Ein 19-Jähriger wurde nun wegen Drogenbesitzes verurteilt. - © picture alliance / dpa
Ein 19-Jähriger wurde nun wegen Drogenbesitzes verurteilt. | © picture alliance / dpa

Delbrück 19-Jähriger wegen Drogenbesitzes zu milder Strafe verurteilt

Der junge Mann stand dazu, Marihuana verwahrt zu haben. Seiner Geschichte, er habe Gras zum Kiffen mit Freunden gekauft, glaubten die Richter nicht

Jutta Steinmetz

Delbrück. Dass es nicht nur schlechtes Benehmen ist, während der Autofahrt etwas aus dem fahrenden Wagen zu werfen, sondern durchaus beträchtliche Schwierigkeiten mit der Polizei nach sich ziehen kann, musste ein 19-jähriger Auszubildender aus Delbrück erfahren. Bislang mit strafrechtlich reiner Weste fand er sich jetzt auf der Anklagebank des Landgerichtes Paderborn wieder. Im September war einer Polizeistreife ein Wagen aufgefallen, in dem reichlich viele junge Männer saßen. Als die Beamten das Auto kontrollieren wollten, gab der Fahrer einfach Gas und ein Insasse warf ein Beutelchen mit Marihuana aus dem Fenster. Die Flucht war letztlich nutzlos, denn die Polizisten kamen mit Hilfe des Kennzeichens auf Michel T. (Name geändert). Seit einem Verkehrsunfall war nämlich bekannt, dass der 19-Jährige das Familienauto steuern durfte. Folglich fand sich in den Morgenstunden des 13. September die Drogenfahndung bei dem jungen Mann ein und wurde in dessen eigener Wohnung im elterlichen Hause auch fündig. 70 Gramm Marihuana entdeckten die Ermittler in seinem Wohnzimmer sowie einen Baseballschläger. Gut 70 Gramm Marihuana Eine eindeutige Sachlage für die Staatsanwaltschaft. Sie klagte Michel T. wegen Drogenhandels an, den Baseballschläger habe er bereit gehalten, um sich bei etwaigen Schwierigkeiten zu wehren. "Das stimmt nicht ganz", sagte der 19-Jährige vor der 5. Großen Strafkammer. Sicherlicher habe er die gut 70 Gramm Marihuana in seinem Wohnzimmer verwahrt, aber den Baseballschläger, den habe er nicht gehabt, um sich zu verteidigen. Er sei schließlich Sportler und habe seit einem Kurs an der Schule des Öfteren auch Baseball gespielt. Auch den Vorwurf, mit dem Gras gehandelt zu haben, wies er von sich. Vielmehr habe er zusammen mit vier Freunden die 70 Gramm Rauschmittel gekauft - für einen "Urlaub am See". Dort habe man mal ein paar Tage nur "kiffen und chillen" wollen. Diese Geschichte indes mochten die Richter nicht glauben. Der Azubi habe das Marihuana teilweise portioniert aufbewahrt, die Tütchen je nach Qualität und Gewicht unterschiedlich beschriftet und auch reichlich Verpackungsmaterial vorrätig gehabt. "Das macht man doch nicht, wenn man mit Freunden teilen will", sagte der Vorsitzende Richter Eric Schülke. Zwölfmonatige Jugendstrafe auf Bewährung Trotzdem fand die Kammer zu einem milden Urteil, also zu einer zwölfmonatigen Jugendstrafe auf Bewährung. Dass Michel T. zumindest den Drogenbesitz gestanden hatte, wertete sie ebenso als positiv wie seine Abkehr von Marihuana und Co., hatte doch sein Verteidiger Thomas Sprute das Ergebnis eines freiwillig durchgeführten Drogentests vorgelegt, nach dem der 19-Jähriger clean ist. "Ich will mich mehr auf die Schule und die Ausbildung konzentrieren", erklärte Michel T. Dabei soll er jetzt nach Willen des Gerichts Unterstützung durch einen Bewährungshelfer bekommen, der immer wieder unangekündigte Drogentests anordnen wird. So falle es dem 19-Jährigen womöglich leichter, tatsächlich die Finger von Marihuana zu lassen, sagte Schülke. "Ich hoffe, dass das eine einmalige Episode geblieben ist." Michel T. nahm das Urteil an und auch die Auflage, dass er 1.500 Euro an den Verein "Keine Macht den Drogen" zahlen muss. "Ich akzeptiere das", sagte er sofort nach der Verkündung.

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