Warten auf den Regen: Hubertus Beringmeier blickt in den grauen Himmel, wo sich ein Gewitter anbahnt und Regen verspricht. Viele Getreidefelder in OWL sind zu trocken. - © Stefan Boes
Warten auf den Regen: Hubertus Beringmeier blickt in den grauen Himmel, wo sich ein Gewitter anbahnt und Regen verspricht. Viele Getreidefelder in OWL sind zu trocken. | © Stefan Boes

Hövelhof Landwirte in der Senne bangen um die Ernte

Extremwetter: Landwirte in OWL sorgen sich um ihre Erträge. Viele Pflanzen sind in der frühsommerlichen Hitze vertrocknet, die Bauern setzen auf neue Methoden. Ein Besuch auf dem Hof von Hubertus Beringmeier.

Stefan Boes

Hövelhof. Der Himmel über Hövelhof verfärbt sich grau, in der Ferne donnert es schon, ein Gewitter kündigt sich an. Eigentlich sind das blendende Aussichten für Hubertus Beringmeier und seine Getreidefelder, die dringend Wasser brauchen. Doch Beringmeiers Blick richtet sich nicht nach oben, in den verhangenen Himmel, sondern auf sein iPad. Und die Wetter-App verheißt nichts Gutes, denn viel Regen kommt wohl nicht. „Man guckt drei Mal täglich auf den Wetterbericht, weil es schließlich auch um finanzielle Einbußen geht", sagt Beringmeier. "Zwei Tage Landregen" Er ist Acker- und Schweinebauer in Hövelhof und Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Bezirksverbands Ostwestfalen-Lippe. Er hat das gleiche Problem wie viele andere Bauern in OWL und im ganzen Land. Die Felder sind zu trocken, Landwirte bangen um ihre Ernte. „Es fehlt überall Niederschlag. Wir bräuchten mal zwei Tage Landregen", sagt Beringmeier. Landregen aber gab es in den letzten Wochen weniger. Wenn mal etwas runter kam, dann viel Wasser in kurzer Zeit. Nach dem wärmsten April und Mai seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist nun auch der Juni sehr warm. Hitze, gefolgt von Gewittern mit Hagel und Starkregen werden für Landwirte immer mehr zu einer Herausforderung, die auch kostspielig ist. Nicht nur wegen der Ernteausfälle. Viele Betriebe investieren verstärkt in Bewässerungstechnik, Hagelnetze und schließen Versicherungen gegen Unwetterschäden ab. Beringmeier hat eine Versicherung gegen Hagelschäden. Er weiß aber auch: „Wir sind Landwirte. Wir haben einfach dieses Risiko." Seine Rechnung geht so: Von drei Jahren gibt es ein optimales Jahr, ein durchwachsenes Jahr und eins mit Trockenschäden. Und so wie es derzeit auf vielen Feldern aussieht, ist dieses Jahr kein optimales Jahr. Pflanzen auf Bördeböden haben es leichter Beringmeier hat sein Tablet zur Seite gelegt und sich auf den Weg zu seinen Feldern gemacht. Er zeigt auf 30 Hektar Gerste: „Man sieht es ganz deutlich. Da, wo der Boden schlechter ist, ist die Gerste hellgelb und vertrocknet." Was die Trockenheit für die Felder bedeutet, hängt vor allem vom Boden ab, erklärt er. Hier in Hövelhof, auf dem sandigen Senneboden, haben es die Pflanzen schwerer als auf lehmigen Böden oder in der Börde. Beringmeier erläutert das entsprechende Punktesystem: Die Börde, zum Beispiel im Warburger Land, hat 100 Punkte. Der Boden, auf dem seine Gerste sowie Roggen und Triticale wachsen, hat nur 20 Punkte. Beringmeier rechnet dieses Jahr mit maximal zwei Dritteln des optimalen Ertrags auf seinen Feldern. Wird das der neue Normalfall, weil der Klimawandel immer häufiger Extremwetter mit sich bringt? In dieser Prognose ist Beringmeier zurückhaltend. Die frühsommerliche Hitze sei zwar ungewöhnlich, habe es aber immer wieder mal gegeben. Dass Landwirte jetzt alles anders machen müssen, sieht Beringmeier nicht. Doch viele Bauern investieren in Bewässerungstechnik. Bewässerungstechnik ist mehr gefragt Das spürt auch die Firma Bevo aus Vlotho, die sich auf Wassertechnik spezialisiert hat. Bevo liefert unter anderem Beregnungsanlagen an Agrarbetriebe und berät Landwirte bei Bewässerungskonzepten. „Wir merken, dass es überdurchschnittlich gut läuft. Man läuft offene Türen ein", sagt Geschäftsführer Frank Bieletzki. Man könne als Landwirt nicht mehr sicher mit Wasser rechnen. Wasser und Ertrag stehen aber in einem direkten Zusammenhang, daher setzen Betriebe zunehmend auf Bewässerung, sagt Bieletzki. Seine Branche rechne daher mit einem weiteren deutlichen Wachstum. In OWL arbeiten bisher vor allem Obst- und Gemüsebauern mit Bewässerungssystemen. Für seine Getreidefelder lohnt sich das finanziell nicht, sagt Beringmeier. Doch wie dramatisch ist die Dürre überhaupt? Die Landwirtschaftskammer NRW verweist darauf, dass der Monat Mai, der in diesem Jahr viele Hitzetage hatte, besonders im Fokus der Landwirte stand. Sprecher Bernhard Rüb verweist dabei auf eine Bauernregel: „Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheun’ und Fass." Auf einigen Anbauflächen des Münsterlandes und in OWL gebe es Trockenschäden. Insgesamt seien aber die Ernteaussichten für Getreide in NRW im Landesdurchschnitt im Moment besser als in den Vorjahren. Jetzt komme es auf die kommenden Wochen an. „Der Regen würde sich bei Weizen und Triticale noch positiv auf den Ertrag auswirken", sagt Beringmeier. Die Gerste werde schon bald geerntet und der Roggen habe ohne Regen bessere Chancen, weil er tiefere Wurzeln habe und insgesamt nicht so anspruchsvoll sei. Die Trockenschäden seien in OWL sehr unterschiedlich. Die größten Probleme gebe es in Teilen des Kreises Gütersloh und des Kreises Paderborn. Aber noch sind Roggen, Gerste und Triticale nicht verloren. Nicht ganz. Der Regen, der sich angekündigt hat, kam dann allerdings doch nicht. Er fiel jedenfalls nicht in Hövelhof.

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