Zerstörte Unterkunft: Die Flammen haben die Baracke in der Flüchtlingsunterkunft Staumühle vernichtet. - © Marc Köppelmann
Zerstörte Unterkunft: Die Flammen haben die Baracke in der Flüchtlingsunterkunft Staumühle vernichtet. | © Marc Köppelmann

Hövelhof Nach Brand in Staumühle: Drei Bewohner dringend tatverdächtig

Sie sollen das Feuer in dem ehemaligen Bundeswehrlager am Rande des Truppenübungsplatzes vorsätzlich gelegt haben

Hövelhof. Nur wenige Stunden nach dem die brennenden Baracken in der Flüchtlingsunterkunft Staumühle gelöscht und die 57 Verletzten versorgt waren, nahm die Polizei noch am Donnerstagabend drei 20- und 21-jährige Bewohner der Unterkunft – es handelt sich um Asylbewerber aus Algerien – fest. Sie sind dringend verdächtig, in einem Wohnraum der Unterkunft vorsätzlich Feuer gelegt zu haben. Anlass war offenbar die Unzufriedenheit der Beschuldigten mit ihrer Unterbringungssituation in der Einrichtung. Die Staatsanwaltschaft Paderborn hat gegen die drei Männer beim Amtsgericht Paderborn den Erlass eines Haftbefehls wegen besonders schwerer Brandstiftung beantragt. Zwei weitere Bewohner waren zunächst ebenfalls vorläufig festgenommen, dann aber wegen mangelnden Tatverdachts wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Ein Brandsachverständiger hat den Brandort begutachtet und bestätigt, dass das Feuer an dem Ort gelegt wurde, wo sich die beschuldigten Männer zur Tatzeit aufhielten. Der Brand in der Flüchtlingsunterkunft Staumühle, der eine Unterkunftsbaracke in Schutt und Asche legte, hatte zunächst den Staatsschutz Bielefeld auf den Plan gerufen. Für einen fremdenfeindlichen Hintergrund liegen der Polizei keine Anhaltspunkte vor. Bei dem Feuer war eine Baracke mit mehreren Wohneinheiten vollständig ausgebrannt. Wo früher übende Truppen am Rande des Truppenübungsplatz Senne in Feldhäusern biwakierten, sind seit Juli 2015 Flüchtlinge untergebracht. Was ursprünglich als Provisorium für wenige Wochen geplant war, wird seit mehr als einem Jahr als sogenanntes Balkan-Zentrum genutzt, in dem vor allem Albaner untergebracht sind, die nur geringe Chancen auf Erfolg in einem Asylverfahren haben. Rund 110 Feuerwehrleute und rund 90 Rettungsdienstmitarbeiter waren bis zum frühen Donnerstagabend im Einsatz. Wegen der großen Zahl an Betroffenen löste die Leitstelle des Kreises Paderborn das Stichwort „Massenanfall an Verletzten" aus. Darauf rückten innerhalb kurzer Zeit 23 Rettungs- und Krankentransportwagen aus den Kreisen Paderborn und Gütersloh sowie der Stadt Bielefeld nach Staumühle aus. Von den 30 Personen, die nach Erstversorgung in der Unterkunft in Krankenhäuser eingeliefert worden waren, wurden 25 noch im Laufe des Abends nach ambulanter Behandlung wieder entlassen. Beobachter, die Kontakt zu Bewohnern des Lagers haben, klagen über „erbärmliche Zustände" in der Unterkunft. Die Mahlzeiten fänden oft in einem unbeheizten Zelt statt. Untergebracht seien jeweils acht Personen in kleinen Zimmern. Nachts sei es in der Unterkunft sehr laut, zudem seien immer wieder Schüsse der übenden Truppe zu hören. Zwar verkehrt die Buslinie 427 mit jeweils neun Fahrten pro Tag zischen Staumühle und dem Ortskern, doch die Zuwanderer legen die fünf Kilometer bis in den Ortskern meist zu Fuß zurück. Ebenfalls am Donnerstag, brach in den Mittagsstunden in einer kommunalen Unterbringungseinrichtung in Bad Lippspringe, in der 19 Zuwanderer untergebracht sind, ein Feuer aus. Nach ersten Ermittlungen gerieten in einem Kellerraum ein Kinderwagen, Stühle und eine Waschmaschine in Brand. Alle Bewohner retteten sich unverletzt ins Freie. Derzeit geht die Polizei von einer vorsätzlichen Brandstiftung aus. Da ein fremdenfeindlicher Hintergrund nicht ausgeschlossen werden kann, nahm der Staatsschutz in Bielefeld die Ermittlungen auf.

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