Alles aus einer Hand: Bianca Klaß, geschäftsführende Gesellschafterin von Conta-Clip, zeigt frisch gespritzte Kunststoffteile einer Klemme. - © Jens Reddeker
Alles aus einer Hand: Bianca Klaß, geschäftsführende Gesellschafterin von Conta-Clip, zeigt frisch gespritzte Kunststoffteile einer Klemme. | © Jens Reddeker

Hövelhof Hövelhofer Unternehmen für Verbindungstechnik wächst in einem umkämpften Markt

Conta-Clip: Erweiterung für 2019 geplant

Peter Albrecht

Hövelhof. Es ist ein Geschäft mit Cent-Artikeln, die fast niemand kennt. Aber es ist offensichtlich ein lohnendes Geschäft. Beim Hövelhofer Unternehmen Conta-Clip wird hergestellt, was Kabel befestigen und verbinden kann. Die Klemmen des Betriebes an der Otto-Hahn-Straße werden eingesetzt in Schaltschränken, Maschinen und beim industriellen Kabel-Management. Privatleute kommen mit Conta-Clip-Produkten selten in Berührung, dabei könnte sich theoretisch jeder eine Menge davon leisten. Kleine Klemmen kosten nur 20 Cent.

"Wir sind wie der Schnürsenkel an einem Schuh", sagt die geschäftsführende Gesellschafterin Bianca Klaß während eines Besuches von Hövelhofs Bürgermeister Michael Berens und Wirtschaftsförderer Thomas Westhof im Unternehmen. Mit dem Schnürsenkelvergleich meint die Diplom-Sozialwirtin, dass ohne ihre Produkte, die aus Kunststoff und Metall bestehen, zwar so manche Maschine nicht laufen würde, beim Blick von außen aber selten der Fokus auf den kleinen Teilen der Hövelhofer liegt.

Markt wird von OWL aus dominiert

Conta-Clip ist in einem Markt unterwegs, der von Ostwestfalen-Lippe aus dominiert wird. Weltweit operierende Klemmen-Giganten wie Phoenix Contact (Blomberg), Weidmüller (Detmold) und Wago (Minden) geben den Takt vor, doch die Hövelhofer können im Windschatten der großen Namen stetig mitwachsen. Und sie sind verliebt in ihren Standort. Anders als so mancher Nachbar im Industriegebiet Nord (Senne-Plastik) oder am Schierbusch (Hedenkamp) konnte Bianca Klaß? Vater, Firmengründer Hans-Peter Klaß (75), schon frühzeitig genügend Erweiterungsfläche für das Unternehmen sichern.

Aktuell sind für Produktion und Verwaltung 15.000 Quadratmeter Fläche bebaut - die gleiche Größe steht Conta-Clip im rückwärtigen Bereich noch einmal zur Verfügung. Für 2019 ist die Erweiterung der Verwaltung geplant: "Wir brauchen dringend mehr Büros", sagt die 42-jährige Chefin, die jeden Tag von Bielefeld nach Hövelhof pendelt.

Auch die Mitarbeiter wohnen nicht nur in der Sennegemeinde. In der Conta-Clip-Zentrale sind auch Menschen aus Paderborn, Gütersloh und Bielefeld beschäftigt. Das Unternehmen hat weltweit 300 Angestellte, in Hövelhof arbeiten 100 von ihnen. Tochtergesellschaften gibt es in den USA, Frankreich, Italien und den Niederlanden.

Neben den Großen in der Branche

Gründer Hans-Peter Klaß kam 1977 zufällig nach Hövelhof - und wurde mit offenen Armen empfangen. "Die Gemeinde hat sich sehr um uns bemüht", erinnert sich der Seniorchef an die Gespräche mit dem damaligen Bürgermeister Heinz Sallads und Gemeindedirektor Josef Timmerberg. Und den betrieblichen Schritt vom Teuto an die Ems hat Familie Klaß bis heute nicht bereut: "Besucher sind oft schwer beeindruckt davon, wieviel Industrie in Hövelhof angesiedelt ist. Und wir wollen auch am Standort bleiben", sagt Bianca Klaß. Den Firmensitz hat Conta-Clip sicher, kämpfen muss das Unternehmen aber immer mehr um gute Mitarbeiter. Bis jetzt sei die Fluktuation in der Belegschaft "zum Glück gering", sagt die Chefin, doch der Fachkräftemangel sei deutlich zu spüren. Acht oder neun Auszubildende stellt das Unternehmen jährlich ein, viele mit guter Chance auf eine Übernahme.

Unter den Azubis sind immer auch Werkzeugmechaniker, denn Werkzeugbau und Konstruktion werden im Betrieb selbst erledigt. Für jede Kunststoffklemme müssen neue Werkzeuge gefertigt werden - schnell kommen da auch Mal Kosten von bis zu 250.000 Euro zusammen. Aber auch weil Conta-Clip auf Anfragen fix reagieren kann, behaupten sie sich offenbar neben den Großen der Branche: "Wir können kleinere Einheiten liefern und sind flexibel", sagt Bianca Klaß. Die Qualität der eigenen Produkte wird übrigens nicht als Verkaufsargument genannt. Klaß stellt klar: "Qualität ist für uns kein Thema über das wir sprechen müssen - die muss sowieso da sein."

Information

17.000 verkaufsfähige Artikel

  • Hans-Peter Klaß gründete Conta-Clip 1977 als Ein-Mann-Unternehmen.
  • Er hatte vorher unter anderem Weidmüller und Phoenix Contact beraten.
  • 1978 zog die Firma in ihre erste Halle an der Hövelhofer Industriestraße.
  • Der Umzug an den heutigen Standort an der Otto-Hahn-Straße erfolgte 1985.
  • Eine 15.000-Quadratmeter-Fläche erwarb das Unternehmen schon 2002, auf ihr soll 2019 gebaut werden.
  • Bianca Klaß, Tochter des Gründers, trat 2005 in die Geschäftsführung des Unternehmens ein.
  • Aktuell hat Conta-Clip nach eigenen Angaben mehr als 17.000 verkaufsfähige Artikel auf Lager.

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