Eine wissenschaftliche Studie beschäftigt sich mit dem Schützenwesen. - © picture alliance / blickwinkel/S. Ziese (Themenbild)
Eine wissenschaftliche Studie beschäftigt sich mit dem Schützenwesen. | © picture alliance / blickwinkel/S. Ziese (Themenbild)

Delbrück Studie: Nachwuchs stellt Schützen-Traditionen in Frage

Studie: Der Wirtschaftswissenschaftler Peter-Karl Becker informiert Schützen in Delbrück

Regina Bruksch

Delbrück. „Die Resonanz auf unsere Online-Umfrage zur Zukunftsfähigkeit von Schützenvereinen hat uns umgehauen", erklärte Peter-Karl Becker vor 600 versammelten Schützen des Bezirks Paderborn-Land. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler vom Center for Risk Management an der Universität Paderborn hielt eine Festrede beim Bezirksverbandstag in der Delbrücker Stadthalle. Sie enthielt zunächst den Zwischenstand einer umfangreichen Studie von drei jungen Frauen und einem jungen Mann im Bachelor-Studium. „Statt der erwarteten etwa 1.000 Teilnehmer haben von April bis September 7.000 an der Umfrage teilgenommen. Vollständig ausgefüllt waren 4.200 Fragebögen von Männern und 1.400 von Frauen", erklärte Becker. Das Online-Projekt sei in Kooperation mit dem Bund der St. Sebastianus Schützenjugend (BdSJ) und der Brauerei Warsteiner verbreitet worden. Viele haben eine Nähe zum Schützenfest Ziel der Studie ist die Analyse von Problemen, die Erarbeitung genereller Risiken für Vereine in der Region, der Aufbau eines Arbeits- und Kooperationskreises zwischen Vereinen, Wissenschaft und Wirtschaft sowie das Bereitstellen von Informationsmaterial zur Erkennung und Bewältigung von Risiken. Becker kündigte für das kommende Jahr unter anderem eine Datenbank mit formulierten Hilfestellungen und einen Kanal auf YouTube an, der einen Erfahrungsaustausch zum Beispiel bei der Bewirtschaftung von Festen bietet. „60 Prozent der Bevölkerung hat eine Nähe zum Schützenfest. Wer darf Mitglied werden? Wie will sich ein Verein ausrichten?" formulierte Becker dringende Fragen, die jetzt beantwortet werden müssten. Eingangs machte er deutlich: „Es wird für Sie immer schwieriger, sich gegen die moderne Feierkultur zu behaupten und junge Menschen zu begeistern. Die Einnahmen benötigen Sie zur Erhaltung der Hallen und Feste. Sie wollen ja nicht die Beiträge erhöhen. Bei sinkenden Einnahmen wachsen die Verwaltungs- und Bauauflagen", sagte Becker. Abnehmende Relevanz bei den Jugendlichen Die Wahrung von Traditionen und die Bedeutung von „Glaube, Sitte, Heimat" stelle beim Nachwuchs auch in Hinsicht auf das Ehrenamt eine stark abnehmende Relevanz dar, so der Wissenschaftler. „All diese Fragestellungen haben wir mit fünf unterschiedlich, strukturierten Partner-Vereinen aus Wewer, Brilon, Warstein, Velmede-Bestwig und Calle in einer Pilotstudie zusammengefasst. Mit Methoden aus dem Wirtschaftsmanagement sollen Lösungsansätze erarbeitet werden. An der Online-Umfrage haben Engagierte aller Altersgruppen teilgenommen. Bei den 36- bis 45-Jährigen fällt eine starke Delle auf. "Die höchste Akzeptanz erreichten die Faktoren Gemeinschaft und Spaß."

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