Standing Ovations für die Westenholzer Majestäten: Die heimische Regentin Manuela Wiesing lässt sich an ihrem Ehrentag feiern. Für sie sei der Bundesköniginnentag das I-Tüpfelchen auf einem ganz tollen Jahr, wie sie verriet. Möglich machte dies ihr Gatte Hubert, der 2017 den Vogel abschoss. - © Regina Brucksch
Standing Ovations für die Westenholzer Majestäten: Die heimische Regentin Manuela Wiesing lässt sich an ihrem Ehrentag feiern. Für sie sei der Bundesköniginnentag das I-Tüpfelchen auf einem ganz tollen Jahr, wie sie verriet. Möglich machte dies ihr Gatte Hubert, der 2017 den Vogel abschoss. | © Regina Brucksch

Delbrück Über 100 Schützenköniginnen marschieren durch Westenholz

Glanz, Gloria und Gewehr: Zum Ehrentag der Schützenregentinnen kommen Majestäten und Grünröcke aus verschiedenen Teilen Deutschlands, wo der erlegte Vogel auch mal ganz anders gefeiert wird

Svenja Ludwig

Delbrück-Westenholz. Ausladende Röcke oder schlanke Spitze, Samt und Seide oder fesches Dirndl, üppige Schleppe oder - very british - mit Hut. So unterschiedlich die Regentinnenroben beim Bundesköniginnentag am Wochenende in Westenholz ausschauen, so unterschiedlich sind auch die Damen, die sie in Szene setzen. Sie alle aber eint die Liebe zum Schützenfest. "Ich bin Vereinsmeier durch und durch", gesteht Manuela Wiesing. Deshalb war es für sie nie eine Frage, ihren Gatten in dem Bestreben zu unterstützen, den Westenholzer Vogel abzuschießen: "Als Partner stehe ich voll dahinter." Auch wenn das ab und an ein paar Entbehrungen bedeutet. Nachdem am Samstagabend Schützen von rund 135 Bruderschaften in Westenholz eingetrudelt waren und der Festball inklusive Konzert der Isartaler Hexen gefeiert war, bekam die amtierende Regentin nur wenig Schlaf: "Mein Tag begann um 8.15 Uhr mit Aufbrezeln." Das mache aber nichts. "Nach einem tollen Jahr ist der Bundesköniginnentag für mich das I-Tüpfelchen", sagt sie. Denn eine Nachfolgerin hat sie schon: Theresa Biermeyer. Die 24-Jährige feiert beim Königinnentag nur vom Straßenrand mit. Am vergangenen Donnerstag setzte sich ihr Liebster beim Vogelschießen durch, dann begann für sie der ganz normale Regentinnenwahnsinn. "Wir sind am Freitag in drei Kleiderläden gewesen, am Samstag waren wir noch einmal los", zählt sie auf, "das war wirklich sehr stressig". Denn nicht nur ihre Robe musste besorgt werden, die acht Hofdamen sollen ja auch festlich gekleidet sein. "Dabei ist es schwierig, alle unter einen Hut zu bekommen: Jede ist ein anderer Hauttyp und jede hat andere farbliche Vorlieben." Es darf bereits verraten werden: Die Westenholzerinnen sind schließlich fündig geworden. Trotzdem muss noch viel organisiert werden: "Schuhe, Blumen, Friseur, Kränzen, Hofstaattreffen..." Bei so viel Arbeit ist es nur gerechtfertigt, dass die Damen einen eigenen Ehrentag bekommen. Es komme dabei darauf an, den Frauen die Rahmenbedingungen zu geben, dass sie glänzen können, glaubt Zuschauerin Gabi Knaup. "Fünf Stunden auf irgend einem Sportplatz stehen und währenddessen notgedrungen nichts trinken, weil nur Dixiklos da sind - das kann ja nicht sein", sagt die Westenholzerin, die selbst viermal im Hofstaat war und solche Zustände hautnah erlebt hat. Es müsse Rücksicht auf die Frauen genommen werden. "Das hat nichts damit zu tun, dass Frauen schwach sind", betont sie. Sie sei stolz, dass in in ihrer Heimat auf die Damen geachtet werde. "Westenholz ist ein relativ junger Verein, da wird für die Frauen mehr getan", lobt Knaup. Anders als in ganz elitär-männlichen Bruderschaften. Auf den Vogel schießen Mitglied eines solchen Vereins war Petra Nießen. Vergangenheitsform. "Ich sollte Beiträge zahlen, durfte aber nichts machen und wurde nur geduldet", berichtet sie. Bis sie in den Nachbarort wechselte. Dort erwartete sie das Kontrastprogramm. In Heinsberg darf nämlich jeder alles. Auch auf den Vogel schießen. Nießen hat den Aar zwar noch nicht aufs Korn genommen, aber sie ist jetzt Adjutantin der Königin. Die wiederum hat dem Adler höchstselbst den Garaus gemacht. "Als ich in die Bruderschaft eingetreten bin, hat es mich gereizt, Königin zu werden", erinnert sich Karin Kistermann. 2010 war der hölzerne Vogel dann das erste Mal fällig, das zweite Mal erlegte ihn die schussechte Majestät 2017. "Nur hinter den Herd - nicht mit mir", erklärt sie. Der Ehrentag der Regentinnen ist noch vergleichsweise jung angesichts jahrhundertelanger Traditionen so manches Schützenvereins. 62 Lenze hat der Königinnentag auf dem Buckel und ist mittlerweile nach dem Bundesschützenfest das größte Ereignis im Terminkalender der Grünröcke. Das Fest soll die Stellung der Frau im Schützenwesen in den Mittelpunkt rücken. NRW-Umweltministerin und Schirmherrin Christina Schulze nutzte ihre Grußworte, um milde Kritik an rein männlichen Bruderschaften zu üben: "Die Herren wissen gar nicht, was ihnen entgeht."

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