Antrittsbesuch im Seniorenstift: Bürgermeisterkandidatin Eleonore Ginter (Manuela Stressler) (rechts) stellt sich den Bewohnern und einer Pflegerin des Altenheims "Goldener Herbst" vor. - © Dietmar Gröbing
Antrittsbesuch im Seniorenstift: Bürgermeisterkandidatin Eleonore Ginter (Manuela Stressler) (rechts) stellt sich den Bewohnern und einer Pflegerin des Altenheims "Goldener Herbst" vor. | © Dietmar Gröbing

Delbrück Boker Laienspielgruppe bringt flottes "Seniorenrennen" auf die Bühne

Theater: Aktuelle gesellschaftliche Debatten unterfüttern das Thema. Drei Vorstellungen folgen

Dietmar Gröbing

Delbrück-Boke. Für alle, die es bisher nicht wussten: Boke hat einen eigenen Bürgermeister. Er heißt Werner Ziegler (Dieter Pottmeier) und steht unmittelbar vor der Wiederwahl. Allerdings nur auf der Bühne. Die steht seit dem Wochenende im Boker Pfarrheim, das auch als Bürgerhaus dient (Boker Str. 99). Hier kommt bis zum 24. März die Komödie "Seniorenrennen" zur Aufführung. Auf die Bretter gebracht wird der von Sigrid Ellenberger verfasste Zweiakter von der örtlichen Laienspielgruppe, die unter dem Namen Lippeburg-Theater firmiert. Als solche bietet die Amateurtruppe ihrer Kundschaft flotte Unterhaltung. Bisweilen in gebremstem Tempo, denn die im Stück agierenden Senioren sind nicht (mehr) die schnellsten - außer mit der Zunge. Handfeste Geschlechterkomödie Das bekommt auch der aktuelle Bürgermeister zu spüren, der heftig um die Oldies wirbt. Warum? Weil die Alten vermutlich die Wahl entscheiden werden. Also buhlt Werner Ziegler mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln um die Gunst der rüstigen Ruheständler. Nebenbei muss er seine ärgste Konkurrentin Eleonore Ginter (Manuela Stressler) im Auge behalten. Ginter punktet mit einem sportiven Konkurrenzprodukt und ist dem Amtsinhaber dicht auf den Fersen. Das klingt einerseits nach einem lokalpolitischen Schlagabtausch, andererseits nach einer handfesten Geschlechterkomödie. Ist es auch, denn wer genau hinhört, erfährt viel über maskuline Selbstverständlichkeiten und feminine Gegenmaßnahmen. Letztere sind unverhofft erfolgreich. Schon lange sind die Damen den Herren ebenbürtig - vielleicht sogar einen Schritt voraus. Nicht zuletzt, weil sie latent unterschätzt werden. Die unterschwellige Botschaft des Stücks passt zur aktuellen Feminismus- und MeToo-Debatte. Und zu einem zeithistorischen Jubiläum. Vor exakt 100 Jahren wurde den Frauen das Wahlrecht zugestanden. Herren der Schöpfung Seitdem hat sich die Stellung der Frauen nicht nur auf politischer Ebene deutlich verbessert. Perfekt ist sie nach wie vor nicht. Was in erster Linie den Herren der Schöpfung anzulasten ist. Ihr Festhalten an überholten (Macht-)Strukturen erscheint so zweifelhaft wie nutzlos. Und kommt einem Kampf gegen Windmühlen gleich. Fragen sie den Boker Bürgermeister. Der klebt wie Pattex an seinem Posten. Und versucht ihn gar mit unlauteren Mitteln zu verteidigen. Heimtücke? Vorteilsnahme? Betrug? Von allem ein bisschen - ein komisches bisschen. So ist das halt, wenn die Kunst das Leben imitiert. Weitere Aufführungen: 17., 18. und 24. März. Die Vorstellung am 18. März beginnt um 16 Uhr. Die beiden übrigen Aufführungen starten um 19.30 Uhr.

realisiert durch evolver group