An der Seite der berühmten Westfälin: Jens Kloster, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kreismuseum Wewelsburg und Kurator der Ausstellung, hält einen Scherenschnitt von Annette von Droste-Hülshoff (r.) in Händen, der eine indische Landschaft zeigt. Die Figuren links sind weitere Reisebegleiter der Dichterin auf ihren Sehnsuchtsreisen – wie die Mutter, ein Bruder und ein Neffe. - © Karl Finke
An der Seite der berühmten Westfälin: Jens Kloster, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kreismuseum Wewelsburg und Kurator der Ausstellung, hält einen Scherenschnitt von Annette von Droste-Hülshoff (r.) in Händen, der eine indische Landschaft zeigt. Die Figuren links sind weitere Reisebegleiter der Dichterin auf ihren Sehnsuchtsreisen – wie die Mutter, ein Bruder und ein Neffe. | © Karl Finke

Büren Ausstellung über Droste-Hülshoff eröffnet in der Wewelsburg

Dichterin auf Reisen: Literatur nicht nur zum Lesen. In einer Zeit des Umbruchs neue Transportmöglichkeiten nutzt

Karl Finke

Büren-Wewelsburg. Lesen lassen sich die Gedichte, Briefe und Reisebeschreibungen der berühmten westfälischen Dichterin auch. Im Burgsaal der Wewelsburg können Besucher Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848, Judenbuche) leichter hören, riechen und mit einer so genannten VR-Brille sogar multimedial erleben. Anfassen sollte sicherlich niemand sämtliche Originalstücke aus dem Nachlass der Familie – zum Beispiel ihre Reisekoffer. Damit sind Themen und Akzent der Ausstellung, die am Sonntag, 21. Mai, im Kreismuseum eröffnet wird, genannt. Sie titelt „Sehnsucht in die Ferne“ und führt ins frühe 19. Jahrhundert. Eine Umbruch-Situation – wie heute, so Jochen Grywatsch. Der Leiter der Droste-Forschungsstelle in Münster weist auf die damals neuen Transportmöglichkeiten neben Familien- und Postkutsche. Die Droste reiste mit den ersten Eisenbahnen und mit Dampfschiffen auf dem Rhein und Bodensee. Sie berichtet von Vorbereitungen, Hindernissen und Kuriositäten. Während ihrer langen Reisen (neun Jahre) entstand etwa die Hälfte des Werks. Wer waren die Begleiter? „Es war ihr eigentlich nicht erlaubt, allein zu reisen“, erklärt Grywatsch. So saßen die Mutter, der Bruder oder auch eine Freundin an der Seite der Dichterin.Texte wurden von Schauspielern eingesprochen Bekanntlich führte der Weg auch zu Verwandten im Westfälischen, zur Wewelsburg und zu den Almequellen ins sauerländische Brilon-Alme. Die Droste schrieb dabei durchaus „despektierlich über die Paderborner“, motiviert Landrat Manfred Müller zur Lektüre. Vorlesen lassen können sich Besitzer eines Handys mit NFC-Antenne Reiseeindrücke quasi per privatem Audiguide. Alternativ ist eine Anmeldung im Droste-WLAN-Netz vor Ort möglich. Insgesamt 26 Droste-Texte wurden von Schauspielern eingesprochen. Riechen lässt sich das frühe 19. Jahrhundert mit der Nase an einem Fläschchen Stinkasant – damals eine Art Allheilmittel. Highlight der Ausstellung wird wahrscheinlich ein Raumerlebnis des Gedichts „Im Grase“. Bequem in einem Schaukelstuhl mit einer massigen VR-Brille über den Augen dürfen Besucher den Text zusammen mit visuellen Effekten und Musik erleben. „Eigene Bewegungen nehmen Einfluss auf das Erlebnis“, verspricht Grywatsch spannende dreieinhalb Minuten. Über den Mut für den gewählten Ausstellungsweg freute sich Rabea Köjer, in Büren aufgewachsen, als Mitarbeiterin des Münsteraner Büros DBCO: „Das Ergebnis ist etwas was sich von anderen absetzt.“Gedichtkarten zum Verschicken Weitere Erlebnisse mit Annette von Droste-Hülshoff folgen schon am Eröffnungstag um 18 Uhr im Innenhof in Form einer szenischen Lesung und in der Folge. Dazu zählen zwei weitere Lesungen mit der Schauspielerin Natascha Heimes am 26. Juni (19 Uhr) und 13. August (11 Uhr). Am 1. Juni spricht Rudolf Muhs über Droste-Hülshoff und Theodor Fontane. Am 1. Juli führt eine Exkursion zu den Reisestationen der Dichterin in Alme und den Bruchhäuser Steinen. Als kleines Geschenk darf jeder Ausstellungsbesucher gebündelte 13 Gedichtkarten zum Verschicken per Post mit nach Hause nehmen. Die Rückkehr aus der audiovisuellen und virtuellen Realität ist also sichergestellt.

realisiert durch evolver group