Kunstprojekt: 2015 haben Eltern und Kinder den Brunnen auf dem Schulplatz neu gestaltet. Günter Rennerich, der neben Sport, Musik, Mathe und Deutsch auch Kunst unterrichtet, hatte mit seinen Schülern zuvor kleine Mosaike gefertigt. Dabei entstand die Idee. - © Sigurd Gringel
Kunstprojekt: 2015 haben Eltern und Kinder den Brunnen auf dem Schulplatz neu gestaltet. Günter Rennerich, der neben Sport, Musik, Mathe und Deutsch auch Kunst unterrichtet, hatte mit seinen Schülern zuvor kleine Mosaike gefertigt. Dabei entstand die Idee. | © Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock Schulleiter Günter Rennerich verlässt das Team

Michaelschule Liemke: Der kommissarische Schulleiter geht in Rente. Sein Werdegang ist eng verbunden mit dem Engagement für den SJC Hövelriege. Ein Nachfolger für Rennerich ist bereits gefunden

Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock. Am Mittwoch wird es in der Michaelschule eng. Der kommissarische Schulleiter Günter Rennerich hat seinen letzten Arbeitstag, und ohne eine kleine Feier lassen ihn die Kollegen und Schüler nicht gehen. Ein paar Stehtische werden in den Gang des Verwaltungstraktes gestellt, die Mülleimer noch beiseite geräumt. Die Schüler haben schon zahlreiche Abschiedskarten gestaltet, die hängen bereits von der Flurdecke herab. Der 63-Jährige geht aus gesundheitlichen Gründen in Rente, die Genesung habe Vorrang, das habe er mit seiner Familie vereinbart. Es sei aber nichts, was er nicht in den Griff kriegen würde, sagt er. Mehr als 25 Dienstjahre hat Günter Rennerich als angestellter Lehrer gearbeitet, soziales Engagement hat er eigentlich schon immer gezeigt, stets darauf bedacht, nicht seine persönliche Leistung in den Vordergrund zu stellen, sondern die Teamarbeit. Kooperation ist ein Wort, auf das er viel Wert legt. Mit 14 Jahren hat er eine Lehre als Möbeltischler begonnen und anschließend zwei Jahre als Tischler bei den Hövelhofer Geha Möbelwerken gearbeitet. Damals wollte er aber schon lieber im Sozialbereich arbeiten. Er spielte Fußball und baute Anfang der 70er Jahre mit Freunden den SJC Hövelriege auf. Ein Klub, bei dem bis heute nicht nur der Sport im Fokus steht, sondern auch das gesellschaftliche Miteinander und die Kultur. Die Freunde wählten gemeinsam den zweiten Bildungsweg. „Wir haben unsere Privatautos verkauft und einen Bulli angeschafft", sagt Günter Rennerich. Mit dem sind sie dann zu siebt nach Paderborn gefahren, um an Berufskollegs die Mittlere Reife nachzuholen. Nach dem Studium Waldarbeiter Der SJC bot die Möglichkeit, Sport und Gesellschaft zu verbinden. Hilfe über den Fußball hinaus; Projekte, die Antworten auf gesellschaftliche Notwendigkeiten geben, so beschreibt Günter Rennerich in wenigen Worten, was den Klub so besonders macht. Es wundert nicht, dass er Sozialpädagoge geworden ist. Studiert hatte er in Bielefeld. Sein Anerkennungsjahr konnte er praktischerweise beim SJC absolvieren. Freunde hätten ihn immer wieder darin bestärkt, Grundschullehrer zu werden. Das liege ihm einfach. Also studierte er noch einmal, diesmal Kunst, Mathematik und Deutsch auf Lehramt. Doch statt danach in den Lehrberuf einzusteigen, zog in wieder zum SJC. Er arbeitete zwei Jahre als Waldarbeiter und legte für den Klub einen Waldlehrpfad an. Anfang der 90er wechselte er an eine Grundschule in Salzkotten in den Schulbetrieb, zuerst als Sozialpädagoge, dann als Lehrer. Für eine Verbeamtung war er zu alt. 1998 wurde an der Michaelschule die Stelle des Konrektors frei. Günter Rennerich war dort, wo er hin wollte. „Die Arbeit mit Kindern war mir immer sehr wichtig", sagt der Liemker. Dabei sei er mit seinem Leitmotiv stets gut durchgekommen. „Wenn sich die Kinder wohlfühlen, lernen sie besser." Kinder werden in den Schulablauf eingebunden, als Streitschlichter, in Kinderkonferenzen oder in kooperativen Lernformen, dabei können Kinder ihre Stärken anderen vermitteln. Was bei den Kindern klappt, lässt sich auch auf Erwachsene übertragen, findet Rennerich. Er setzt auf eine Kooperation mit Eltern, Mitarbeitern und Kollegium. Seit 2015 leitet er die Grundschule kommissarisch, eine Steuerungsgruppe unterstützt ihn dabei. Für eine echte Rektorstelle fehlt ihm die von der Schulbehörde geforderte Qualifikation, die wollte er mit Anfang 60 nicht mehr nachholen. Früher seien Lehrer oft Einzelkämpfer gewesen, sagt er. Heute sei vieles Teamarbeit. Die Michaelschule hat Lernbegleiter, Integrationskräfte und eine junge Frau im Freiwilligen Sozialen Jahr. OGS-Mitarbeiter helfen im Unterricht, Eltern stellen die Aktion „Brotzeit" auf die Beine. Sie alle sind für Rennerich ein Team. Und seine persönlichen Pläne? Er will ein drittes Mal die Schulbank drücken und intensiv Griechisch lernen. Seine Tochter lebt in Griechenland, und der SJC Hövelriege besitzt dort ein Vereinshaus.

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