Ansicht von der Straße Haus Graffeln: Das Foto aus dem Jahr 1996 zeigt links ein noch erhaltenes Wirtschaftsgebäude. Hinter dem mittleren kleinen Gebäude (rotes Dach) verbirgt sich das Mühlrad. Im Hauptgebäude (r.) wohnte früher der Müller, die Räume sind heute vermietet. Die Tischlerei liegt im Rückraum der Gebäude. - © Johannes Büttner
Ansicht von der Straße Haus Graffeln: Das Foto aus dem Jahr 1996 zeigt links ein noch erhaltenes Wirtschaftsgebäude. Hinter dem mittleren kleinen Gebäude (rotes Dach) verbirgt sich das Mühlrad. Im Hauptgebäude (r.) wohnte früher der Müller, die Räume sind heute vermietet. Die Tischlerei liegt im Rückraum der Gebäude. | © Johannes Büttner

Büren Auszeichnung für historische Wewelsburger Mühle

LWL-Denkmal des Monats: In dem 500 Jahre alten Steinbau konnte das Alter der Holzbalken im Dachstuhl gesichert werden. Seit 1860 im Eigentum des Freiherrn von und zu Brenken

Karl Finke

Büren-Wewelsburg. Die alte Wassermühle Graffeln an der Alme unterhalb von Wewelsburg ist vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Denkmal des Monats ausgezeichnet worden. Die Denkmalbehörde konnte jetzt wissenschaftlich nachweisen, dass die Eichenbalken im Dachgeschoss im Jahr 1517 gefällt wurden. Das Ensemble der denkmalgeschützten Mühle im Almetal befindet sich seit 1860 im Eigentum des Freiherrn von und zu Brenken (Schloss Erpernburg). Ausgerechnet dessen Vorfahren hatten 1515 die Vorgängeranlage zerstört, so der LWL zur Geschichte der gesamten Anlage. An der Mühle lassen sich verschiedene Ereignisse der Landesgeschichte ablesen. Der Bau der Mühle war nur möglich, weil der frühere Ort Graffeln nach der Pest um 1370 ebenso von den Bewohnern aufgegeben worden war wie das benachbarte Kloster Böddeken. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts besiedelten die Böddeker Kreuzherren das Kloster neu und bauten eine Landwirtschaft auf. Dabei gründeten sie auf den Ländereien des verlassenen Ortes Graffeln ab 1434 einen Wirtschaftshof mit einer großen Mühlenanlage. Um die Mühle mit Wasser zu versorgen, bauten sie einen über einen Kilometer langen Mühlenkanal von der wasserreichen Alme. Dieser Kanal ist bis heute erhalten. Diese erste Mühle existiert nicht mehr. Nachdem die Kreuzherren 1515 in einen wirtschaftlichen Konflikt mit den Herren von Brenken gerieten, plünderten diese den Wirtschaftshof und zerstörten die Mühle. Schon ein Jahr später begannen die Kreuzherren mit dem Bau der heutigen Graffelner Mühle. Als Doppelmühle gebaut Wie zur damaligen Zeit in Westfalen üblich, wurde sie als Doppelmühle errichtet. Die Kreuzherren bauten eine Korn- und eine Ölmühle in zwei Gebäuden an den beiden Seiten des Stauwehrs. Die Klosterchronik berichtet für das Jahr 1517: "Buwen wy dit jar eyn malmollen von steynen" ("Bauen wir dieses Jahr eine Mahlmühle aus Steinen"). Der LWL-Denkmalexperte Peter Barthold hat bei einer dendochronologischen Untersuchung der im Dach verwendeten Eichenbalken nachgewiesen, dass die Eichen tatsächlich im Frühjahr 1517 gefällt wurden. "Da früher Eichen immer frisch verzimmert wurden, ist damit der Eintrag in der Klosterchronik bestätigt", so Barthold. Mittelalterliche Bautradition "Das Gebäude dürfte zu den ältesten erhaltenen Wassermühlen Westfalens gehören", so LWL-Denkmalpfleger Fred Kaspar - und weiter: "Dank der soliden Ausführung steht es auch nach 500 Jahren noch bemerkenswert gut da. Die gesamte Dachkonstruktion zeigt keine Schäden und wurde nicht verändert." Das bemerkenswert alte Gebäude folge in seiner ungewöhnlichen Gestalt noch ganz mittelalterlichen Bautraditionen, denn es zeige in seinem steilen Satteldach heute nur noch sehr selten erhaltene Halbwalme. In der alten Mühle ist die frühere Wohnung des Müllers heute vermietet. In der Kornmühle arbeitet seit Jahren die Tischlerei Gausmann. Die Freiherren von und zu Brenken fügten der Mühle 1911 nahebei das "Haus Graffeln", ein kleines Herrenhaus hinzu. Den Wohnsitz hat vor kurzem Sohn Franz-Josef (jetzt Erpernburg) mit seinen Eltern getauscht. Die Eigentümer gewinnen mit der Wasserkraft seit einigen Jahren Strom.

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