Einer von drei Standorten: Die Gesamtschule Delbrück verteilt sich auf das Gebäude am Nordring (Foto), den Komplex der ehemaligen Realschule und demnächst das heutige Rathaus am Marktplatz. - © Jens Reddeker
Einer von drei Standorten: Die Gesamtschule Delbrück verteilt sich auf das Gebäude am Nordring (Foto), den Komplex der ehemaligen Realschule und demnächst das heutige Rathaus am Marktplatz. | © Jens Reddeker

Delbrück Durchbruch in der Delbrücker Schulfrage

Stadtrat votiert für Siebenzügigkeit der Gesamtschule und bereitet zusätzlich eine Elternbefragung vor

Regina Brucksch

Delbrück. „Wir haben lange diskutiert. Wir tragen die Siebenzügigkeit der Delbrücker Gesamtschule heute so mit", kündigte die CDU-Fraktionsvorsitzende Anita Papenheinrich am Donnerstag in der Ratssitzung die richtungsändernde Entscheidung an. Sie ergänzte: „Es geht um die Sicherheit für Eltern." Da die Fraktion jedoch die Auffassung vertritt, dass zukünftig trotzdem nicht alle Kinder am Gymnasium und an der Gesamtschule angenommen werden können, verfolgt die Ortsunion nach wie vor die Errichtung einer weiteren Schule in privater Trägerschaft am Standort in Westenholz. „Auf einer unverzüglich durchgeführten Elternabfrage bestehen wir", sagt Papenheinrich. Die von der CDU erarbeiteten Eckpunkte für diese Befragung las der Stadtverbandsvorsitzende Reinhold Hansmeier vor – ohne dem Rat eine Textfassung vorzulegen. Das löste heftige Reaktionen aus: „Wir stimmen doch nicht über etwas ab, was uns nicht schriftlich vorliegt". Bürgermeister Werner Peitz erinnerte an die Vereinbarung im Schulausschuss, dass für die Erarbeitung des Bogens ein Kreis aus allen politischen Lagern gebildet werden solle. Hansmeier pochte im Zusammenhang mit der Beschlussfassung der Siebenzügigkeit auf einen gleichzeitigen Beschluss für den Fragebogen. Einen Passus, der eine Aussage beinhaltete, dass bei den Eltern kein Schulgeld erhoben würde, beurteilten nicht nur Kämmerin Ingrid Hartmann und Schulamtsleiter Manuel Tegethoff äußerst kritisch. Hartmann erinnerte an die gescheiterten Verhandlungen mit dem Kolpingschulwerk. Tegethoff machte deutlich, dass private Träger in NRW Schulgeld erheben dürften. Appell der Bürgermeisters fruchtet Der fraktionslose Ex-CDU-Ratsherr Hans-Theo Sasse sah darin keine unerwartete Belastung für die Stadt. Er verwies auf den Unterschied zwischen Ersatzschulen und Ergänzungsschulen. Bei dem angestrebten Modell im Delbrücker Stadtgebiet handele es sich um eine private Ersatzschule, die durch Landeszuschüsse, den Eigenanteil des Trägers und eine eventuelle Unterstützung der Kommune finanziert würde. Die FDP-Fraktionsvorsitzende Brigitte Michaelis bemängelte die fehlende Frage nach einem Förderbedarf, sie wurde später ergänzt. Peitz appellierte an die Mandatsträger der CDU, eine Beschlussfassung herbeizuführen und danach kurzfristig in der interfraktionellen Runde die endgültige Form der Befragung zu erarbeiten. Papenheinrich bat zur Beratung um Unterbrechung der Ratssitzung. In einem kurzen Gespräch einigten sich dann die CDU-Verantwortlichen. Jetzt steht die Verwaltung vor der Aufgabe, 1.600 Fragebögen nach dem gewünschten Rückgabetermin am 20. Oktober für die nächste Ratssitzung am 9. November auszuwerten. Über die Möglichkeiten, die Bögen zu verschicken oder den Kindern mitzugeben, entbrannte eine weitere rege Diskussion. Gegen den Doppelbeschluss votierten zwei Ratsvertreter, fünf enthielten sich. Ihr Nein, die Siebenzügigkeit noch vor der Elternbefragung auf den Weg zu bringen, hatten Michaelis und Roze Özmen von der FDP vorher bekräftigt. Meinolf Sandbothe von der CDU wandte sich ebenfalls an die Gegner der dritten Schulform, die eine Schwächung der Gesamtschule als Schreckgespenst inszenieren würden. Der Bürgermeister sagte: „Wir kämpfen für den Erhalt einer Hauptschule mit Förderschwerpunkt in Westenholz. Leider haben wir von der Landesregierung noch keine Signale erhalten." Eine andere Schule, befürchtet er, würde die Gesamtschule schwächen.

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