Der Schulbus von Lichtenau nach Paderborn ist in der Regel immer voll. - © Roland Thöring (Symbolbild)
Der Schulbus von Lichtenau nach Paderborn ist in der Regel immer voll. | © Roland Thöring (Symbolbild)

Lichtenau Im Schulbus von Lichtenau nach Paderborn geht es eng zu

Linie S 85: Der Holtheimer Thomas Koch hält die drangvolle Enge für alle Kinder und Jugendlichen für unzumutbar, fordert ein weiteres Fahrzeug und will dafür Unterschriften übergeben

Karl Finke

Lichtenau. Wenn Aurelia Koch (11 Jahre) morgens um 7.08 Uhr an der ersten Haltestelle in Lichtenau in den Linienbus S 85/484 nach Paderborn steigt, sind die rund 60 Sitzplätze bereits besetzt. Dann steigen an der Torfbruchstraße mit der Holtheimerin rund 35 weitere Schülerinnen und Schüler zu. Unterhalb des Rathauses drängen zehn weitere Kinder und Jugendliche ins Fahrzeug. In Dörenhagen müssen sich zwei Schüler meist neben den Busfahrer zwängen. Für die Elfjährige, ihre Mitschüler und aus Sicht ihres Vaters Thomas Koch sind diese Fahrten kaum erträglich. "Die Luft ist verbraucht, so dass Schülern oft schlecht wird", beschreibt er die Situation zwischen Rucksäcken, Schulranzen und Sporttaschen. "Ich kann nicht nachvollziehen, warum man bei 30 Minuten Fahrzeit überhaupt stehen darf", so Koch. Gefühlt fahre der Bus auf der Bundesstraße 68 oft schneller als die erlaubten 60 km/h. Oft sei das Fahrzeug mit 80 km/h unterwegs, behauptet er. Der betroffene Vater hat sich schon an so ziemlich alle Ansprechpartner für das Ärgernis gewandt. Offiziell stehen in den Gelenkbussen neben den rund 60 Sitzgelegenheiten insgesamt bis zu 100 Stehplätze zur Verfügung. Der Gesetzgeber ermittelt die erlaubte Personenzahl mit einem Durchschnittsgewicht, hat Koch erfahren. Anspruch auf einen Sitzplatz besteht nicht. "Es ist zulässig, dass Fahrgäste im Linienverkehr stehend befördert werden", bestätigt die Bezirksregierung in Detmold - und: "Busse dürfen außerhalb einer geschlossenen Ortschaft 80 km/h fahren, wenn Fahrgäste stehend befördert werden nur 60 km/h." Regelmäßige Weiterbildungen "Die Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeiten wird durch den Einsatz digitaler Fahrtschreiber gewährleistet", antwortet die Pressestelle der Deutschen Bahn (Düsseldorf). Ihre BBH (BahnBus Hochstift GmbH) betreibt den Linienverkehr im Bereich Lichtenau. "Unsere Fahrerinnen und Fahrer werden in regelmäßigen Schulungen weitergebildet und von Qualitätsprüfern kontrolliert", so die weitere Bahn-Antwort. Für den Holtheimer Koch ist das "keine neutrale Kontrolle". Er stellt auch die Sicherheitsvorkehrungen in Frage. Nicht nur Kindern, die kleiner als 1,50 Meter sind, könne in den Bussen keine Festhaltemöglichkeit und kaum ein sicherer Stand geboten werden. Die Bahn-Pressestelle hält dagegen: "Gemäß den Beförderungsbedingungen ist jeder Fahrgast zum Eigenschutz verpflichtet und hat sich einem sicheren Halt zu suchen." Zählungen hätten keine Hinweise auf ein überfülltes Fahrzeug ergeben. Was bei einem Verkehrsunfall passieren könnte, will niemand voraussehen. "Nicht die höchste Stelle wollte sich damit auseinandersetzen", so Koch: "Solange nichts passiert, macht man nichts. Wenn etwas passiert, zeigt man sich halt bestürzt." Lichtenaus Bürgermeister Josef Hartmann kennt das Problem. Der Auftrag für den Busverkehr ist vom Nahverkehrsverbund Paderborn/Höxter (nph) im Auftrag der Kommunen erst 2015 neu vergeben worden. Lichtenau habe für Verbesserungen im Abend-Verkehr mit Nph-Hilfe schon den neuen Bürgerbus auf eigene Schultern genommen. Ein weiteres Fahrzeug bei der Strecke der S 85 würde zusätzlich kosten. Dafür hat Tochter Aurelia schon 49 Unterschriften und Schreiben von weiteren unzufriedenen Schülerinnen und Schülern gesammelt. "Wenn man alle Kräfte bündelt. könnte den Kindern eine ordentliche und sichere Fahrt nach Paderborn ermöglicht werden", glaubt Koch. Geld in die Hand nehmen Die Betroffenen wollen die Unterschriften am 25. Januar an den Nahverkehrsverbund und die Bahn als Betreiber der Linien übergeben. "Wir müssen mehr Geld in die Hand nehmen, um die Schüler sicher und würdevoll zur Schule zu bringen", fordert der Vater. Er ärgert sich vor allem darüber, "dass niemand für den Gesetzestext, der eben diese Missstände erst möglich macht, verantwortlich sein will." Landrat Manfred Müller will sich in den nächsten Wochen mit der Kreispolizeibehörde zum Thema zusammensetzen. Und er hat eine Schulbus-Konferenz mit den Kommunen angeregt, um das Thema Schülertransporte durchaus einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

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