Verärgert: Landwirt Hubertus Beringmeier aus Hövelhof. - © Marc Köppelmann
Verärgert: Landwirt Hubertus Beringmeier aus Hövelhof. | © Marc Köppelmann

Hövelhof Vermutung: Einbruch durch Tierschützer bei Landwirte-Chef Beringmeier

Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Bezirksverbands ist davon überzeugt, dass in seinen Schweinestall eingebrochen wurde. Er berichtet von Bedrohungen durch Tierschützer

Jens Reddeker

Hövelhof/Münster. Hubertus Beringmeier ist merklich erschüttert. Der Hövelhofer Landwirt und Chef eines Familienbetriebs mit 3.500 Schweinen, ist davon überzeugt, Opfer eines Einbruchs durch Tierschutz-Aktivisten geworden zu sein. „In einem Abteil eines unserer Ställe war am Samstagmorgen die Lüftung auf eine Temperatur von 40 Grad anstatt der normalen 22,5 Grad eingestellt. Einen technischen Defekt hat der Hersteller ausgeschlossen. Ich gehe daher von einem Einbruch aus", sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes OWL im Gespräch mit nw.de. Er sucht jetzt weiter nach Spuren auf dem Hof, hat bereits Strafantrag bei der Polizei gestellt und will als Konsequenz des Vorfalls die Sicherheitsmaßnahmen rund um seine Ställe im Ortsteil Espeln erhöhen. Beringmeier ist auch deshalb beunruhigt, weil er „von mehreren Seiten" vernommen hat, dass er als Verbandsvertreter ausdrücklich ins Visier von Tierschützern geraten ist. In den letzten Monaten habe es zudem anonyme Drohanrufe und E-Mails gegeben. Christian Adam vom Münsteraner Verein Tierretter, der Mitte des Monats Bilder aus Schweineställen von Westfleisch-Lieferanten veröffentlicht hatte, bestreitet, dass seine Organisation auf Beringmeiers Hof gewesen ist. „Ich kenne niemanden, der dort war. Wir haben keine Bilder", sagt der Aktivist, der mit seinem Verein gegen Tiernutzung kämpft und mit Hilfe von Foto- und Videoaufnahmen „einen Diskurs über die Tierhaltung in Deutschland anstoßen" will. Beringmeier spricht von Hetzkampagne Bilder von den Höfen einzelner Funktionäre sind für Adam dabei „interessant, denn sie sagen immer, dass in ihren Ställen alles in Ordnung ist". Der Verein Tierretter hatte im Juli Aufnahmen aus den Ställen des Betriebs der Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (CDU) veröffentlicht. Auch für die Zukunft will Adam geheim erstellte Aufnahmen von Höfen weiterer Verbandsvertreter „nicht ausschließen". Gegen Diskussionen über Tierhaltung wehrt sich auch Beringmeier nicht: „Wir sind offen für einen Dialog, es ist aber ein Skandal, wenn Fremde mit Kameras in Ställe eindringen können und Landwirte werden wegen dieser Bilder öffentlich ans Kreuz genagelt." Er spricht von einer „Hetzkampagne". Aktivist Adam sagt, sein Verein verschaffe sich nie gewaltsam Zutritt zu einem Stall: „Wenn die Türen zu sind, dann gehen wir wieder." Hubertus Beringmeier ist davon überzeugt, dass sich bei ihm jemand gewaltsam Zutritt verschafft hat: „In den Stall kommt niemand, ohne eine Straftat zu begehen." Vor der Veröffentlichung möglicher Aufnahmen von seinen Tieren hat er jedoch keine Angst. „Unsere Schweine sind in Ordnung, noch am Samstag und am Mittwoch hat der Tierarzt den Bestand protokolliert." Dennoch gesteht er auch Fehler seiner Branche ein: „Wir haben zu lange immer nur Bilder der heilen Bauernhof-Welt gezeigt." Dabei gehöre es zur Realität, dass Schweine krank würden und rund ein Prozent der Tiere im Stall sterbe. Naturgemäß verteidigt der Verbandschef seine Berufskollegen, sagt aber: „99 Prozent erledigen einen klasse Job, es gibt jedoch auch bei uns Leute, die es nicht so gut machen."

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