Neue Normen: Mechthild Herberhold, Andrea Baxpöhler, Ulrike Molitor und Elisabeth Jünemann haben für den Verein katholischer Altenhilfeeinrichtungen ein neues Leitbild entwickelt. - © Marco Schreiber
Neue Normen: Mechthild Herberhold, Andrea Baxpöhler, Ulrike Molitor und Elisabeth Jünemann haben für den Verein katholischer Altenhilfeeinrichtungen ein neues Leitbild entwickelt. | © Marco Schreiber

Delbrück Zehn Gebote für die Pflege

Der Verein katholischer Altenhilfeeinrichtungen gibt sich ein neues Leitbild

Marco Schreiber

Delbrück. Die Zehn Gebote verstehe jeder, sagt Andrea Baxpöhler, Vorstand des Vereins katholischer Altenhilfeeinrichtungen im Erzbistum Paderborn (VKA). Auf ihrer Grundlage wurde ein neues Leitbild für die 18 Wohn- und Pflegeheime des Vereins entwickelt. Kurz und knackig ist es geworden, das neue Leitbild des VKA. Knapp 50 Seiten umfasst die quadratische Broschüre. "Es ist ein Arbeitsbuch geworden", sagt Baxpöhler. Das Leitbild soll nicht nur nach außen wirken und die Einrichtungen in ein gutes Licht rücken, sondern das Handeln der Mitarbeiter bestimmen. "Die Menschen sollen spüren können, dass wir in christlicher Nächstenliebe für sie da sind", so Baxpöhler im Vorwort. Und was ist christlicher als die Zehn Gebote Gemeinsam mit der Theologin Elisabeth Jüneman von der katholischen Hochschule Paderborn und Ulrike Molitor vom VKA wurden sie zeitgemäß erklärt. Etwa das achte: Du sollst nicht falsches Zeugnis reden. Darin gehe es um Kommunikation, die durchschaubar und wertschätzend sein soll, heißt es im Leitbild. Nicht über, sondern mit den Menschen müsse geredet werden. Das sei allen verständlich, ob sie nun Christen sind oder dem Islam angehören, sagt Jünemann. Jede Religion habe ähnliche Vorschriften, die selbst Nichtchristen verstünden. Ein Bibelexperte habe ihr bei der Auslegung des sechsten Gebots geholfen: Du sollst nicht die Ehe brechen. Jünemann: "Darin geht es um den Umgang mit Schwächeren, um Verlässlichkeit und eine Kultur des Vertrauens." Um das Leitbild bekannt zu machen, gab es am Mittwoch im gastlichen Dorf eine Auftaktveranstaltung für Pflegekräfte und Fachreferenten aus ganz NRW. Dabei wurde auch die Broschüre "Gemeinsam entscheiden" vorgestellt, mit der Angehörige von Heimbewohnern über ethische Fallgespräche informiert werden sollen. Für dieses neue Angebot hat der VKA nach eigenen Angaben 22 Moderatoren ausgebildet, die in schwierigen Situationen zwischen Angehörigen und Pflegepersonal vermitteln werden. Damit seien nicht nur Grenzfälle gemeint, wenn sich etwa ein Bewohner nicht mehr über seine Wünsche äußern kann, erklärt Mechthild Herberhold, Autorin der Broschüre. "Es geht darum, gemeinsam gute Entscheidungen zu treffen", sagt Herberhold. Wenn zum Beispiel ein Zuckerkranker Torte essen oder ein Demenzkranker nach draußen wolle, obwohl es für sie gefährlich sei. Würden Angehörige an der Entscheidung beteiligt, hätten sie ein größeres Verständnis für die pflegerischen Maßnahmen.

realisiert durch evolver group