Ärgerlich: Mit der günstigen Fahrkarte für 2,50 Euro (oben) geht’s von Salzkotten nach Oberntudorf – inklusive Halt in Büren-Wewelsburg. Möchte ein Fahrgast nur von Salzkotten nach Wewelsburg fahren, wird auf dem Ticket als Zielort Büren ausgedruckt und es kostet mehr als doppelt soviel, nämlich 5,20 Euro. - © Rainer Wester
Ärgerlich: Mit der günstigen Fahrkarte für 2,50 Euro (oben) geht’s von Salzkotten nach Oberntudorf – inklusive Halt in Büren-Wewelsburg. Möchte ein Fahrgast nur von Salzkotten nach Wewelsburg fahren, wird auf dem Ticket als Zielort Büren ausgedruckt und es kostet mehr als doppelt soviel, nämlich 5,20 Euro. | © Rainer Wester

Salzkotten/Büren Skurriles im Busfahrplan von und nach Salzkotten

Bahn-Experte Rainer Wester hat ein Fahrpreisproblem entlarvt. Wer zwischen Salzkotten, Wewelsburg und Tudorf fährt, muss genau hinschauen, welches Ticket er lösen sollte

Salzkotten/Büren. Auf der neuen Stadtbuslinie zwischen Salzkotten, Wewelsburg und Tudorf hat der Upsprunger Bahn-Experten Rainer Wester ein Fahrpreisproblem entlarvt – und kann darüber nur den Kopf schütteln. Wer in Salzkotten in den Bus steigt und über Wewelsburg nach Tudorf möchte, zahlt 2,50 Euro. Wer auf halber Fahrt in Wewelsburg aussteigt, legt dem Busfahrer allerdings 5,20 Euro auf den Zahlteller. Noch kurioser wird die Rückfahrt: Von Tudorf nach Wewelsburg wie auch von Tudorf nach Salzkotten kostet die Fahrt jeweils 2,50 Euro. Wer unterwegs in Wewelsburg zusteigt, bezahlt mit 5,20 Euro mehr als das Doppelte für die restliche Hälfte bis nach Salzkotten. Dabei findet Wester die Idee der Linienführung für die neue Stadtbuslinie Sk1 zwischen Salzkotten und Tudorf mit dem Schlenker über Wewelsburg mehr als gelungen. Dennoch ist die Preisgestaltung ärgerlich für diejenigen, die in Wewelsburg zwischen Nieder-hagen und Bahnhof einsteigen und wirklich nur nach Salzkotten möchten. Die offizielle Erklärung: Diese Fahrgäste zahlen 5,20 Euro für eine Fahrt, da sie im „Tarifgebiet Büren" zusteigen und auf dem Weg nach Salzkotten eben diese Tarifgrenze überschreiten. Und da spielt es auch keine Rolle, dass ihr Bus gerade aus dem Stadtgebiet Salzkotten kommt und auch sofort wieder dort hineinfährt. Diejenigen, die viel eher in Tudorf zugestiegen sind, kommen für weniger als die Hälfte des Fahrpreises zum Ziel. Geltende Tarifstruktur „Diese Eigenarten sind nach den geltenden Tarifstrukturen in Ordnung, aber sie sind natürlich niemandem zu erklären", sagt Wester, der seit 28 Jahren dem Fahrgastverband Pro Bahn angehört und der sich die entsprechenden Fahrkarten für seine Sammlung schon zusammengekauft hat. „Zu einer vernünftigen Akzeptanz der Stadtbuslinie trägt dieser Fahrpreis leider nicht bei", meint er. Die Skurrilität der Preisgestaltung führt wohl dazu, dass Passagiere mit der günstigen Fahrkarte bis Tudorf einfach in Wewelsburg aussteigen. Sie lösen doppelt so weit wie nötig, steigen aber eher aus. Dafür hätten sie eigentlich aber trotzdem mehr als das Doppelte zahlen müssen. Um Menschen trotzdem vom öffentlichen Personennahverkehr zu überzeugen, regt Wester zwei mögliche Lösungen an. Eine sei, für die Wewelsburger die Preisstufe als „grenznahe" Ortschaft zu reduzieren, damit der Fahrpreis nicht in die Höhe schießt. In vielen anderen Orten mit ähnlichen Problemen habe sich das Verfahren bewährt, etwa zwischen Scharmede und Paderborn. Hier zahlen die Scharmeder auch nicht die übliche „Salzkottener Preisstufe", sondern liegen darunter. Spontanfahrer wichtige Zielgruppe Eine andere Maßnahme könne ein Sonderstatus für Wewelsburg mit Zuordnung des Ortes in die beiden Tarifgebiete Büren und Salzkotten sein. Als Beispiel dient die Stadt Geseke, die auch vor dem neuen Westfalentarif immer schon sowohl zum hiesigen als auch zum Verbund des Nachbarkreises Soest gehörte. Wester bezweifelt, dass ohne eine Überarbeitung des Tarifs viele Wewelsburger für 5,20 Euro mit dem Bus nach Salzkotten fahren. Dabei handelt es sich bei den Spontanfahrern mit Ziel Salzkotten um eine wichtige Zielgruppe. Denn Umsteiger am Salzkottener Bahnhof können den Bus nicht nutzen. Wester hat beim Fahrplanstudium herausgefunden, dass der Bus kurz vor den ankommenden Zügen in Richtung Wewelsburg/Tudorf schon abfährt. In Gegenrichtung verfehlt der Bus den Zug-Anschluss ebenfalls um wenige Minuten. Bis zum Redaktionsschluss war der Nahverkehrsverbund Paderborn/Höxter (nph) für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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