X-8-Bauweise: Die Drohnen von Jörg Brinkmeyer sind an jedem der vier Arme mit zwei Motoren ausgestattet. Im schwarzen Rohr steckt ein Fallschirm. - © Jens Reddeker
X-8-Bauweise: Die Drohnen von Jörg Brinkmeyer sind an jedem der vier Arme mit zwei Motoren ausgestattet. Im schwarzen Rohr steckt ein Fallschirm. | © Jens Reddeker

Delbrück Westenholzer baut Drohnen für die Welt

Jens Reddeker

Delbrück-Westenholz. Der Kampf gegen den Terror wird demnächst vielleicht auch von Westenholz aus geführt. Im Delbrücker Ortsteil sitzt die Firma Globe UAV (englisch unmanned aerial vehicle für "unbemanntes Luftfahrzeug"). Deren Gründer Jörg Brinkmeyer arbeitet gerade daran, die hier gebauten und offenbar weltweit gefragten Drohnensysteme zu einem kommerziellen Erfolg zu machen. Seine Fluggeräte und vor allem ihre Steuerungssoftware sollen die Arbeit von Militär, Polizei und Rettungskräften erleichtern - und können egal von welchem Punkt auf der Welt gelenkt werden. Möglich macht es die Übertragung von Steuersignalen und Bilddaten per LTE-Mobilfunknetz. "Wir sind die einzigen, die weltweit ein solches Komplettpaket bieten können", sagt Brinkmeyer. Er hatte zuletzt zwar schon Drohnen vertrieben, doch dabei handelte es sich um Spielzeug. Jetzt geht es um Modelle, die zu unbemannten Helfern von Sicherheitsbehörden werden sollen. Aktuell verhandelt Brinkmeyer auf der ganzen Welt mit Behörden, in Deutschland zum Beispiel mit den Innenministerien von Ländern und Bund, aber auch in Dubai, Rumänien, Vietnam und China. Im Polizeidienst könnte die Drohne so funktionieren: Über die Polizei-Leitstelle geht ein Notruf ein, die Lage am Tatort ist aber nicht eindeutig zu klären. Umgehend können die Ermittler zur Aufklärung die Drohne vom Dach des Präsidiums losschicken - allerdings maximal 40 Kilometer weit, denn sonst macht der Akku auf dem Rückweg schlapp. Ferngesteuert wird das fliegende Auge von einem Computer in der Leitstelle. Das Flugobjekt kann auch per Autopilot zu einem bestimmten Punkt manövriert werden, der Betreuer am Bildschirm könnte jedoch eingreifen, denn er wird mit Livebildern von den eingebauten Kameras versorgt. Zum Angebot gehören auch Nachtsicht- und Wärmebildkameras. Ist die Drohne angekommen, bewerten Beobachter, welche Fahrzeuge oder Einsatzkräfte noch benötigt werden. Doch die Einsatzmöglichkeiten sind noch vielfältiger: Vorstellbar ist, dass die Technik, die auf einem abgelegenen Bauernhof im Delbrücker Land entwickelt wird, demnächst Drohnenangriffe von Terroristen abwehren könnte. Die Geräte mit den acht Propellern soll es auch in Versionen geben, die andere Drohnen in der Luft unschädlich machen. Geht es nach dem 48-jährigen Brinkmeyer, könnte die Westenholzer Technik in Deutschland schon in absehbarer Zeit bei Kreispolizeibehörden eingesetzt werden. Paderborns Landrat - gleichzeitig Chef der hiesigen Kreispolizei - hat sich im Frühjahr bei Brinkmeyer über die Möglichkeiten informiert. Der Firmeninhaber ist "sehr optimistisch" in Bezug auf seinen Unternehmenserfolg. Er geht von "15 bis 20 Abschlüssen noch in diesem Jahr" aus. Mehrere zehntausend Euro kostet jeweils ein Komplettsystem. Der Preis schreckt offenbar nicht ab. Brinkmeyer berichtet: "Die Resonanz ist wahnsinnig gut. Schon auf der Cebit hatten wir enormes Feedback." Die Fähigkeiten der Drohnen können laut Brinkmeyer aber auch für friedliche Zwecke eingesetzt werden. Angefragt hätten potenzielle Kunden bereits Systeme, die Blutkonserven transportieren oder im Rettungsfall Schwimmwesten abwerfen können. Auch Luftmessungen in großen Höhen seien möglich. "Alles kein Problem", sagt der Chef von aktuell zwölf Mitarbeitern in Westenholz. Dort gibt es viel zu tun: "Wir entwickeln die Steuerungssoftware für die Piloten ständig weiter und sorgen für die stabile Datenverbindung zwischen Flugobjekt und Bodenstation. Hier wird aber auch die individuell angepasste Montage jeder Drohne erledigt." Damit die surrenden Überflieger auch mit staatlicher Genehmigung in die Luft gehen dürfen, steht in den kommenden Wochen die finale Abnahme des Systems durch das Luftfahrtbundesamt an. Jörg Brinkmeyer ist nicht bange davor, er fiebert dem Termin vielmehr entgegen: "Wenn wir die deutsche Zulassung haben, ist das auch international ein hervorragendes Gütesiegel." Dennoch sorgt er für den Notfall vor: zur Standardausrüstung der Drohnen gehört immer auch ein Fallschirm.

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