Hövelhof Hövelhofer Unternehmer will Arbeitsalltag entschleunigen

Achtsamkeit: Auch seine Mitarbeiter sollen davon profitieren

Andreas Götte

Hövelhof. Arbeit kann beglücken, aber auch krank machen. Viele Menschen sind mit ihrer derzeitigen Arbeitssituation unzufrieden, leiden in der zunehmend digitaleren Arbeitswelt unter Stress, unterliegen Zwängen und haben Angst vor Jobverlust. Auch Michael Athens kennt das in Ansätzen. Auch sein Arbeitsalltag stellte ihn nicht immer zufrieden. Auch die Gelassenheit war ihm ein Stück weit abhanden gekommen. Da der geschäftsführende Gesellschafter von Westfalia Spielgeräte sich seit 2011 mit dem Buddhismus und dem Thema Achtsamkeit beschäftigt hatte und er 2014 auf das Buch vom Gründer des Netzwerks Achtsame Wirtschaft (NAW), Kai Romhardt, gestoßen war, weiß Athens, dass es auch ganz anders gehen kann. "Ich habe schon immer Trends, bestimmte Thesen und Ideologien hinterfragt und mir die Frage gestellt, was mich glücklich macht, hin zu einem erfüllteren Arbeitstag", sagt der gebürtige Hövelhofer. Das Zauberwort auf dem Weg dorthin heißt Achtsamkeit. Die kann jeder erlernen. Sie bedarf allerdings einiger Übung. Selbstständige und Freiberufler In der von Michael Athens und zwei Freunden im Sommer 2015 gegründeten Paderborner NAW-Regionalgruppe kann das unter anderem erlernt werden. Die Treffen sind für Jedermann offen, getroffen wird sich auf dem Westfalia-Firmengelände alle sechs Wochen. Mit dabei sind vor allem Selbstständige und Freiberufler wie beispielsweise ein Coach und eine Heilpraktikerin, aber auch Personalverantwortliche. Sie alle suchen Entschleunigung, eine bessere Gesundheit und Zufriedenheit. Das Netzwerk ist laut Athens eine gute Basis, um mit Gleichgesinnten in Kontakt zu kommen. Ein Mitgliedsbeitrag wird nicht erhoben, alles funktioniert auf Spendenbasis. Kurze meditative Übungen können bereits helfen. "Über die Bewegungen des Atems kann man Kontakt zum Körper aufnehmen. Durch das bewusste Wahrnehmen wird man ruhiger", weiß Michael Athens. Das helfe beispielsweise auch in Stresssituationen wie Besprechungen. "Ich kann mich damit gedanklich kurz rausziehen", sagt Athens, "und danach wird auch die Stimmung im Raum ruhiger." Derartige kleine Ruheinseln lassen sich gut in den Arbeitsalltag einbauen, damit der Arbeitsalltag sinnvoller gestaltet wird. "Beim Weg von A nach B kann man bewusst die eigenen Schritte spüren, die veränderte Geisteshaltung merkt der Gegenüber", ist sich der 40-Jährige sicher. Den Geist trainieren Auch in seinem Unternehmen bietet er seinen Arbeitnehmern meditative Angebote an. Da gäbe es jedoch mitunter immer noch eine gewisse Skepsis. Dabei hat das NAW mit einer Religion oder Spiritualität letztlich nichts zu tun. "Es geht bei uns um ein rein neurophysiologisches Training für den Geist", betont der Unternehmenschef. Seine Gedanken könne der Mensch zwar nicht stoppen, aber unterbrechen, indem man den Geist trainiert, sich auf ein Meditationsobjekt auszurichten. In der heutigen Arbeitswelt müssten sich die Arbeitnehmer ständig auf neue Dinge konzentrieren. "Das kostet richtig Energie", weiß der 40-Jährige. Besser sei es, die Sachen auf dem Schreibtisch nacheinander abzuarbeiten. Wenn man in einem persönlichen Gespräch ist, muss man nicht noch den Hörer abnehmen und E-Mails abrufen", sagt der Hövelhofer. Single-Tasking statt Multi-Tasking lautet seine Devise. Und bei den sozialen Medien hat er sich längst abgemeldet. Sein persönlicher Benefit: Athens ist auch privat wesentlich gelassener und entspannter unterwegs, regt sich nicht so schnell auf wie früher. Das haben auch seine Mitarbeiter erkannt.

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