Prokurist der Raiffeisen bei der Vorstellung der Pläne im Bau- und Planungsausschuss der Stadt am Donnerstag. Angedacht sind Automaten-Zapfsäulen, die rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Bezahlt werden könnte bar oder per Karte. „Um den bestehenden Familienunternehmen nichts wegzunehmen, verzichten wir auf einen Shop", erklärt Wigge und verweist darauf, dass im Allgemeinen das Kerngeschäft von Tankstellen im Shopbereich liege. Raiffeisen betreibt bereits 14 Tankstellen, wovon elf per Automatenprinzip funktionieren und nur drei einen Shop betreiben. Mit der Errichtung in Lichtenau solle ein Lückenschluss im Raiffeisen-Tankstellennetz gelingen, so Wigge. Angeboten werden sollen neben Diesel und Benzin auch AdBlue, Flüssiggas und eine Ladestation für E-Mobile. Ein Ladevorgang werde etwa zwanzig Minuten dauern. Geplant sei eine Allianz mit den Stadtwerken Lichtenau, „um das Geld im Kreislauf der Stadt zu halten", sagt Wigge. Lichtenau wäre mit dem Angebot der E-Tankstelle Vorreiter im Netzwerk der Raiffeisen. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal sei, dass die Tankstelle als so genannte Katastrophen-Tankstelle gebaut werden soll. Dabei gewährleiste ein Notstromaggregat, dass sie auch im Katastrophenfall einsatzbereit sei. Auf die Nachfrage aus dem Ausschuss, ob es sich, im Hinblick auf die bestehenden Unternehmen lohne, nur die Waschboxen, AdBlue, Flüssiggas und E-Tankstelle anzubieten, verneinte Wigge und sagte: „Aus wirtschaftlichen Gründen müssen wir auch Diesel und Benzin anbieten." In diesem Bereich werde es dann eine Verteilung unter allen Anbietern geben. Dass Lichtenau keinen Bedarf für mehr als zwei Tankstellen habe und durch den Bau einer weiteren Arbeitsplätze gefährdet seien, haben die bestehenden Familienunternehmen in einem gemeinsamen Brief an Bürgermeister Josef Hartmann betont. Der Rathauschef las das Schreiben in der Sitzung vor. „Es ist eine verständliche Sicht der Unternehmen, aber wir im Ausschuss müssen schauen, was gut für die Stadt ist. Es wird ein zusätzlicher bisher nicht vorhandener Energiestoff angeboten. Das ist ein Gewinn für Lichtenau", meint SPD-Ratsherr Ulrich Löhr. „Das passt ins Profil Lichtenaus und jeder darf versuchen, am Markt Fuß zu fassen. Ohne den Shop ist die Tankstelle auch kein direkter Konkurrent zu den bestehenden Betrieben", sagt Bernhard Keiter von Bündnis 90/Die Grünen. „Bei der Landwirtschaft wird die Planung positiv aufgenommen, auch wenn ich Verständnis für die Einwände der Familienunternehmen habe", sagt Walter Kurte von der FDP. „Der Ausschuss hat nicht die Aufgabe, massiv in die Geschäftslage einzugreifen, wir beraten hier über Bauanträge", so Franz Block (CDU). Mit einer Gegenstimme beschloss der Ausschuss schließlich die Einleitung des Planverfahrens zum Bau der Waschboxen und der Automaten-Tankstelle.

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