Umstrittenes Foto: Hauptmann Sebastian K. (l.) und Kompaniefeldwebel Marc E. (Unkenntlichmachung durch Redaktion) präsentieren im Bundeswehrcamp in Afghanistan stolz das Ortsschild von Büren. Links oben ist das Stammlager-Schild zu sehen. - © Stadt Büren
Umstrittenes Foto: Hauptmann Sebastian K. (l.) und Kompaniefeldwebel Marc E. (Unkenntlichmachung durch Redaktion) präsentieren im Bundeswehrcamp in Afghanistan stolz das Ortsschild von Büren. Links oben ist das Stammlager-Schild zu sehen. | © Stadt Büren

Augustdorf/Büren Skandal um "Stalag 13"-Schild in Bundeswehr-Camp

Afghanistan: Die Stadt Büren will mit einer Geste ihre Partnerschaft mit Soldaten aus Augustdorf festigen. Ein Foto zeigt die Verwendung eines historisch belasteten Begriffs

Lothar Schmalen

Augustdorf/Büren. Unglaublicher Fehltritt bei der Bundeswehr im afghanischen Masar-i-Sharif: Dort stationierte Soldaten haben im Feldlager Camp Marmal ein Eingangstor zu Unterkünften errichtet, über dem das Schild „Stalag 13" steht. „Stalag" ist die Abkürzung für „Stammlager" und die Bezeichnung für die Kriegsgefangenenlager der Deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, in denen die Gefangenen grausam behandelt wurden. Ein Foto, auf dem das Eingangstor zu sehen ist, erreichte die Redaktion dieser Zeitung mit einer Pressemitteilung der Stadt Büren. Büren verbindet seit 2015 eine Patenschaft mit der 2. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 212 aus Augustdorf. 60 Soldaten der Kompanie leisten seit Januar für sechs Monate ihren Dienst in dem Bundeswehr-Stützpunkt im Norden Afghanistans."Stalag"-Schild mit Bezug zu Fernsehserie? „Stalag 13" ist auch ein fiktives Gefangenenlager der Deutschen Wehrmacht in der US-amerikanischen Fernsehserie „Ein Käfig voller Helden". Das fiktive Lager orientiert sich am realen Stalag XIII C, das nahe der Kleinstadt Hammelburg in Unterfranken existierte und in dem zunächst belgische und französische Kriegsgefangene aus dem Westfeldzug und später jugoslawische, polnische, sowjetische, italienische und US-amerikanische Gefangene untergebracht waren. Viele Gefangene starben. Auf einem nahe gelegenen Friedhof wurden 35 Polen, 50 Russen und 73 Jugoslawen beerdigt. Die Stadt Büren hatte ein Ortsschild als Zeichen der Verbundenheit mit den Soldaten nach Masar-i-Sharif geschickt. Als Dank sendeten die Soldaten ein Foto aus dem Camp nach Büren, auf dem ein Hauptmann und ein Hauptfeldwebel mit dem Ortsschild zu sehen sind – und eben das Eingangstor mit dem Schild „Stalag 13". Historisch  belastete Bezeichnung Auf die Verwendung der historisch belasteten Bezeichnung „Stalag" in einem Bundeswehrstützpunkt in Afghanistan angesprochen, erklärte Oberstabsfeldwebel Tino Richter von der 2. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 212, dass seine Soldaten das Tor bereits vorgefunden hätten, als sie nach Masar-i-Sharif gekommen seien. Bürens Bürgermeister Burkhard Schwuchow (CDU) bedauert den Vorfall. „Ein inhaltlicher Zusammenhang mit dem NS- Sprachgebrauch war bei der Weiterleitung des Fotos durch die Bundeswehr nicht deutlich", sagte er. Das Foto sei bereits von der Webseite der Stadt entfernt worden. In einer ersten Reaktion forderte Christian Sauter aus Extertal, FDP-Mitglied des Verteidigungsausschusses im Bundestag, das Schild sei mindestens missverständlich und sollte daher entfernt werden. Er hoffe außerdem, dass die Bundeswehr über Hintergründe des Fotos aufkläre. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums war nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

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