Hinterbebauung im Grünen möglich: Die Zufahrt über einen Rad- und Fußweg am St. Franziskus-Kindergarten (r. unten) wäre aus Sicht der Kreisverwaltung denkbar. Anfangs wünschte die Familie Wilsmann (unten) ein Baurecht. Die Anwohner oben möchten ihre Gartenflächen nicht bebauen lassen. - © Jens Reddeker
Hinterbebauung im Grünen möglich: Die Zufahrt über einen Rad- und Fußweg am St. Franziskus-Kindergarten (r. unten) wäre aus Sicht der Kreisverwaltung denkbar. Anfangs wünschte die Familie Wilsmann (unten) ein Baurecht. Die Anwohner oben möchten ihre Gartenflächen nicht bebauen lassen. | © Jens Reddeker

Hövelhof Hövelhof bietet umstrittenes Grundstück zum Verkauf an

An der Jägerstraße in Hövelhof hält der Kreis Paderborn einen Hausbau für möglich. Die Gemeinde erntete Widerstände und wollte den Bereich vergrößern. Wer kann zahlen?

Karl Finke

Hövelhof. Wenn es in einer Gemeinde aktuell keine kommunalen Bauplätze gibt, wird ein einzelnes Grundstück womöglich zum Renner. Auch, wenn es richtig teuer wird - wie in Hövelhof im idyllischen Rückraum der Jägerstraße an einem Rad- und Fußweg. Über mehrere Jahre hat der grüne Fleck in Nachbarschaft der bekannten Familie Wilsmann (Kostüme Pferdeshow "Apassionata") vor allem für Irritationen und Ärger gesorgt. Die Gemeinde fuhr dabei einen Zick-Zack-Kurs und geriet ins Schlingern. 2013 hatte die Verwaltung im Rathaus bei der Überprüfung ihrer Spielplätze den an der Jägerstraße gegenüber der Kita St. Franziskus als verzichtbar eingestuft, obwohl dieser aus Sicht von Anliegern nach wie vor von Kindern aufgesucht wurde. In der Folge hatte 2014 der genannte Nachbar offiziell nach einer möglichen Baugenehmigung gefragt. Die Gemeinde hielt hier damals ein zweigeschossiges Wohnhaus für machbar. Mangels konkreter Baupläne ruhte das Verfahren anschließend. Die Ereignisse überschlugen sich Als im Februar 2017 der Bebauungsplan aufgestellt werden sollte, überschlugen sich die Ereignisse. Die Spielgeräte wurden abgebaut und am Rosenmontag die Anlieger von Motorsägen überrascht, mit denen die Bäume fallen sollten. Nach Protesten ließ Bürgermeister Michael Berens die Fällaktion stoppen. Die Anwohner übergaben über 300 Unterschriften zum Erhalt der grünen Oase - 50 Meter vom Wald entfernt. Bei einer Bürgerinformations-Veranstaltung mit 45 Teilnehmern appellierte der Bürgermeister an ein faires Verfahren und das Landesinteresse zur Innenentwicklung von Bebauung. Die CDU-Mehrheitsfraktion mochte in der Folge jedermann die Möglichkeit zum Erwerb des Grundstücks eröffnen. Zur öffentlichen Erschließung der Grünfläche schien die Gemeinde jedoch auf die Familie Wilsmann angewiesen, die womöglich einen halben oder einen Meter ihres Grundstücks hätte abgeben müssen. In den Sommerferien 2017 trat der Gemeinderat zu einer Sondersitzung zusammen und beschloss den Bebauungsplan mit Zufahrtsrecht über den Rad- und Fußweg. Der Planer signalisierte seinerzeit bereits, dass die drei Meter in der Zufahrt für den notwendigen Brandschutz unter Umständen ausreichen könnten. Eine in der Sitzung weiterhin beschlossene Abfrage von eventuell weiteren Bauwilligen in der Nachbarschaft und eine Erschließungs-Alternative von der Gartenstraße aus hatten kein Interesse zum Ergebnis. Mindestens drei Meter muss die Zufahrt breit sein Die entsprechende Bauvoranfrage der Gemeinde Hövelhof für das Solo-Grundstück hat der Kreis Paderborn jetzt positiv beschieden. Aus Sicht der Brandschutzdienststelle ist für den Einsatz von Feuerwehr- und Rettungsdienstfahrzeugen "der vorhandene Verbindungsweg als Feuerwehrzufahrt anzulegen. Die Zufahrt muss mindestens drei Meter breit sein. Auf den vor dem Gebäude gelegenen Grundstücksstellen ist eine Bewegungsfläche von 7 x 10 m anzuordnen", heißt es wörtlich im Vorbescheid der Kreisverwaltung. "Wir werden in der nächsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses (5. Juli, die Redaktion) den Preis festlegen und das Grundstück anschließend im offenen Verkauf anbieten", so Bürgermeister Berens auf Anfrage der NW. Fixiert wurden schon 75.000 Euro für die komplette Erschließung des rund 60 Meter langen Rad- und Fußweges mit Wasser- und Abwasserleitungen. Dafür müssten die Straßenbeleuchtungen links und rechts auf das Kindergarten-Grundstück versetzt werden. Der Quadratmeterpreis für kommunales Bauland beträgt in Hövelhof aktuell 120 Euro - ohne Erschließung. Interessenten für das Solo-Baugrundstück gibt es laut Berens. Die Anlieger-Familie Wilsmann wird möglicherweise nicht mehr zu den Bewerbern zählen.

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