Delbrück-Steinhorst Im Steinhorster Becken seltene Vögel gesichtet

Vogelkundler entdecken einen Löffler. Spaziergänger können vom Beobachtungsturm oder Rundwanderweg aus weitere Durchzügler sehen

Bernd Schünemann

Delbrück-Steinhorst. Ein ungewöhnlicher Gast lockt Vogelkundler zum Naturschutzgebiet Steinhorster Becken: Seit etlichen Tagen wird dort immer wieder ein Löffler beobachtet. Mit etwas Glück können Naturfreunde den auffälligen weißen Schreitvogel vom Rundwanderweg entdecken. Der Vogel hält sich an den Ufern der Gewässer auf. Gelegentlich ist er auch bei der Nahrungssuche in den Flachwasserbereichen zu sehen. Er wurde noch Anfang der Woche gesichtet. Allerdings gelingt es ihm auch, sich trotz seiner auffälligen weißen Färbung gut zu verstecken. Löffler, die ihren Namen wegen des langen, löffelförmigen Schnabels tragen, kommen als Gäste im Sommer gelegentlich in das Gebiet. Bereits in den vorangegangenen Jahren machten sie dort Station. 1996 wurden die ersten Löfflerbruten in Deutschland an der niedersächsischen Nordseeküste beobachtet. Zuvor hatte der Schreitvogel in den Niederlanden gebrütet. Die Vogelkundler gehen davon aus, dass das im Steinhorster Becken beobachtete Exemplar aus einem dieser Gebiete kommt. In Mitteleuropa wurden die Vögel, die in Kolonien brüten, lange nur in den Niederlanden, Ungarn und der Slowakei beobachtet. Vor gut 20 Jahren besiedelten sie auch Österreich und Tschechien. Nach Niedersachsen wurden 1999 Bruten auch in Schleswig-Holstein entdeckt. Vor einigen Jahren wurde der Brutbestand in Deutschland auf gut 100 Paare geschätzt. Löffler sind von Süd- und Westeuropa bis nach Ostasien verbreitet. Im Spätsommer ziehen sie entlang der Atlantikküste über Gibraltar nach Westafrika. Besucher des Steinhorster Beckens können derzeit weitere Durchzügler sehen. Unter anderem machen dort gerade mehrere hundert Kiebitze Station. Auch Bekassinen, Flussuferläufer, Kampfläufer, Grünschenkel, Waldwasserläufer, Zwerg- und Alpenstrandläufer rasten auf ihrem Weg in die südlichen Überwinterungsgebiete gern. Außerdem können in diesen Wochen Krick- und Pfeifenten und sogar Fischadler beobachtet werden. Die Vogelwelt in dem Naturschutzgebiet ist gut von dem Rundwanderweg und von den beiden Beobachtungstürmen aus zu beobachten. Dort stören Besucher die Tiere nicht. Die Vögel haben gelernt, dass die Besucher am Rand des Gebietes keine Gefahr für sie sind. So hat sich die Fluchtdistanz bei vielen Arten im Laufe der Jahre deutlich reduziert. Die Biologische Station Kreis Paderborn-Senne weist darauf hin, dass das Naturschutzgebiet selbst nicht betreten werden darf. Die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft weist auf die Möglichkeit hin, Vogelsichtungen im Internet einzugeben. Damit stehen sie zur wissenschaftlichen Auswertung zur Verfügung. Beobachtungen können unter www.bs-paderborn-senne.de unter Ornithologische AG/Vogelbeobachtungen eingegeben werden.

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