Komplett eingerüstet: Bis zum Sommer sollen die Sanierungsarbeiten am Süd-Westturm, die bereits zur Hälfte fertiggestellt sind, beendet sein. - © Johannes Büttner
Komplett eingerüstet: Bis zum Sommer sollen die Sanierungsarbeiten am Süd-Westturm, die bereits zur Hälfte fertiggestellt sind, beendet sein. | © Johannes Büttner

Büren Die Wewelsburg wird hübsch gemacht

Südwest- und Südostturm werden ihre Steinsichtigkeit verlieren. Das über 400 Jahre alte Mauerwerk soll vor weiterem Verfall geschützt werden

Johannes Büttner

Büren-Wewelsburg. Türme der Wewelsburg werden verputzt. Der Südwest- und der Südostturm werden ihre Steinsichtigkeit verlieren. Mit dem Aufbringen eines Kalkputzes soll das über 400 Jahre alte Mauerwerk vor einem weiteren Verfall geschützt werden. "Wir werden sowohl einen neuen Putz aufbringen, wie auch die Reste der historischen Verputzung erhalten. Damit ist eine Lösung geschaffen, bei der sowohl der Erhalt des Historischen wie auch die Sicherung der Bausubstanz im Einklang gebracht werden", sagt Referatsleiterin LWL-Denkmalpflege und Baukultur, Barbara Seifen, beim Ortstermin in der Wewelsburg. Schlechter Zustand des Mauerwerks Seit dem Sommer des vergangenen Jahres wird der Südwestturm der Wewelsburg, die in den Jahren 1603 bis 1609 von dem Paderborner Fürstbischof Dieterich von Fürstenberg als Renaissanceschloss gebaut wurde, an der Fassade saniert. Grund dafür ist der schlechte Zustand des Kalksteinmauerwerks und der Sandsteingewände. Anders als bei der Sanierung der Westseite auf der Talseite, die in den 1980er Jahren erfolgte und bei der verwitterte Steine gegen neue ausgetauscht wurden, oder beim Wiederaufbau des Nordturms Mitte der 1970er Jahre, bei dem heimischer Bruchstein steinsichtig vermauert wurde, hat man sich bei der Sanierung der Turmfassaden auf das Verputzen festgelegt. Eine Entscheidung, die auch Birgit Breloh vertritt. "Wir haben heute nicht nur neuere Erkenntnisse in der Sicherung von historischen Materialien, es wird heute auch mehr darauf geachtet, Historisches zu erhalten", sagt die Referentin von der LWL-Denkmalpflege. Aufwendige Bauuntersuchung Natürlich spielen auch die Kosten eine Rolle. "Die Sanierung des Südwestturms wird rund 140.000 Euro kosten. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördert das Projekt mit 70.000 Euro", weiß Ingo Tiemann, Kämmerer und Kulturdezernent des Kreis Paderborn. Eine steinsichtige Sanierung würde nach Schätzung des Restaurators Matthias Rüenauver Kosten im Millionenbereich verursachen. Zu Beginn der Sanierungsarbeiten war eine aufwendige Bauuntersuchung durchgeführt worden. Dabei wurden auch noch Reste der ersten Verputzung festgestellt. "Ihre großflächige Steinsichtigkeit hat die Burg erst in der NS-Zeit erhalten, berichtet Museumleiterin Kirsten John-Stucke. Unter der Einbeziehung von Häftlingen des Konzentrationslagers Niederhagen war auf Anweisung des SS-Führers Heinrich Himmler, der gerne eine Burg nach seinen Vorstellungen entstehen lassen wollte, der alte Putz größtenteils abschlagen worden. Auf Teilen dieses alten Putzes, auf der ganzen Fläche gibt es davon nur noch rund 40 Quadratmeter, ist sogar noch die Farbe des Tarnanstrichs, der ebenfalls von Häftlingen in den letzten Kriegsjahren auf die Außenmauern der Burg aufgetragen wurde, zu erkennen. Neue Steine müssen auch eingesetzt werden "Auch in Erinnerung an das Leiden der Häftlinge gilt es, dieses zu erhalten", sagt Musumsleiterin John-Stucke. Teilweise ist das Mauerwerk aber so schlecht, dass auch neue Steine eingesetzt werde müssen. Die Sandsteingewände an den Fenstern werden an einigen Stellen ebenfalls erneuert. Die umlaufenden Sandsteinfriese werden mit einer Bleiabdeckung versehen. Bis zum Sommer sollen die Sanierungsarbeiten am Süd-Westturm, die bereits zur Hälfte fertiggestellt sind, beendet sein. Zuvor wird aber noch eine neue Plane an das Gerüst angebracht. Die alte Plane wurde, ebenso wie rund 25 Quadratmeter der geschieferten Dachfläche an der Westseite Opfer des Sturms Friederike im Januar. Im weiteren Zug der Sanierungsmaßnahmen soll dann der Süd-Ostturm verputzt werden.

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