Überflutungsgebiet: Zwischen Staumühler Straße (links) und Sennestraße (rechts) wird einer der beiden Dämme zum Hochwasserschutz erreichtet. Teile der Wiesen im Vordergrund würden im Extremfall überschwemmt. - © Jens Reddeker
Überflutungsgebiet: Zwischen Staumühler Straße (links) und Sennestraße (rechts) wird einer der beiden Dämme zum Hochwasserschutz erreichtet. Teile der Wiesen im Vordergrund würden im Extremfall überschwemmt. | © Jens Reddeker

Hövelhof Dammbau gegen die große Flut in Hövelhof

Krollbach: In Hövelhof entstehen zwei Schutzwälle, die im Hochwasserfall das Schlimmste verhindern sollen. Zum Fünf-Millionen-Euro-Projekt zählen auch Maßnahmen der Renaturierung

Jens Reddeker

Hövelhof. Köln? Ok. Entlang der Elbe? Ja. Aber Hövelhof? Der Ort am Krollbach wird nicht automatisch mit verheerenden Hochwassern in Verbindung gebracht. Trotzdem werden in der Gemeinde mit dem trockenen Senneboden derzeit für fünf Millionen Euro zwei etwa zwei Meter hohe Dämme errichtet. Zum Schutz vor einer Überflutung, wie sie statistisch nur alle 100 Jahre vorkommt. Es sind Maßnahmen, zu denen die Gemeinde rechtlich verpflichtet ist. Baggerfans haben seit Anfang September ihre helle Freude an den Wiesen östlich der Dreifachturnhalle zwischen Staumühler Straße und Sennestraße. Dort werden Unmengen Erde bewegt, damit L-förmig entlang der Grenze zum Schulzentrum und entlang eines Stücks der Staumühler Straße innerhalb von zwei Jahren ein Damm entstehen kann. Er soll die Fluten eines so genannten 100-jährlichen Hochwassers stoppen. Das Wasser des ansonsten so kleinen wie malerischen Krollbachs würde im Katastrophenfall den Ortskern bedrohen. Das neue Baugebiet Philippers Feld soll trotz der Nähe zum Damm nicht überschwemmt werden. Mögliche Überschwemmungsgebiete Die Berechnung einer großen Überflutung hat der Wasserverband Obere Lippe in Büren übernommen. Als Lösung wurden zwei mögliche Überschwemmungsgebiete ausgeguckt. Aufgehalten würde der Bach durch Dämme am Schulzentrum und bereits zuvor östlich der Autobahn etwas unterhalb des A-33-Parkplatzes in der Moosheide. Könnte er sich bei einem Hochwasser frei ausbreiten, wäre im Norden der Gemeinde das Industriegebiet in Gefahr - ebenerdige Produktionshallen stünden unter Wasser. "Deshalb wird in der Moosheide ein Damm gebaut, zu dem sogar ein Technikraum für Pegelmessungen und Warnsysteme gehört", sagt Hövelhofs Bauamtsleiter Andreas Markgraf. Das Bauwerk soll schon deutlich vor bebautem Gebiet das Wasser stoppen. In der Moosheide und an der Staumühler Straße hat die Gemeinde für die Errichtung der Dämme Flächen gekauft, in die Schutzwälle werden Ausflüsse aus Beton für einen kontrollierten Ablauf eingelassen. Bei den Flächen, die für Überflutungen vorgesehen sind, handelt es sich um Weideland. Renaturierung des Krollbachs Die Kosten der Baumaßnahmen werden zu 80 Prozent aus Fördermitteln bezahlt, die verbleibenden 20 Prozent teilt sich die Gemeinde mit dem Wasserverband Obere Lippe, der Hövelhofer Etat wird also mit 500.000 Euro belastet. Über den Stand der Arbeiten informierten sich mit Bürgermeister Michael Berens auch Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl und Landrat Manfred Müller. Einbezogen ins Hochwasserschutzkonzept sind auch Maßnahmen zur Renaturierung des Krollbachs. Am Hasendorfweg sowie zwischen Sennestraße und Staumühler Straße darf sich der Bach demnächst natürlich entfalten. "Dadurch wird der Gewässerlauf noch erlebbarer", sagt Bauamtschef Markgraf. "Hier können Grüne Klassenzimmer in Zukunft die heimische Natur erkunden." Wenn die Hochwasserschutzarbeiten abgeschlossen sind, gibt es in Hövelhof also nur noch nasse Füße, wenn jemand freiwillig in den Krollbach steigt. Die letzten üppigen Fluten in der Gemeinde - am Abend des 9. August 2007 - stellten übrigens laut Andreas Markgraf, "kein Hochwasser, sondern lediglich ein Niederschlagsereignis" dar.

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