Symbolfoto - © picture alliance / dpa
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Delbrück Zu viel Temperament am Steuer führt vors Gericht

Geldstrafe: Einem Delbrücker ging es nicht schnell genug, als ein anderer Autofahrer einen LKW überholte. Er kam mit einer milden Strafe davon, denn auch der andere hatte sich falsch verhalten

Jutta Steinmetz

Delbrück. Die Anklage, die Staatsanwalt Frank Stegen gestern vor dem Schöffengericht Paderborn verlesen musste, hörte sich wüst an. Ein 31-Jähriger soll am 18. August auf der Bundesstraße 64 in den frühen Morgenstunden einen anderen Autofahrer zuerst in dritter Reihe überholt, danach absichtlich ausgebremst und damit einen Unfall verursacht haben. Dieser verlief glimpflich, weil es bei kleineren Sachschäden blieb. Vor Gericht stellte sich gestern heraus, dass letztlich nicht einer allein dafür verantwortlich war, dass es an diesem Augustmorgen gescheppert hatte. Dennis B. (alle Name geändert) fährt gerne Auto, auch gerne zügig. Vielleicht ging ihm deshalb am 18. August der Hut hoch, als vor ihm Harald I. eher Ruhe walten ließ, bevor er auf der B 64 einen LKW überholte. "Ich wollte nach Hause und er ist an dem Laster in meinen Augen vorbeigeschlichen", erinnerte sich gestern der 31-Jährige. Als der Audifahrer dann auch noch weiterhin auf der Gegenfahrbahn blieb statt vor dem Lastwagen wieder einzuscheren, war es mit der Geduld des Delbrückers, der sofort hinter Harald I. den Überholvorgang eingeleitet hatte, vorbei. "Es war mein Recht, dort 100 zu fahren", so Dennis B. Er lenkte seinen Wagen auf den Mehrzweckstreifen und düste dort in der sogenannten dritten Reihe an dem 40-Jährigen vorbei. Auch der war verärgert und kommentierte dieses regelwidrige Verhalten mit Hupen und Lichtsignalen. "Zu schnell ist B. aber nicht gefahren", stellte Harald I. gestern klar und erklärte, dass er selbst damals nicht genügend Abstand zu dem BMW des Delbrückers gehalten habe. "Und dann war meine Reaktion nicht schnell genug." Denn Dennis B. bremste und schon schepperte es. Was genau ursächlich für den Unfall war, lag für alle Prozessbeteiligten auf der Hand. "Dass wir Idioten sind", sagte Harald I. auf die entsprechende Frage des Vorsitzenden Richters Günter Köhne und Dennis B. stimmte vollen Herzens zu: "Wir haben uns falsch verhalten." Trotz dieser einsichtigen Eintracht mochten die Richter nicht gegen den Grundsatz verstoßen, dass kein Recht im Unrecht sein darf. Auch wenn die Staatsanwaltschaft schon schnell das Verfahren gegen den Audifahrer eingestellt habe und dessen Fehlverhalten unbestraft blieb, dürfe Dennis B. nicht ungeschoren davon kommen. "Wir bleiben aber mit der Strafe am unteren Limit", versprach Richter Köhne in Einklang mit Staatsanwalt Stegen. Und so kam es. Der 30-Jährige muss wegen Nötigung 15 Tagessätze zu je zehn Euro zahlen. Außerdem verhängte das Schöffengericht ein zweimonatiges Fahrverbot. Das sei aber bereits erledigt, da Dennis B. der Führerschein sofort nach dem Vorfall abgenommen worden sei, erklärte Köhne. Eine Entscheidung, die der Delbrücker, der schon so einige Punkte in Flensburg gesammelt hat, gern akzeptierte und auch gut zuhörte, als ihm die Richter die Ermahnung mit auf den Weg gaben, künftig geduldiger in seinem BMW unterwegs zu sein. "Mehr Ruhe", schlug Köhne als zielführende Einstellung vor. Für eine andere Haltung sei es im Straßenverkehr "zu riskant".

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