Das Buch von Heinz-Josef Antpöhler (73) nimmt das Zusammenleben verschiedener Religionen auf. Kinder unterschiedlicher Herkunft bauen etwa einen gemeinsamen Andachtsraum. Die Geschichte spielt teilweise im "Gastlichen Dorf" nahe Sudhagen (Hintergrund). FOTO: FREDERIK GRABBE
Das Buch von Heinz-Josef Antpöhler (73) nimmt das Zusammenleben verschiedener Religionen auf. Kinder unterschiedlicher Herkunft bauen etwa einen gemeinsamen Andachtsraum. Die Geschichte spielt teilweise im "Gastlichen Dorf" nahe Sudhagen (Hintergrund). FOTO: FREDERIK GRABBE

Delbrück-Sudhagen Eine Hommage an alte Tugenden

Delbrücker Antpöhler veröffentlicht "Paul Flitze-Blitz"

Delbrück-Sudhagen. Wenn Heinz-Josef Antpöhler erzählt, quellen die Wörter nur so aus seinem Munde. Er berichtet mal über sich, seinen Erlebnissen - und von seinem Kinderbuch. Und meistens weiß man gar nicht, welche Anekdote wohin gehört. Antpöhler wird am Sonntag mit nun 73 Jahren im Sudhagener "Gastlichen Dorf" sein erstes Kinderbuch "Paul Flitze-Blitz" präsentieren. Ein Vorgespräch.

Die Entstehungsgeschichte zum Buch ist so simpel wie einfach: Zusammen mit vier Freunden besitzt Heinz-Josef Antpöhler einen alten Feuerwehrwagen, einen Opel Blitz, Baujahr 1953. Mit dem wieder hergerichteten Schlitten kutschiert der Erbauer des Gastlichen Dorfes nahe Sudhagen gelegentlich Kinder von Besuchern durch die Gegend. "Eines Tages ist mir der Sprit ausgegangen", berichtet Antpöhler in bester Erzählermanier. Bei dem Modell sei noch immer ein Schluck Benzin in der Leitung, der langsam nachsackt. Dass der Opel wieder anspringen würde, wusste er.

"Aber die Kinder eben nicht. Also hieß es Zeit schinden." Antpöhler ließ die Dötze mal am Kotflügel streicheln, mal auf Knöpfe oder Schrauben drücken - während die ihn mit Fragen löcherten. "Kann das Auto auch schwimmen?", sei so eine Frage gewesen. "Ja, sicher", habe er geantwortet. Um die Lütten bei Laune zu halten, habe er dann einfach Geschichten dazu erfunden. Schließlich halfen die Streicheleinheiten und das Schraubendrücken, der Oldtimer lief wieder - und beim ehemaligen Kaufmann hatte sich die Idee im Kopf festgesetzt, ein Kinderbuch zu schreiben.

Die Hauptpersonen sind Anna, Justus und Jakob, die mit ihren Familien im Gastlichen Dorf benannt, nach der Fachwerkansiedlung bei Sudhagen, wohnen. Eines Tages ziehen Blitz, Donner und Hagel über das ganze Land. Felder, Straßen und Orte stehen unter Wasser. In ihrer Not holen sich die Kinder Rat bei den Großeltern. "Wie hab ihr denn früher nach dem Krieg gelebt?"

Selber ernten, selber Brot backen, Pferde vor die Autos spannen - mithilfe der Alten, der in die Jahre gekommenen Gerätschaften in den Schuppen und ihrer pfiffigen Ideen helfen die Kinder den Erwachsenen aus der Patsche: Zugfahren ist kein Problem: Ein ominöses Ingenieur-Syndikat hat sich im Teutoburger Wald ein geheimes Labor errichtet: Mit den Forschern entwickeln Anna, Justus und Jakob ein Kühlsystem für alte Dampfloks, die noch mit Wasserkessel ausgestattet sind. Der Bezug auf alte Maschinen oder Gerätschaften ist in Antpöhlers Buch, detailreich verziert mit Aquarellen der Berliner Künstlerin Gisela Serafin, allgegenwärtig.

Klar, dass im Mittelpunkt auch etwas Nostalgisches steht: Das Dreiergespann entwickelt einen besonderen Feuerwehrwagen: Paul Flitze-Blitz, das Modell dazu stellt - natürlich - ein Opel Blitz. Er saugt Wasser aus dem Himmel, setzt Bäume in den Boden, kann hüpfen und besitzt einen eigenen Willen. Mit dem Wunderauto erleben die Kinder allerlei Abenteuer.

Vielfältig und bunt sind die Motive, die Antpöhler in seinem 240 Seiten starken Erstling aufnimmt: Völkerverständigung und Interreligiosität etwa. Doch im Wesentlichen ist "Paul Flitze-Blitz" eine Hommage an das Vergangene, an alte Tugenden.

"Die Leute merken, sie sind zufrieden - und dabei haben sie nichts", sagt Antpöhler zum Zusammenwachsen der Gemeinschaft nach der Naturkatastrophe. Er bezieht sich auf Nachbarschaftshilfe oder ein traditionelles Familienbild - und verarbeitet so auch seine eigene Nachkriegszeit. Mit seinem Buch packt der 73-Jährige große Themen an. Kein Wunder also, dass Antpöhler es als "Kinderbuch für Erwachsene" bezeichnet. Aus seinen Erfahrungen hat der spätere Geschäftsmann Antpöhler einen unbändigen Willen entwickelt. "Gib niemals auf, wenn du an etwas glaubst", sei eine Devise in der Geschichte. Noch so ein simpler Gedanke.

Und gleichzeitig einer, an den man unsagbar gerne glauben würde.

Copyright © Neue Westfälische 2016
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group