Kreis Paderborn Nachbarn fürchten Katzenfallen

In Anreppen sind in einer Straße fünf Katzen verschwunden / Ähnlicher Fall in Mantinghausen

Kristina Podkorytow (r. ) und das Nachbarmädchen Isabell Reiswich aus Anreppen zeigen auf den Fotos ihre vermissten Katzen. Die beiden Familien verdächtigen einen Nachbarn, die Tiere eingefangen zu haben. - © FOTO: BUND FÜR TIER- UND NATURSCHWUTZ
Kristina Podkorytow (r. ) und das Nachbarmädchen Isabell Reiswich aus Anreppen zeigen auf den Fotos ihre vermissten Katzen. Die beiden Familien verdächtigen einen Nachbarn, die Tiere eingefangen zu haben. | © FOTO: BUND FÜR TIER- UND NATURSCHWUTZ

Kreis Paderborn (NW/faa). Die Liebhaber von Stubentigern in Anreppen sind verunsichert: Von November 2012 bis März 2013 verschwanden im Bereich von drei Häusern an der Zossener Straße fünf Katzen verschiedener Besitzer. Diese haben sich jetzt verzweifelt an den Bund für Tier- und Naturschutz gewandt, weil ein Nachbar Lebendfallen aufstellt. Ein ähnlicher Fall wurde in Mantinghausen bekannt.

Innerhalb von nur fünf Monaten sind Katze Mia, Katze Lucy, Katze Lio, Kater Katonik un d zuletzt der Kater Barsik von Familie Reiswich und Familie Podkorytow verschwunden. Elena und Eugen Podkorytow meldeten dies dem Bund für Tier- und Naturschutz Ostwestfalen und fragten um Rat, weil die Familie, um die Kinder zu trösten, wieder eine Katze halten würde, aber nun völlig verunsichert sei. Mia, die erste Katze der Familie, habe der Vater Ende 2011 völlig verstört in einer Lebendfalle im Garten des Nachbarn entdeckt, nachdem die ganze Familie die Katze verzweifelt gesucht hatte. Mit der Falle sei er zur Polizei gegangen. Diese habe ihm zu einer gütlichen Regelung mit dem Nachbarn geraten.

Anfang November 2012 verschwand Mia erneut – und ist bis heute vermisst. Der Nachbar habe auch weiterhin eine Falle in seinem Garten aufgestellt. Er erklärte gegenüber dem Tierschutzverein, die Falle diene dazu, Igel einzufangen. "Darüber informiert, dass dies nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten sei, sagte er, die Falle sei jetzt zum Marderfang aufgestellt gewesen", sagt die Vereins-Vorsitzende Brigitta Brockmann. Mit dem Verschwinden der Katzen habe er nichts zu tun.

"Wir können nichts beweisen, aber wenn innerhalb von sechs Wochen vier Katzen und wenige Wochen später noch eine verschwinden, ist das schon seltsam", sagt Elena Podkorytow, die mit ihren Kindern die ganze Gegend abgesucht hat. "Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass der Kater noch lebt, hängen sehr an ihm , weil wir ihn selbst groß gezogen haben."

In Mantinghausen erregt ein anderer Fall die Gemüter der Katzenhalter. Hier gab ein Anwohner vom Hubertusweg gegenüber zwei Katzenhalterinnen, die ihre vermissten Tiere in seiner Lebendfalle entdeckten, und den herbeigerufenen Polizeibeamten, unumwunden zu, dass er Katzen fange. Dem Bund für Tier- und Naturschutz, der mit dem Fall befasst wurde, teilte er schriftlich mit, dass dies im Zusammenhang mit "entschärfenden Maßnahmen" des Ordnungsamtes Salzkotten, gegen die "zunehmende Katzenplage im Mantinghauser Siedlungsgebiet" geschehe.

Thomas Peitzmeier vom Ordnungsamt sagte gegenüber Brockmann, dass es in Mantinghausen keinerlei derartige Maßnahmen seitens des Ordnungsamtes gebe. "Die Katzendichte in der Siedlung übersteigt übrigens keineswegs das ortsübliche Maß und sei vor allem kein Brennpunkt verwilderter Hauskatzen", so Brockmann.

Weil nicht nur eine Abneigung gegen Katzen und ihre Hinterlassenschaften, sondern oft auch die Sorge um im Garten heimische Vögel Grundstückseigner zur Selbsthilfe greifen lasse, appellieren die Tierschützer an die Verantwortung der Katzenhalter. Wenn für Katzen leicht erreichbare Nester im Garten seien, Jungvögel, die flugunfähig das Nest verlassen, sollte die Katze wenn irgend möglich im Haus bleiben.

Brockmann räumt aber ein, dass viele Freigängerkatzen bei längerem Eingesperrtsein mit Verhaltensstörungen, Aggressionen oder Unsauberkeit reagieren. Im Übrigen sei der beste und nachhaltigste Vogelschutz, die Gärten naturnah zu gestalten, auf Insektizide zu verzichten und durch konsequentes Kastrieren die Katzendichte gering zu halten.

Da die "Selbstjustiz" von Grundstückseigentümern, die einen katzenfreien Garten haben möchten, nicht selten sei, nimmt der Bund die beiden Fälle zum Anlass, um unmissverständlich darauf hinzuweisen, dass das heimliche Einfangen und Verbringen oder gar Töten oder Töten lassen von Katzen ein strafbarer Verstoß sowohl gegen das Eigentums- als auch gegen das Tierschutzrecht sei. "Erlaubt ist das Vertreiben von Katzen nur mit Mitteln, die diesen nicht schaden", so Brockmann.

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