Massiver Anbau: Das 265.000 Euro teure Konstrukt stand erneut auf der Tagesordnung des Bauausschusses. - © Marc Köppelmann
Massiver Anbau: Das 265.000 Euro teure Konstrukt stand erneut auf der Tagesordnung des Bauausschusses. | © Marc Köppelmann

Borchen Aufzuganbau am Mallinckrodthof sorgt für Ärger

Architekt wirft Gemeinde Dilettantismus und Rechtswidrigkeit vor. Bürgermeister Reiner Allerdissen weist diese Anschuldigungen vehement zurück

Svenja Ludwig

Borchen. Die Diskussion um den Betonaufzugschacht am denkmalgeschützten Borchener Mallinckrodthof (die NW berichtete) erreicht eine neue Dimension: "Dieser Fahrstuhl ist rechtswidrig", behauptete der als sachkundiger Bürger in Denkmalangelegenheiten geladene Architekt Peter Völse am Donnerstagabend im Bau- und Umweltausschuss, bei dem das 265.000 Euro teure Konstrukt auf Antrag von Grünen und CDU erneut auf der Tagesordnung stand. "Die Gemeinde Borchen hat sich nicht an die Auflagen aus der ersten Zustimmung des Denkmalamts gehalten, ergo ist dieser Aufzug gesetzeswidrig", bekräftigte Völse auf NW-Nachfrage. Aus Reihen der SPD auf Beweise angesprochen, fuhr er fort: "Ich nehme das aus meiner beruflichen Praxis." Er habe Akteneinsicht verlangt, die ihm, wie er berichtete, bislang aber verwehrt würde. Völse solle "vorsichtiger mit seinen Worten" sein, riet Bürgermeister Reiner Allerdissen und wies die Beschuldigungen zurück. Die Gemeinde habe sich "eindeutig rechtskonform" verhalten und sei allen Forderungen des LWL nachgekommen, betonte Borchens erster Bürger. CDU und Grüne monierten in dem gemeinsamen Antrag vor allem mangelnde Transparenz. Auf dem Weg von der Entscheidung bis zur Realisierung seien von ihnen keinerlei Informationen Seitens der Gemeinde "wahrgenommen worden", die "den Prozess der baulichen Umsetzung zum Beispiel in Form von Visualisierungen erkennbar werden ließen", so die Vorlage. Weiter wurden die für Bürgermeister Allerdissen ausschlaggebenden Argumente gegen einen Lift aus Glas und Stahl in Zweifel gezogen. Karin Striewe von der Verwaltung führte deshalb eine Stellungnahme des verantwortlichen Statikers an. Beim Bau des Aufzugschachtes sei keine Fixierung am Gebäude möglich gewesen, zitierte Striewe, so dass die Stabilisierung durch das Eigengewicht hätte erreicht werden müssen. Aufgrund schlechter Baugrundverhältnisse wäre eine tiefe Fundamentierung, die bei einem gläsernen Fahrstuhl notwendig gewesen wäre, erschwert worden. Zudem problematisch seien die Temperaturen, die zu Verformungen der Liftkabine führen könnten, so Striewe weiter, und schließlich müssten Glasaufzüge regelmäßig gereinigt werden. "Wie der Statiker auf so was kommt, weiß ich nicht", ereiferte sich Ortsheimatspfleger Konrad Lüke, "das mit der Glasausdehnung ist absoluter Quatsch, dann würde ja nirgendwo eine Fassade funktionieren." Auch er habe "anders lautende Antworten" bekommen, erklärte Hartmut Oster (Grüne). "Ich habe auch einen Statiker gefragt", berichtete Völse. Laut dessen Aussage sei ein Stahl-Glas-Aufzug ohne Probleme zu bauen gewesen. "Ein Glasaufzug wäre umsetzbar gewesen", räumte der Bürgermeister ein, "aber nur mit unverhältnismäßigem Aufwand." Die Gemeinde habe es sich sehr einfach gemacht, entgegnete der sachkundige Bürger und bezeichnete dies als "dilettantisch". Völse unterstrich die Vorbildfunktion, die eine Gemeinde in Sachen Denkmalschutz habe. Da müsse mal über das finanzielle Maß hinausgegangen werden. Allerdissen konterte, es gebe auch eine Vorbildfunktion im Bereich Ressourcen. Auf Nachfrage der CDU-Fraktion bezifferte Karin Striewe die Mehrkosten eines Fahrstuhlschachtes aus Glas und Stahl auf etwa 30 Prozent. "Wir können uns das auf Dauer nicht leisten", sagte Allerdissen und verwies dabei auch auf die Unterhaltskosten für die Reinigung. Außerdem gebe es dort ein "enormes Vandalismusproblem", argumentierte der Bürgermeister, "quantitativ wie qualitativ". Hartmut Oster kritisierte dies als ein "Killerargument", es müsse auch um das Ideelle gehen. "Bei der Diskussion 2016 kam aus Reihen der CDU, dass 265.000 Euro schon zu viel seien", erinnerte sich Sozialdemokrat Patrick Knüttel. Die Art und Weise, wie diskutiert würde, bezeichnete er als "komisch". Er habe den Eindruck, die kritischen Stimmen aus der Bevölkerung würden aufgegriffen, um das Gesamtvorhaben zu kritisieren. Was dem Betonschacht noch fehlt, ist die Verkleidung. Karin Striewe setzte den Ausschuss über den aktuellen Stand der Gespräche mit dem LWL über Materialien und Farben in Kenntnis. In Frage kämen beispielsweise Trespa-Platten in weinrot, braun oder anthrazit. "Von Seiten des LWL geht die Tendenz in Richtung eines dunklen Farbtons", informierte die stellvertretende Fachbereichsleiterin für Hochbauangelegenheiten. "Mit der Frage der Verkleidung versucht der LWL, das Kind, das in den Brunnen gefallen ist, wieder herauszuholen", beurteilte Peter Völse. Er riet dazu, den Aufzug abzureißen oder die Fassade als Wettbewerb auszuschreiben. Die Ausschussmitglieder beschlossen einstimmig, die Arbeiten am Fahrstuhl bis zum Januar ruhen zu lassen, damit das Thema im Haupt- und Finanzausschuss sowie im Rat erneut besprochen werden kann.

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