Beton des Anstoßes: Der Anbau für den Aufzug am Mallinckrodthof passt für viele Bürger nicht ins Bild. - © Marc Köppelmann
Beton des Anstoßes: Der Anbau für den Aufzug am Mallinckrodthof passt für viele Bürger nicht ins Bild. | © Marc Köppelmann

Borchen Arbeiten am Borchener Mallinckrodtaufzug eingestellt

Ratssitzung: Bauvorhaben entwickelt sich zur unendlichen Geschichte. Rathausinterne Jamaika-Koalition erwirkt kompletten Baustopp

Svenja Ludwig

Borchen. Die Diskussionen um den Betonaufzugschacht am denkmalgeschützten Mallinckrodthof scheinen sich zur unendlichen Geschichte Borchens zu entwickeln. Die Argumente auf beiden Seiten wiederholten sich in der Ratssitzung. So kritisierte die rathausinterne Jamaika-Koalition vor allem mangelnde Transparenz. Nach den vorangegangenen Debatten im Bau- sowie im Haupt- und Finanzausschuss "bleiben am Ende mehr Fragen als Antworten", sagte etwa Hansjörg Frewer von der CDU. Mittlerweile haben deshalb neben dem sachkundigen Bürger Peter Völse auch der Vorsitzende des Bauausschusses Harald Kuhnigk (CDU) sowie weitere Ratsmitglieder Akteneinsicht verlangt. Laut Aussage von Bürgermeister Reiner Allerdissen befinden sich die Dokumente momentan in der anwaltlichen Prüfung. Durch den Juristen können unter Umständen Passagen zum Schutz Dritter geschwärzt werden, bevor die Antragssteller Einsicht bekommen. Den Grünen fehlte dafür das Verständnis. "Für mich, Herr Bürgermeister, verstecken Sie sich hinter Paragrafen und verhindern, dass die Mitglieder des Rates ihrem Recht zur Kontrolle der Verwaltung nachkommen können", warf Guido Reitmeyer Borchens erstem Bürger vor. Abgesehen von der umstrittenen Ästhetik des Betonlifts argwöhnen die Fraktionen von CDU, Grünen und Freien, die Stadt habe sich beim Bau nicht an alle Vorgaben des Landschafverbands (LWL) gehalten. Christdemokrat Hansjörg Frewer äußerte sogar die Vermutung, der Fahrstuhl sei dem im Mallinckrodthof beheimateten, gastronomischen Betrieb versprochen worden. Allerdissen bezeichnete diese Unterstellung als "infam", "blindwütig" und "ungeheuerlich" und fügte hinzu: "Es ist nur noch grotesk, was Sie da erzählen." In den Augen des Bürgermeisters steckt hinter der gesamten Debatte, die er mit dem Begriff Jagd titulierte, etwas anderes: "Natürlich persönliche Motive." Ein Eindruck, den die SPD-Fraktion teilte. "Hier geht es nur noch darum, dass sie Ihre politische Macht demonstrieren", teilte Herbert Berger in Richtung CDU-Fraktion aus. "Das grundsätzliche Vertrauen in Verwaltungsunterlagen ist nicht mehr gegeben", verkündete indes Frewer. Gemeinsam mit Grünen und Freien erwirkten die Christdemokraten einen kompletten Baustopp am Mallinckrodthof. Bis zur Freigabe der Dokumente zur Akteneinsicht sollen jegliche Arbeiten ruhen. Die SPD stimmte dagegen. "Sie fügen der Gemeinde finanziellen Schaden zu", mahnte Reiner Allerdissen. Seiner Meinung nach habe der Beschluss "populistischen Charakter" und zwei Effekte: "Es wird erheblich teurer und hält das Thema am Kochen." Und ohne Zweifel sorgt "Mallinckrodt-Gate" für reichlich Gesprächsstoff in Borchen.

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