Auf dem Truppenübungsplatz in der Senne dienen alte Panzer und Bunker als Zielobjekte. - © Marc Köppelmann
Auf dem Truppenübungsplatz in der Senne dienen alte Panzer und Bunker als Zielobjekte. | © Marc Köppelmann

Kreis Paderborn Truppenübungsplatz: Schadstoffe im Sennesand

Aktionskreis Freie Senne: Experte beschreibt die historischen Belastungen auf dem Truppenübungsplatz. Er rät zu einer Ausweitung der Wasseruntersuchungen

Kreis Paderborn. Am Ende des Zweiten Weltkriegs lagerten in der Heeresmunitionsanstalt auf dem Truppenübungsplatz Senne mehr als 80.000 Granaten mit chemischen Kampfstoffen. Am Kriegsende wurde auf einem Sprengplatz Munition in großer Menge gesprengt, mit dem Ziel, sie unbrauchbar zu machen - nicht sie zu vernichten. Deshalb findet man noch immer gefährliche Geschosse in der Umgebung des Platzes. Michael Kerth von der gleichnamigen Geo-Infometric GmbH aus Detmold berichtete beim Aktionskreis Freie Senne über bisherige Ergebnisse seiner historischen Erkundungen zu potenziellen Schadstoffbelastungen des Bodens und Grundwassers auf dem Truppenübungsplatz. Seit 2015 führt das Unternehmen die Untersuchungen im Auftrag der Kreise Paderborn, Gütersloh und Lippe durch und stellte sie zuletzt im Juni seinen Auftraggebern vor. Auch einige ehemalige Sprengplätze sind für den Übungsbetrieb voll gesperrt, es sind so genannte "Out of bounds areas". Sprengstoff gelang dort mit hoher Wahrscheinlichkeit mit dem Sickerwasser der Oberfläche ins Grundwasser, so Kerth. Der britische Kampfmittelräumdienst dokumentiere zahlreiche Funde. Hohe Kontamination der Schießstände Da er aber nicht flächendeckend abräume, sondern erst nach konkreten Hinweise tätig werde, müsse man mit weiteren Funden rechnen. Die Kontaminationsrisiken bezeichnete Kerth in seiner Untersuchung als flächenhaft-diffus. Dies gelte im Besonderen für die Zielflächen von Schießbahnen, auf denen Geschosse größeren Kalibers auftreffen. Eine wahrscheinlich hohe Kontamination zeige sich an den jeweiligen Schießständen. Auf einigen Schießständen für weiterreichende Waffen flögen die Geschosse, falls sie das Ziel verfehlen, noch 500 bis 1.000 Meter weiter und würden verstreut im Gelände landen. In der Diskussion wurde klar, dass eine Aussage wie "es sind keine akuten Gefahren erkennbar" zwar formal richtig sind, aber keineswegs beruhigend wirken. Das Grundwasser ist durch Schadstoffe im Boden wohl nicht unmittelbar gefährdet, aber wenn weiterhin Munitionsreste und Kampfmittel verrotten und zerfallen, kann es mittelfristig zu Gefährdungen und Grundwasserbelastungen kommen. Kerth rät dringend, die begonnenen Wasserprüfungen auszuweiten.

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