Die Spaghetti schmecken nicht nur (v. l.) Lazgen Hasano, Rigat Berhane, Cornelia Bücker, Barry Alhoussainy und Jens Manzke sehr gut. - © FOTO: GEMEINDE
Die Spaghetti schmecken nicht nur (v. l.) Lazgen Hasano, Rigat Berhane, Cornelia Bücker, Barry Alhoussainy und Jens Manzke sehr gut. | © FOTO: GEMEINDE

Borchen Spaghettissimo in der Kirchengemeinde

Die evangelischen Christen in Borchen bemühen sich um die Integration der Flüchtlinge

Borchen. Miteinander reden statt übereinander und sich dabei besser kennenlernen - dieses Motto hat sich die Evangelisch-Lutherische Stephanus-Kirchengemeinde Borchen bei ihrer Flüchtlingsarbeit auf die Fahnen geschrieben. So wird regelmäßig unter anderem in lockerer Atmosphäre zusammen gekocht, voneinander gelernt und auch schon mal das Tanzbein geschwungen.

"Spaghettissimo" lautet der Name dieser besonderen Veranstaltungsreihe, zu der Borchener aller Konfessionen und Religionen ins Stephanus-Haus eingeladen sind. Ziel ist es, miteinander ins Gespräch zu kommen, sei es mit den Flüchtlingen oder den Einheimischen.

"Wir haben vor gut einem Jahr ein Flüchtlingsheim im Dorf besucht und haben die Bewohner zum Essen eingeladen", erinnert sich Pfarrerin Christel Weber. Im Laufe der Zeit, so Weber, sei der Kontakt zu den Bewohnern immer besser geworden. "Uns war es wichtig, einander kennenzulernen und auf Augenhöhe zu begegnen", sagt die Pfarrerin - und weiter: "Materielle Hilfen ohne Kontakt sind nicht unsere Sache."

Aus einer spontanen Idee ist ein fester Termin im Monat geworden, der auch bei den Flüchtlingen sehr gut angenommen wird. "Der Kreis der Mitarbeitenden in unserem gegründeten Flüchtlingsunterstützerkreis wird zum Glück immer größer", sagt Pfarrerin Weber. Mittlerweile zählen 15 Ehrenamtliche zum festen Stamm. Weitere Menschen lassen sich für kleinere Aktionen ansprechen. Längst nicht mehr alle Unterstützer kommen aus der Stephanus-Gemeinde. Denn darin sind sich alle einig: "Für die Flüchtlinge braucht es das ganze Dorf." Darüber hinaus ist der Gruppe der Kontakt zum Paderborner Flüchtlingsrat besonders wichtig.

Unterstützung wird nach wie vor an vielen Stellen benötigt, sei es bei Behördengängen, beim Übersetzen oder bei der Wohnungssuche. Vor einigen Monaten wurde in den Räumlichkeiten der Stephanus-Gemeinde in Zusammenarbeit mit der Kommune ein Sprachkurs organisiert, in den Neuankömmlinge sofort einsteigen können. "Der hat eine starke integrierende Kraft."

Beate Schmidt, die ausgebildete Deutschlehrerin für Migranten, gehört zum Unterstützerkreis. Das Gebet für die Flüchtlinge ist fester Bestandteil in der Kirchengemeinde. Zweimal wurden Flüchtlinge im Gottesdienst interviewt. "Da wurde deutlich, wie viel die Flüchtlinge eigentlich beitragen können", erzählt Christel Weber. Ab und an kommen Flüchtlinge jetzt auch in den Gottesdienst. "Dann freuen wir uns, aber unser Ziel ist es nicht, die fremden Freunde zu bekehren. Wir wollen einfach gastfreundlich sein." Schließlich seien die meisten von ihnen Muslime.

Auch an diesem Abend haben sich erneut rund 40 Interessierte versammelt. "Das Besondere bei Spaghettissimo ist, dass wir keinen festen Ablauf haben. Wir entscheiden meistens spontan, was wir machen", erzählt Presbyterin Cornelia Bücker, die seit der ersten Stunde dabei ist. Die Stimmung ist fröhlich, man umarmt und begrüßt sich herzlich, es wird auf Englisch, Französisch, aber auch zunehmend auf Deutsch gesprochen. Man merkt, dass die intensive Arbeit der vergangenen Monate Früchte trägt.

Spontan entscheiden sich Ahmad Al Sheikh, von Beruf Schauspieler und aus Syrien stammend, und seine Freunde, den Anwesenden den syrischen Gemeinschaftstanz Dabkeh beizubringen. Schnell fassen sich die Gäste an den Händen, um gemeinsam im Kreis zu rhythmischer Musik ausgelassen und fröhlich Folklore zu tanzen. Al Sheikh wohne seit acht Monaten im Dorf und fühle sich hier sehr wohl, wie er betont; der Zusammenhalt sei sehr gut.

Nach der Tanzeinlage folgt der kulinarische Teil. Es gibt Spaghetti mit selbstgemachter Tomatensoße. Die meisten Besucher sind in Gespräche vertieft, es werden Probleme oder Erfahrungen angesprochen oder es werden Fotos gezeigt und gelacht.

"Uns ist daran gelegen, mit unseren neuen Mitbürgern offen und respektvoll umzugehen. Das liegt uns sehr am Herzen, denn wir haben gesehen, wie es in einigen Wohnheimen aussieht", berichtet Presbyter Jens Manzke, der die Idee mit dem "Spaghettissimo" hatte. Er bringt sich nicht nur in der Gemeinde in die Arbeit mit Flüchtlingen ein, sondern pflegt - "wie viele andere aus dem Unterstützerkreis auch" - mittlerweile private, freundschaftliche Kontakte zu einigen. So können aus Fremden ganz schnell Freunde werden.

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