Wie viele Schüler gehen künftig durch diese Tür: Die Städtische Gesamtschule soll nach dem Willen der Stadtverwaltung siebenzügig werden. - © Regina Brucksch
Wie viele Schüler gehen künftig durch diese Tür: Die Städtische Gesamtschule soll nach dem Willen der Stadtverwaltung siebenzügig werden. | © Regina Brucksch

Delbrück Elternbefragung zu Delbrücker Schulen beschlossen

Schulausschuss: CDU, FDP und fraktionsloser Ratsherr vertagen Entscheidung zur Größe der Gesamtschule

Regina Brucksch

Delbrück. Mit elf Stimmen haben die Fraktionen von CDU (Enthaltung Dirk Freise), FDP und der fraktionslose Hans-Theo Sasse im Schulausschuss gegen vier Stimmen von Grünen und SPD einen Beschluss zu der von der Verwaltung beantragten Siebenzügigkeit der Delbrücker Gesamtschule verschoben. Wegen der Dringlichkeit war die Sitzung des Schul- und Kulturausschusses außerplanmäßig einberufen worden. Rund 40 Eltern von Gesamtschulkinder verfolgten die Debatte. Weil eine Entscheidung ohnehin im Stadtrat getroffen werden muss, plädierten Kommunalpolitiker für diese Vertagung auf die Sitzung am 5. Oktober. Vor der Beschlussfassung gab es einen heftigen Schlagabtausch. Reizthema war ein weiterer Antrag, den Ursula Schormann (CDU) vortrug. Es ging um eine Elternbefragung zur Errichtung einer Haupt- oder Realschule am Standort Westenholz. Manuel Tegethoff, seit sechs Wochen neuer Leiter des Fachbereichs Bildung/Sport/Kultur der Stadt Delbrück, hatte sich gut vorbereitet. Gemäß einem Antrag von CDU und FDP legte er eine detaillierte Entwicklung der Schülerzahlen bis zum Jahr 2030 vor. Daran knüpfte Schormann an. Es gäbe Belege für den Wunsch einer weiteren Schulform neben Gymnasium und Gesamtschule, so die Christdemokratin. Bis zur nächsten Ausschusssitzung am 16. November beantragte sie die Ermittlung des Bedarfs bei den Eltern der Kinder in den ersten vier Jahrgängen. Brigitte Michaelis (FDP) wollte die beiden Einschulungsjahrgänge 2018 und 2019 der Kindergärten dazu gezählt haben. Kurzfristigkeit sei Unsitte "Wir haben da so unsere Erfahrungen", forderte Marion Lange (Grüne) bei der Formulierung des Abfragebogens die Einbeziehung eines Vertreters aus jeder Fraktion. Reinhard Schmitz (SPD) bezeichnete einen derart kurz und bündig auf den Tisch gebrachten Antrag als Unsitte. Michaelis konterte: "Sie wollten doch diese Abfrage?" Schmitz betonte, es ginge um die Kurzfristigkeit. Das sei politisch unanständig. Tegethoff und Bürgermeister Werner Peitz zogen den letzten Tagesordnungspunkt "Mitteilung der Verwaltung" vor. Nachdem das Kolping-Schulwerk seine Ambitionen für eine private Trägerschaft vorerst auf Eis gelegt hätte, seien viele Gespräche geführt worden, mit dem Ziel eine städtische Hauptschule oder eine Förderschule weiterzuführen. Gesprochen wurde mit der neuen NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer, mit dem Landtagspräsidenten André Kuper - und Monsignore Joachim Göbel, Leiter der Hauptabteilung Schule und Erziehung im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn. Danach wäre ausschließlich eine Neugründung mit der Option von jeweils zwei Mal 25 Kindern für die kommenden fünf Jahre möglich. Deutliche Schwächung der Gesamtschule "Es geht um ein Sechstel der Delbrücker Kinder. Das ist eine deutliche Schwächung der Gesamtschule", so Lange - und weiter: "Das Fass ist jetzt übergelaufen. Wir fahren die Siebenzügigkeit immer mit Sondergenehmigungen. Wir müssen endlich alle gemeinsam hinter dieser Schule stehen." Die Leiterin der Gesamtschule Theresia Diekmann-Brusche ergänzte: "Für gute Qualität brauchen wir die Unterstützung der Politik. Es geht nicht um Zahlen oder einen Zug mehr, sondern um weinende Eltern, die Absagen erhalten und in Unsicherheit leben müssen und um Kinder, die fragen, warum man sie nicht an der Schule haben wollte." Reinhold Hansmeier (CDU) erklärte, dass sich niemand gegen die Gesamtschule stellen würde. Allerdings wäre ein Beschluss erst nach der Befragung sinnvoll. Er würde auch eine Sondersitzung befürworten. Der Bürgermeister mahnte die Zeit an, denn am 20. November würden in den Kindergärten die Infoveranstaltungen zu den weiterführenden Schulen stattfinden. Eltern wünschen andere Wege Michaelis reagierte auf den Vorwurf von Schmitz: "Ich kann politisch auch nicht damit leben, Eltern zu ignorieren, die andere Wege wünschen. Wenn wir heute die Siebenzügigkeit beschließen, können wir unseren Antrag in die Papiertonne werfen." Hans-Theo Sasse (fraktionslos) bezeichnete es als Märchen, dass die Befürworter der Schule in Westenholz gegen die Gesamtschule agieren würden. Es ginge lediglich um eine weitere Wahlmöglichkeit neben den großen Schulen. Den Vorschlag von Tegethoff, zunächst die Siebenzügigkeit und damit eine Sicherheit für die Eltern zu beschließen, bezeichnete Schmitz als Türöffner. Vor 2019 könnte keine neue Schule starten, so Tegethoff. Zudem gäbe es ja keine Verpflichtung, siebenzügig einzuschulen. Er wollte weitere Gespräche mit der Bezirksregierung führen und der Beschluss könnte später wieder aufgehoben werden. Die benannte Tür für alle Eltern öffnete sich an diesem Abend noch nicht.

realisiert durch evolver group