Mit Routine: Georg Flöterotto schert die Heidschnucke per Hand. Durch den Griff bekommt das Schaf Sicherheit und lässt die schmerzlose Prozedur ohne Weiteres über sich ergehen. Zwischendurch beantwortet Flöterotto gerne auch jede noch so skurrile Frage. - © Svenja Ludwig
Mit Routine: Georg Flöterotto schert die Heidschnucke per Hand. Durch den Griff bekommt das Schaf Sicherheit und lässt die schmerzlose Prozedur ohne Weiteres über sich ergehen. Zwischendurch beantwortet Flöterotto gerne auch jede noch so skurrile Frage. | © Svenja Ludwig

Hövelhof Heideblütenfest: 4.000 Interessierte besuchen die Heidschnuckenschäferei Hövelhof

An Spinnrad, Gewürzstand und Co. dürfen vor allem die Kleinen alles einmal ausprobieren

Svenja Ludwig

Hövelhof. Georg Flöterotto setzt die Schafschere am Nacken der braun-grauen Heidschnucke an. "Erst einmal freie Sicht verschaffen", erklärt er. Nach einigem Schnippschnapp beginnt sich die dichte Wolle zu lösen. Kopf und Vorderläufe des Tieres hält der Verler unter den linken Arm geklemmt: "Das gibt dem Schaf Sicherheit und seine Haut ist gespannt." Den Zuschauern beim Heideblütenfest in der Hövelhofer Heidschnuckenschäferei brennt Einiges unter den Nägeln: Werden Schafe vor dem Scheren eigentlich betäubt oder wenigstens beruhigt? Bekommen sie nach dem Friseurtermin vielleicht Sonnen- oder gar Rasurbrand? Flöterotto kennt solche Fragen und schmunzelt. "Die Lichtempfindlichkeit der Tiere nimmt tatsächlich zu, der Rest ist aber Blödsinn", erklärt er. Nach 20 Minuten ist das Schaf nackt und um ein gutes Drittel schmaler. Aus dem Haufen Wolle könnte Weberin Antje Passoke nun ein Knäuel Garn spinnen. Im Repertoire hat sie nämlich antike Spinnräder - zum Teil sogar Ausstellungsstücke. An die will sie vor allem Kinder heranführen. Denn "mit den alten Geräten macht sonst keiner mehr etwas, das ist ein Trauerspiel", konstatiert die Göttingerin. "Weg vom Stadtleben, rein ins Landleben - für die Kinder ist das einfach schön", findet Christine Korte aus Paderborn. Mit Tochter Finja (5) hat sie bereits Fäden gefilzt. Auch die achtjährige Judith hat einige der zahlreichen Angebote für Kinder wahrgenommen: "Ich habe Seile geknüpft und Kräutersalz hergestellt." Mutter Stephanie Kleemann haben es indes die Designerstühle von Künstlerin Andrea Briechle angetan. "Die sind so individuell und keine Massenware", schwärmt Kleemann und sitzt eines der Exponate Probe. Briechle stellt Alltagsgegenstände aus Holz her. "Das ist ein Wohlfühlmaterial, das Menschen unmittelbar anspricht", sagt sie, während sie einen Scheit bearbeitet. Ihr Arbeitsmaterial sammelt die Paderbornerin aber keineswegs im Wald. "Ich nehme gerne Holz aus der Stadt, das sonst im Müll landet", berichtet sie. "Wir haben gerade Kirsch- und Walnussschnitt im Garten", wirft Kleemann ein. An 23 Ständen konnten die Besucher altes Handwerk kennenlernen, selbst Hand anlegen oder einfach nach Herzenslust stöbern. Die Heidschnucken tauschten außerdem den Stall für mehrere Dokumentarfilmvorführungen gegen die sonnige Wiese ein. "Ich habe nur zufriedene Gesichter gesehen", lautet das Fazit von Veranstalterin Renate Regier. Die Schäferin, die das Fest mit der Biologischen Station Kreis Paderborn und der Heidschnuckenschäferei auf die Beine gestellt hat, freut sich über bestes Sommerwetter und etwa 4.000 Besucher. "Aber es soll nicht nur um Kommerz gehen", macht die Hövelhoferin klar, "sondern um Natur- und Umweltschutz" und darum, den modernen Menschen alte Handwerkskunst präsent zu machen.

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