Geplante Flammen: Um unter Atemschutz arbeiten zu können, lassen sich Feuerwehrleute aus dem Kreisgebiet in Büren-Ahden fortbilden. - © Kreis Paderborn
Geplante Flammen: Um unter Atemschutz arbeiten zu können, lassen sich Feuerwehrleute aus dem Kreisgebiet in Büren-Ahden fortbilden. | © Kreis Paderborn

Kreis Paderborn Ferngesteuerte Flammenhölle beim Feuerwehr-Training

Einsatzkräfte lernen in der Brandsimulationsanlage neben der Kreisfeuerwehrzentrale 
in Büren-Ahden, wie sie unter Atemschutz Brände bekämpfen – und wann sie Einsätze abbrechen müssen

Kreis Paderborn. In der Kreisfeuerwehrzentrale werden jährlich rund 60 Feuerwehrfrauen und -männer zu Atemschutzgeräteträgern ausgebildet. Bei der so genannten „Heiß-Ausbildung" kommt ein 40 Fuß großer Seecontainer aus Stahl zum Einsatz: die die Brandsimulationsanlage neben der Kreisfeuerwehrzentrale in Büren-Ahden. „Die Teilnehmer sollen dadurch möglichst gut auf Einsätze im Feuer und mit ihrem Atemschutzgerät vorbereitet werden", sagt Rudolf Reiling. Er ist einer von 14 Ausbildern für Atemschutz im Kreis Paderborn. In der Simulationsanlage können drei Szenarien befeuert werden: Ein Herdbrand, ein Brand im Schlafzimmer und ein Treppenbrand. Betrieben wird die Anlage mit Gas. Der Kreis hat sie 2016 für 264.000 Euro erworben. Bei einem Feuer im Schlafzimmer bilden zwei Atemschutzgeräteträger einen Angriffstrupp. Begleitet werden sie immer von einem Kreisausbilder, der die Übung beobachtet und sie über eine Fernbedienung steuert. Der Brandraum kann während einer Übung komplett eingenebelt werden. Fest in den Händen hält ein Feuerwehrmann das Hohlstrahlrohr mit dem C-Schlauch. Im Ernstfall ist er die rettende „Leine", die den Weg aus dem Feuer hinaus weist und sichert. Wassersparender und dynamischer Löschangriff Wenn im Schlafzimmer das Bett brennt, versucht der Truppführer mit dem Hohlstrahlrohr den Raum zu kühlen und mit Wasserdampf Sauerstoff zu verdrängen, um so das Feuer zu löschen. Die Feuerwehr-Azubis sollen einen wassersparenden und dynamischen Löschangriff lernen. Die Decke des Stahlcontainers kann Temperaturen von 400 Grad Celsius erreichen. Versprühtes Löschwasser nimmt dann die Wärme auf und verdampft augenblicklich. Aus einem Liter Wasser werden 1.700 Liter Wasserdampf. Die Feuerwehrmänner müssen sparsam mit dem Wasser umgehen, sonst entsteht zu viel Wasserdampf, der sie verletzen könnte. Der Unterschied zum echten Feuer: Die Temperaturen sind noch höher – bis zu 1.000 Grad Celsius und jeder Fehler kann zu Verletzungen führen oder tödlich sein. In der gesicherten Übungsanlage haben die Feuerwehrleute jederzeit die Möglichkeit, einen Notausschalter zu drücken. Zusätzlich überwacht ein zweiter Kreisausbilder im Kontrollraum das Geschehen. Die Übung fordert die Männer heraus Feuerwehrleute lernen in der Anlage, zusammen zu arbeiten. In der Gefahr müssen sie eine Einheit bilden, genau aufeinander hören sich gegenseitig „blind" vertrauen. „Sie nehmen aber auch mit, dass der Einsatz abgebrochen werden muss, wenn es zu gefährlich wird", sagt Reiling. Die Übung fordert die Männer heraus. „Bei einem echten Einsatz treffen viele Faktoren zusammen, alles zusammen macht es schwierig – das Feuer, der Rauch, die körperliche und psychische Belastung", sagt Reiling. Die Grundausbildung zum Atemschutzgeräteträger umfasst 40 Stunden. Neben der Heiß-Ausbildung gibt es einen theoretischen Teil. Rund 950 fertig ausgebildete Atemschutzgeräteträger legten im Jahr 2017 ihre Belastungsübung in der Kreisfeuerwehrzentrale in Ahden ab. Sie muss jährlich wiederholt werden, damit Feuerwehrleute auch weiter Atemschutzgeräteträger bleiben dürfen. Mit der neuen Brandsimulationsanlage haben sie zukünftig auch die Möglichkeit sich in der taktischen Heiß-Ausbildung weiterzubilden und darin ihre jährlich vorgeschriebene Einsatzübung zu absolvieren.

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