Die beiden Produzenten mit der Regisseurin: Torben Maas (l.) aus Westenholz zusammen mit Regisseurin Helena Hufnagel und Kompanion Christian Füllmich beim Start des Film „Einmal bitte alles". - © Karl Finke
Die beiden Produzenten mit der Regisseurin: Torben Maas (l.) aus Westenholz zusammen mit Regisseurin Helena Hufnagel und Kompanion Christian Füllmich beim Start des Film „Einmal bitte alles". | © Karl Finke

Delbrück-Westenholz Westenholzer produziert großes Kino

Ab Donnerstag auch im Paderborner Pollux: "Einmal bitte alles" über eine ganze Generation, die den besten Job, die beste Familie und alles in Balance erwartet. Torben Maas steht Sonntag Rede und Antwort

Karl Finke

Delbrück-Westenholz. Der freundliche Junge aus der Westenholzer Apotheker-Familie hat den gewünschten Weg schon ein gutes Stück weit geschafft. Torben Maas (30) kommt als Produzent mit dem Film "Einmal bitte alles" an diesem Donnerstag deutschlandweit in große Kinos. Die Geschichte ist die seiner Generation. "Du kannst alles erreichen", sagt er zu weit verbreiteten Erwartungen - und zum daraus entstehenden Druck. Beruflich und privat sollten die Entscheidungen nur "für das Beste" getroffen werden. Am kommenden Sonntag um 19 Uhr wird Maas bei der Vorführung des Films im Paderborner Pollux by Cineplex persönlich Fragen beantworten. Dann werden wohl auch frühere Freunde dabei sein - vom Fußball, vom Reiten und vom Rietberger Gymnasium. "Unsere Abi-Clique trifft sich einmal in Jahr", sagt er, und einige würden wieder in der Heimat wohnen. "Ich wollte Film", ruft er seinen beruflichen Wunsch in Erinnerung. Videos in der Oberstufe würde er nicht wirklich zu Vorübungen rechnen. Eine frühe Vorahnung könnten kleine Geschichten des Grundschülers im damaligen Dorfblatt "Westenholzer Fenster" vermittelt haben. Weil ihn die "Kreativität und Organisation" von Filmen interessierte und ein Bruder bereits in München studierte, absolvierte Maas dort das Studium Medienmanagement mit dem Schwerpunkt Filmproduktion. Nach dem Bachelor-Abschluss arbeitete er eine Zeit lang als Produktionsleiter und gründete 2011 zusammen mit Christian Füllmich die Filmproduktionsfirma Filmschaft GmbH. Die beiden hatten sich bei Kurzfilmen kennengelernt. 2013 gewannen sie den Bayerischen Nachwuchsproduzentenpreis für den Film "NEMEZ". "Regisseur wäre auch denkbar gewesen, aber ich wollte nicht in Abhängigkeiten kommen", begründet Maas seine Entscheidung zum Unternehmer: "Die Freiheit war mir wichtiger." Der Produzent suche zunächst ein geeignetes Drehbuch ("kostet Zeit"), organisiere das Casting und stelle das Projekt möglichen Finanzpartnern vor. In Deutschland könne die öffentliche Filmförderung bis zu 50 Prozent der Kosten abdecken. "Drei bis fünf weitere Bausteine sind erforderlich", so Maas. Das könnten Rundfunkanstalten als Partner und auch der Vorab-Verkauf einer Sendelizenz sein. "Dann muss das Budget knallhart eingehalten werden, sonst haben wir ein Problem", beschreibt er ein wesentliches Stück Arbeit.. Für einen Debüt-Film wie "Einmal bitte alles" sei der professionelle Aufwand weitaus höher als das Budget, das unter einer halben Million Euro liege. "Alle haben viel mehr getan als wir erwarten durften", beschreibt der Produzent die Bedingungen und erklärt warum: "Wir waren ein junges Team, in dem alle den Schritt nach oben wollten." Das Risiko bleibt unberechenbar. Ein Filmverleih führt das Werk in dieser Woche in gut 30 Kinos in Deutschland. "Erst mal ein Meilenstein", lässt Maas die Freude auch darüber durchklingen, dass mit Paderborn und Bielefeld Kinos in seiner Heimatregion dabei sind. Die nächste entscheidende Frage formuliert er schon: "Wird der Film in die zweite Woche gehen?" Mit den Besucherzahlen zum Start und am ersten Wochenende fallen die weiteren Würfel. Zur Preview-Vorführung in München unter freiem Himmel sind 1.100 Besucher gekommen. "Und die Konkurrenz im Kino ist diese Woche nicht so groß", hegt er Hoffnungen auf einen Erfolg. Die eigenen Lebensträume haben sich für Torben Maas teilweise schon erfüllt. Er hat in diesem Jahr geheiratet und daraus soll mal eine Familie werden. "Als Selbstständiger kann man immer und jederzeit arbeiten", wagt der Filmproduzent mit seiner Firma im Aufbau den Blick nach vorn: "Aber man sollte nicht vergessen, dass es noch andere Sachen im Leben gibt."

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