Hövelhof/Delbrück Abdeckplanen wirbeln in Stromleitung

Knapp 20.000 Menschen waren in Hövelhof und Ostenland stundenlang ohne Strom

Stück für Stück müssen die Planenteile aus der Hochspannungsleitung gepflückt werden. - © FOTO: FEUERWEHR
Stück für Stück müssen die Planenteile aus der Hochspannungsleitung gepflückt werden. | © FOTO: FEUERWEHR

Hövelhof/Delbrück-Ostenland Schweißtreibende Arbeit wartete auf die Hövelhofer Feuerwehr am Samstag Nachmittag auf einem Spargelfeld in der Nähe der Detmolder Straße in Hövelriege. Eine Windhose hatte die Abdeckplanen eines Spargelfeldes in die Hauptversorgungsstromleitung geweht. Die langen Planen verfingen sich in den Stromleitungen und sorgten hier für einen gewaltigen Kurzschluss und nachfolgend für einen Stromausfall in ganz Hövelhof sowie in Ostenland. Kurzzeitig waren knapp 20.000 Menschen ohne Strom.

Gegen 14.05 Uhr hatten Anrufer der Leitstelle des Kreises Paderborn Büren-Ahden ein Heißluftballon gemeldet, der in eine Stromleitung geraten sei. Für die Hövelhofer Wehr wurde umgehend Vollalarm ausgelöst. "Das hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Aber die vielen Planen konnte man tatsächlich aus der Entfernung für einen Heißluftballon halten" so Einsatzleiter Peter Kesselmeier.

Zeugenaussagen zufolge hat eine örtlich begrenzte Windhose schwarz-weiße Abdeckplanen eines unter der 110 KV-Stromleitung gelegenen Spargelfeldes in die Höhe gewirbelt. In 15 bis 20 Metern Höhe wickelten sich die bis zu 100 Meter langen Planen in den Leitungen. "Das hat nach Aussagen der Erntehelfer einen mächtigen Knall und Funkenflug gegeben, als die Planen in die Leitungen flogen.

Möglicherweise sind die Planen teilweise mit dem Kabel verschmolzen" mutmaßte Peter Kesselmeier die Bergungsarbeiten. Insgesamt 14 Spargelhügel wurden abgedeckt. Auf dem Feld am Mühlenweg waren sechs Erntehelfer mit der Spargelernte beschäftigt. Diese blieben glücklicherweise unverletzt.

Durch den Netzbetreiber wurde der Strom über die Hauptleitung abgeschaltet, und über ein Erdkabel wurden nach rund 20 Minuten die ersten Haushalte in Hövelhof und Ostenland nach und nach wieder ans Netz genommen. "Als Erstmaßnahmen haben wir den Bereich entlang der Hochspannungsleitung weiträumig abgesperrt" berichtete Peter Kesselmeier am Samstagnachmittag.

Anschließend erdeten Fachkräfte des Betreibers die Stromtrasse am Umspannwerk Hövelhof und im Bereich eines Strommasten in der Nähe der Unglücksstelle. Erst danach konnte die Hövelhofer Feuerwehr sich ab etwa 17.30 Uhr an die Hochspannungsleitung heranwagen.

Mit Unterstützung des Hövelhofer Tiefbauunternehmens Kaimann wurde die Drehleiter unter der Stromtrasse in Stellung gebracht. Ein Radlader hatte einige Spargelbeete abgeschoben und Stahlplatten in Position gebracht, damit die Drehleiter Stellung beziehen konnte. Was folgte, war mehrstündige und bei über 30 Grad Celsius schweißtreibende Fleißarbeit in praller Sonn.

Die 14 je rund 100 Meter langen Planen des Spargelfeldes, die sich teilweise mit der Stromleitung verknotet hatten, mussten Stück für Stück abgeschnitten werden. Die Isolatoren der betroffenen Leitungen bogen sich an den betroffenen Leitungen mächtig nach innen.

"Das müssen wir alles gründlich kontrollieren, bevor die Stromleitung wieder in Betrieb gehen kann" so der Mitarbeiter des Energieversorgers. Immerhin lasteten mehrere hundert Kilogramm Gewicht auf den Stromkabeln.

Am frühen Abend waren schließlich alle Planen aus der Leitung entfernt, und die letzten Häuser waren wieder ans Stromnetz angeschlossen.

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