Zwischen der Weiberger Kirche und ihrem Zuhause: Bettina Henneke ist seit gut anderthalb Jahren Mieterin des Pfarrhauses neben St. Birgitta. Ihr berufliches Fahrzeug parkte sie bis vor kurzem an der Mauer (r.) vor der Garage. - © Karl Finke
Zwischen der Weiberger Kirche und ihrem Zuhause: Bettina Henneke ist seit gut anderthalb Jahren Mieterin des Pfarrhauses neben St. Birgitta. Ihr berufliches Fahrzeug parkte sie bis vor kurzem an der Mauer (r.) vor der Garage. | © Karl Finke

Büren Kirche will Mieterin aus Bürener Pfarrhaus werfen

Neben St. Birgitta in Weiberg: Bettina Henneke, allein erziehende Mutter, sollte nach einem halben Jahr schon wieder ausziehen, weil Vikar Tobias Schulte im Pastorat gern seine Habilitation schreiben möchte

Karl Finke

Büren-Weiberg. Das Pfarrhaus in Weiberg ist eigentlich ein friedlicher Ort. Das Pastorat gehört zum Haus Bürenschen Fonds, dem Testament des letzten Edelherren der mittelalterlichen Herrschaft. Wie hätte Moritz von Büren (1604-61), damals Präsident des Reichskammergerichts, wohl über die Räumungsklage der katholischen Kirche heute geurteilt. Wegen Eigenbedarf für die Wohnung hat Pfarrer Peter Gede der Mieterin Bettina Henneke bereits ein gutes halbes Jahr nach deren Einzug wieder gekündigt. Die aktuelle Geschichte beginnt 2015/16. Da steht das Weiberger Pfarrhaus nach dem Wegzug von Pastor Michael Heinisch einige Zeit leer. Bettina Henneke (52), aufgewachsen in der Weiberger Straße (Henneke Transporte) wohnt mit ihrer Tochter zur Miete im Birkenweg am Dorfrand. Weil die gelernte Köchin dort in einigen Jahren Eigenbedarf seitens der Vermieter erwartet, hält sie schon die Augen für einen eventuellen Umzug offen. "Vikar Schulte war doch schon da, als die Wohnung vermietet wurde" Henneke hört vom leer stehenden Pfarrhaus. Nur das Pfarrbüro neben dem Eingang wird noch zweimal in der Woche besetzt. Sie bekundet ihr Interesse und trifft sich kurzfristig mit Pfarrer Gede, Leiter des Pastoralverbundes Büren. Weil für ihren Streetfood-Trailer die Saison bald beginnt, will und darf sie "so schnell wie möglich" einziehen - im Mai/Juni 2016. Die neue Mieterin verlegt neue Bodenbeläge und streicht die Wände. Ideal findet es Henneke, dass ihre 80 Jahre alte Mutter vier Häuser weiter auf kurzem Wege für Tochter und Enkelin erreichbar ist. "Zwei- bis dreimal am Tag", sagt sie, würden beide in dem alten Bauernhaus vorbei schauen. Der Tochter gehört der Wohnsitz der Mutter schon, doch zusammen wohnen möchte Bettina Henneke nicht. "Alt und Jung passt nicht zusammen", ist ihre Meinung. Im Pfarrhaus bewohnt ihre heute 17 Jahre alte Tochter die obere Etage. Ein halbes Jahr nach dem Einzug fällt die neue Bewohnerin im Januar 2017 am Telefon aus allen Wolken. "Frau Henneke, sie müssen ausziehen", erinnert sie sich an die Worte von Pfarrer Gede. Im Telefonat habe er die Mieterin vorsorglich darauf hingewiesen, dass sie "soziale Gründe" geltend machen könnte. Ein Gesprächsangebot sei ihr nicht gemacht worden. Bereits zwei Tage später hätte die Kündigung per Post im Briefkasten gelegen. Im Schreiben des Rechtsanwalts las Henneke auch den Hinweis auf "erhebliche Kosten" bei einer Weigerung auszuziehen, sagt sie. Henneke widersprach der Kündigung und hielt dem Druck stand. Den erhöhte die Kirchengemeinde im Sommer 2017. "Sofort Schreiben vom Rechtsanwalt und vor das Amtsgericht gezogen" Der Konflikt wurde schwarz auf Weiß in den Pfarrnachrichten abgebildet und in St. Birgitta Weiberg ans schwarze Brett geschlagen. Dann hörte die Mieterin auch davon, was mit dem Eigenbedarf der katholischen Kirche gemeint war. In das Pfarrhaus will der schon promovierte Bürener Vikar Tobias Schulte einziehen, um in der Ruhe von Weiberg seine Habilitation zu schreiben. "Der war doch schon da, als mir die Wohnung vermietet wurde", sagt sie rückblickend. Im Mai 2015 wurde Schulte zum Priester geweiht. Seit gut zwei Jahren zählt der Vikar zum Pastoralverbund Büren, bestätigt auf Anfrage der NW Pfarrer Gede. Der neue Mitarbeiter "musste sich erstmal einarbeiten", erklärt der verantwortliche Chef - und weiter: "Er kam gerade erst, und wir konnten es nicht absehen, dass er ins Pfarrhaus in Weiberg ziehen will." Dieses hätte er vermietet, sagt Gede, "damit es nicht weiter leer steht". Auch in der Rückschau sieht der Leiter des Pastoralverbunds für seine Person "keine Fehlentscheidung". Damals wie heute hätte er für die Gemeinde gehandelt. Das Pfarrhaus sei "unsere Dienstwohnung", die die Kirche allerdings auch an andere Personen vermieten dürfe. Nun benötige die Gemeinde die Wohnung und darum müsse die Mieterin wieder ausziehen. Vikar Schulte sei mit einer halben Stelle für die Gemeinden Harth und Weiberg zuständig - die andere Hälfte wurde ihm vom Erzbistum Paderborn für seine Habilitation genehmigt. Bettina Henneke hat der Kündigung widersprochen und sich nach Abstimmung mit ihrer Mutter ebenfalls einen Anwalt genommen. Sie wäre nach eigenem Bekunden auch bereit, in Weiberg in eine andere Wohnung zu ziehen. "Ich finde aber nichts", sagt sie. Aus ihrer Sicht hätte es geholfen, wenn Pfarrer Gede einen Fehler eingeräumt hätte. Wahrscheinlich sei es für die Kirche mit ihren vielen Kontakten im Dorf sogar relativ leicht, für die Mieterin eine alternative Wohnung zu finden. Der Weg zum Amtsgericht Paderborn wäre nicht ihre Wahl gewesen. Dennoch werde sie im Dorf von einigen nicht mehr gegrüßt. Die erste mündliche Verhandlung fand bereits statt. Bei der nächsten Anfang März will das Gericht Zeugen vernehmen. Ein Mitglied der Kirchengemeinde solle dann bestätigen, so Gede, dass der Mieterin von Anfang an mitgeteilt worden wäre, bei Eigenbedarf müsste sie wieder ausziehen. "Der Richter muss entscheiden", sagt Gede.

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