Landwirt in Espeln: Hubertus Beringmeier ist nicht nur Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands, sondern auch des Bezirksverbands OWL. - © Marc Köppelmann
Landwirt in Espeln: Hubertus Beringmeier ist nicht nur Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands, sondern auch des Bezirksverbands OWL. | © Marc Köppelmann

Kreis Paderborn Das Wetter setzt Landwirte im Kreis Paderborn unter Druck

Jahresbilanz: Besonders der Frost im Frühjahr und die häufige Feuchtigkeit im Jahresverlauf erschweren den Bauern die Arbeit und mindern den Ertrag. Milchviehhöfe können kurz durchatmen

Kreis Paderborn. „2017 war ein aufregendes Jahr", resümiert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Paderborn Hubertus Beringmeier. Vor allem das Wetter brachte Überraschungen. „Ein Großereignis für die heimische Landwirtschaft war die Landesgartenschau in Bad Lippspringe", sagt Beringmeier in einer Mitteilung des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands. Mehr als 600 ehrenamtliche Bäuerinnen und Bauern unterstützten vor Ort. Ungewöhnliche Witterungsbedingungen prägten das Jahr: Der wärmste März seit Beginn der Aufzeichnungen, dann Frost im April, der besonders die Obstbaumblüte traf. Im Juni Hitze und Trockenheit. Danach bis zum Jahresende immer wieder feuchte Witterung. Der Regen stellte die Bauern im Sommer bei Getreide- und Rapsernte und im Herbst bei der Mais-, Kartoffel und Zuckerrübenernte vor Herausforderungen. Auch die Herbstbestellung war aufgrund der Nässe schwierig. Ebenso gestaltete sich die Weizenaussaat bis in den Dezember hinein. Beide Getreidearten konnten auf nassen Standorten zum Teil gar nicht in den Boden gebracht werden. Hinzu kamen Herbststürme, die beim Mais regional erhebliche Sturmschäden verursachten. „Dennoch konnten wir beim Mais eine gut durchschnittliche Ernte und bei den Kartoffeln eine gute Ernte bei durchschnittlichen Qualitäten verbuchen", sagt Beringmeier. Die Zuckerrüben zeigten sehr gute Erträge mit guten Zuckergehalten. Die Preise der pflanzlichen Erzeugnisse liegen dagegen unter dem langjährigen Mittel. Der Milchpreis hat sich zur Freude der Landwirte in diesem Jahr erholt. Die wirtschaftliche Lage habe sich für Milchbauern klar entspannt. Das sei aufgrund der hohen Verluste der Krisenjahre 2015 und 2016 dringend notwendig gewesen. „Die Milchbauern brauchen noch eine längere Phase, da sie in der Zeit der Preiskrise erhebliche Verbindlichkeiten aufgebaut haben", erläutert Beringmeier. Doch derzeit zögen dunklere Wolken am Milchmarkt auf, die die Aussichten für 2018 stark eintrüben würden. „Einbrüche sind Straftaten und keine Heldentaten" „Bei den Schweinen hatten wir ebenfalls ein gutes Jahr, allerdings ist der Preis in den letzten Monaten stark gefallen. Das sei aber für Schweinehalter nichts Ungewöhnliches zu dieser Jahreszeit. Ein Thema, das Landwirte besonders bewegt, sind Stalleinbrüche, unter anderem von einzelnen Tierrechtsorganisationen. „Einbrüche sind Straftaten und keine Heldentaten", unterstreicht der Vorsitzende, in dessen Schweinebetrieb in Hövelhof-Espeln im Herbst ebenfalls eingebrochen wurde. Mit Sorge sehen die Bauern das Vorrücken der Afrikanischen Schweinepest (ASP) aus Osteuropa. Vor allem über ein Verschleppen durch Menschen könne die Tierseuche sprunghaft große Entfernungen in kurzer Zeit überbrücken. Da die Gefährdung ebenso von der hohen Wildschweinpopulation ausgehe, appelliert der Vorsitzende an die Verantwortung von Landwirten und Jägern. Sorgen bereiten den Landwirten wachsende Auflagen wie bei der neuen Düngeverordnung. Die Zeiträume, in denen Dünger aufgebracht werden dürfe, seien verkürzt worden. „Die organische Düngung wird vom Herbst stärker in das Frühjahr verlagert", schildert Beringmeier. Dieses führe neben einem arbeitstechnischen Druck der Landwirte im Frühjahr möglicherweise dazu, dass die Gülledüngung von der Bevölkerung noch stärker wahrgenommen werde, weil sie dann zeitlich enger erfolgen müsse. Zudem bedeute die Verordnung erheblich mehr Bürokratie und höhere Kosten für die Höfe. Zu den großen Aufgaben der Zukunft gehören laut Beringmeier die wachsenden Forderungen der Gesellschaft an eine umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft. „Für die Bauernfamilien bleibt es eine Daueraufgabe und ein Spagat, die Landwirtschaft zu vermitteln, die steigenden Erwartungen der Gesellschaft zu erfüllen und dabei wirtschaftlich zu überleben", sagt der Vorsitzende.

realisiert durch evolver group