Gefragtes Walddreieck: Das Areal rechts vom bestehenden Hövelhofer Gewerbegebiet Schierbusch, vorne das Unternehmen Hedenkamp, steht wieder im Fokus. Rechts ist die Bielefelder Straße zu sehen, oben am Waldrand die Siedlung Schnepfenflucht. Dort sprachen sich einst Anwohner gegen Gewerbe in der Nachbarschaft aus. - © Jens Reddeker
Gefragtes Walddreieck: Das Areal rechts vom bestehenden Hövelhofer Gewerbegebiet Schierbusch, vorne das Unternehmen Hedenkamp, steht wieder im Fokus. Rechts ist die Bielefelder Straße zu sehen, oben am Waldrand die Siedlung Schnepfenflucht. Dort sprachen sich einst Anwohner gegen Gewerbe in der Nachbarschaft aus. | © Jens Reddeker

Hövelhof Hövelhofer Wald soll für Firmen-Erweiterungen weichen

Antrag der Hövelhofer CDU fordert Erweiterungsmöglichkeiten für Betriebe zwischen Hövelrieger und Bielefelder Straße. Bürgermeister nimmt neue Landesregierung in die Pflicht

Jens Reddeker

Hövelhof. Der Regierungswechsel in Düsseldorf macht es möglich: Eine vor fünf Jahren zu den Akten gelegte Idee nimmt in Hövelhof wieder Fahrt auf. Geht es nach der CDU-Ratsfraktion, soll das bestehende Gewerbegebiet Schierbusch in einem Dreieck zwischen Bielefelder Straße und Hövelrieger Straße erweitert werden. Die Planungen dazu soll die Verwaltung nach CDU-Wunsch jedenfalls schon einmal aufnehmen. In einem Antrag für die Ratssitzung (6. Oktober, 19 Uhr, Ratssaal) schreibt Fraktionschef Udo Neisens, dass mit der Waldfläche am östlichen Schierbusch der "konkrete und kurzfristige Bedarf Hövelhofer Unternehmen befriedigt" würde. Die Planung der Fläche Schierbusch-Ost war 2012 gestoppt worden, nachdem die damalige Rot-Grüne Landesregierung klar gemacht hatte, dass zunächst andere Flächen zu nutzen seien, bevor Wald für Gewerbegebiete abgeholzt werden dürfe. Bürgermeister Michael Berens (CDU) ärgerte sich damals besonders, da die Zusage für das Areal im Jahr 2008 schon vorgelegen hatte - und durch die 2010 gewählte Landesregierung wieder im Aktenschrank verstaut werden musste. "Wir brauchen dringendst neue Flächen. Heimische Unternehmen wollen sich an ihren Standorten erweitern. Darauf werde ich immer wieder angesprochen", sagt Berens auf Nachfrage der Neuen Westfälischen. Der Regionalrat sei gefordert, trotz des noch von Rot-Grün aufgestellten Landesentwicklungsplans, die Ermessensspielräume zugunsten wirtschaftlicher Entwicklung zu nutzen. Für Berens steht fest: "Es gibt nun ein Fünf-Jahres-Zeitfenster mit der neuen Landesregierung - daher müssen wir das Thema schnell voranbringen." In Hövelhof sind laut CDU-Papier sieben Betriebe aktuell auf der Suche nach Flächen. Es heißt im Antrag, die Unternehmen hätten einen "konkreten Bedarf zur gewerblichen Entwicklung vor Ort signalisiert". Die Nachfrage nach Flächen im möglichen interkommunalen Gewerbegebiet in Stukenbrock-Senne sei hingegen aus dem Ort heraus "nicht so stark", sagt Neisens gegenüber der NW. Die Mehrheitsfraktion im Rat stellt daher den Antrag, dass die Gemeindeverwaltung die Planung zur Entwicklung der Fläche "Schierbusch-Ost" wieder vorantreiben möge. Als Ziel nennt Neisens eine Größenordnung "unterhalb von zehn Hektar", bei der auch Rücksicht auf die Anwohner der nahen Schnepfenflucht genommen werden soll. Darüber hinaus soll die Gemeinde prüfen, welche anderen Flächen für die Erweiterung von Gewerbebetrieben zur Verfügung stehen. Eine solche Übersicht wünscht sich auch Grünen-Ratsherr und Co-Ortsvereinsvorsitzender Jörg Schlüter: "Es darf kein Wald platt gemacht werden, bevor nicht alle anderen Optionen geprüft sind." Schlüter kündigte an, dass seine Fraktion gegen den CDU-Antrag stimmen werde. Er fordert stattdessen kreative Ideen für den vorhandenen Flächenbedarf: "Es sollte geprüft werden, wo Unternehmen noch in die Höhe erweitern können. Möglicherweise hilft auch der Bau eines Parkhauses. Dadurch würden Parkflächen frei, die wiederum für Erweiterungen nutzbar wären." Erweiterungspläne sind in Hövelhof von den Unternehmen Senneplastik, DBL Kotzenberg und Hedenkamp bekannt. Hedenkamp hat seine Fläche direkt gegenüber des nun wieder thematisierten Waldstücks aufgebraucht - plant aber weitere Produktionsanlagen. "Wir können noch etwa zwei Jahre in der aktuellen Größe arbeiten, danach wird es eng", sagt Gesellschafter Markus Hedenkamp. Der Bau eines Ablegers im interkommunalen Gewerbegebiet ist für ihn "undenkbar". Sein Betrieb stellt unter anderem Nahrungsergänzungsmittel und pharmazeutische Produkte her. Von der Rohstoffverarbeitung bis zur Verpackung müsse der Ablauf in direkter Nähe stattfinden, sagt Hedenkamp. Er hofft auf die Landesregierung. Im CDU/FDP-Koalitionsvertrag heißt es: "Wir werden ermöglichen, dass bedarfsgerecht neue (...) Wirtschaftsflächen ausgewiesen werden können."

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