So fand er seinen Laden vor: Geschäftsinhaber Torsten Hieke zeigt Fotos von den Einbrüchen in sein Radhaus. - © Svenja Ludwig
So fand er seinen Laden vor: Geschäftsinhaber Torsten Hieke zeigt Fotos von den Einbrüchen in sein Radhaus. | © Svenja Ludwig

Büren Bürener Fahrradladen rüstet nach drei Einbrüchen auf

Torsten Hieke, der Geschäftsführer des Radhauses Büren, wurde zum Opfer eines Ganoven-Trios. Die Diebe, die es vor allem auf E-Bikes abgesehen hatten, gingen der Polizei ins Netz

Svenja Ludwig

Büren. Krimireife Szenen sollen sich beim Finale zweier albtraumhafter Monate des Büreners Torsten Hieke zugetragen haben: Eine Polizei-Hubschrauber mit Wärmebildkamera kreist über Büren, Polizisten durchkämmen die Straßen und anhand einer verlorenen Maske nimmt ein Hund Witterung auf. DIE EINBRÜCHE Den Anfang nimmt es für Hieke am Morgen des Nikolaustages 2017 im Skiurlaub mit einem Anruf: In sein Geschäft wurde eingebrochen. 20 Jahre lang führt er das Radhaus Büren, in denen es maximal zu vereinzelten, "hobbymäßigen" Diebstählen kam. Geschäftsmäßig indes ist das Vorgehen dieser Räuber. Vermutlich brechen sie mit dem Auto durch eine Eingangstür. Vermutlich, denn Bilder gibt es keine. "Wir dachten, die Kameras zeichnen auf, aber sie waren an Steckdosen mit Zeitschaltuhr angeschlossen", so Hieke. Die drehte der Überwachungstechnik pünktlich zur Nacht den Saft ab. Der zweite Streich der Diebe ist umso ausführlicher dokumentiert: Eine dunkle Gestalt wählt zweieinhalb Minuten gezielt Stahlrösser aus, trägt sie fachmännisch aus dem Sichtfeld der Kamera. Am 17. Januar entdeckt Hieke die Spuren des Einbruchs im frisch gefallenen Schnee. In der Nacht des 30. Januar kehren die Täter für ihren dritten Coup nach Büren zurück. Als es früh morgens bei Hieke klingelt, ist er nervlich am Ende. "Ich habe angefangen zu zittern", erinnert er sich, "aber der Polizist sagte, ich solle mich beruhigen, sie hätten die Täter." DIE TÄTER Das Trio kommt aus Litauen. Lediglich der Jüngste (26) ist bereits einschlägig vorbelastet. Deutschlandweit, vor allem in Niedersachsen, sei er auch wegen Einbruchs in Fahrradläden bekannt, so die Polizei. Derzeit befinden sich die Täter in Untersuchungshaft. Ihnen drohen, wie Hieke erleichtert berichtet, mindestens drei Jahre Gefängnis. Der letzte Einbruch wurde den Dieben zum Verhängnis. Während ein Mann noch am Tatort gestellt wurde, ging der zweite der Polizei zehn Minuten später am Flughafen ins Netz. Nach dem Dritten wurde 20 Stunden lang intensiv - nach NW-Informationen mit dem Einsatz von Mensch, Tier und Technik - gefahndet, ehe er völlig entkräftet und passenderweise auf einem Radweg gestellt wurde. DIE BEUTE "Radfahren wird immer beliebter", weiß auch Ulrich Krawinkel, Pressesprecher der Paderborner Polizei. Umso erstaunlicher ist die rückläufige Zahl der Fahrraddiebstähle im Kreis. 2016 wurden 1.666 entwendete Drahtesel gemeldet, 2017 480 weniger. Bei E-Bikes, wie in Hiekes Fall, werden die Zahlen wohl "tendenziell steigen", vermutet Krawinkel. Über 20 Modelle ließen die Diebe im Radhaus mitgehen - Neuware im Wert von fast 100.000 Euro. "Beim ersten Einbruch waren es zu 85 Prozent E-Bikes, beim zweiten 100 Prozent", sagt Hieke. Ärgerlich sind zudem 20 beschädigte Stahlrösser: "Keiner möchte ein teures Rad mit Macke." DIE VERSICHERUNG "Ich vermute, dass meine Versicherung sich nach dieser Nummer verabschieden wird", prognostiziert Hieke. Momentan wird verhandelt. "Es geht noch um ein paar Tausend Euro", sagt er, "wie bei einem schlechten Kuhhandel." Seine Versicherung meine, er habe mehr Ware im Laden als versichert wurde, glaubt der Bürener. Noch hat er Energie für Kämpfe. Bis jedoch im Frühjahr die Radsaison beginnt, müsse alles geklärt sein. DIE KONSEQUENZEN "Ich wusste nicht mehr, wie ich den Laden noch sicherer machen kann", erinnert sich der Inhaber an seine Verzweiflung. Die Schwachstellen hat er behoben. Schon nach dem ersten Einbruch verstärkte er die ungenutzten Eingänge mit Querstreben aus Metall. Doch er will "weiter aufrüsten", unter anderem mit einer Alarmanlage. Psychisch hat er die Taten verkraftet. "Mir würde es deutlich schlechter gehen, wenn die bei mir zu Hause in der Unterwäsche gewühlt hätten", resümiert er.

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