Bau- und Umweltausschuss: Eigentlich sollte es nur um Informationen zum möglichen Anschluss einer privaten Biogasanlage ans Fernwärmenetz für das Baugebiet Hessenberg gehen. - © Marc Köppelmann
Bau- und Umweltausschuss: Eigentlich sollte es nur um Informationen zum möglichen Anschluss einer privaten Biogasanlage ans Fernwärmenetz für das Baugebiet Hessenberg gehen. | © Marc Köppelmann

Borchen Bürgermeister sieht die Umgehungsstraße für Borchen in Gefahr

Unterschiedliche Sichtweisen: Im Bau- und Umweltausschuss entbrennt ein Streit über zwei Geschäfte, die die Gemeinde Borchen mit einem Landwirt machen könnte

Peter Albrecht

Borchen. Eigentlich sollte es im Borchener Bau- und Umweltausschuss nur um Informationen zum möglichen Anschluss einer privaten Biogasanlage ans Fernwärmenetz für das Baugebiet Hessenberg gehen. Für Bürgermeister Reiner Allerdissen (SPD) hat diese Frage aber viel weitreichendere Konsequenzen. Er sieht unter Umständen den Bau der angestrebten Umgehungsstraße in Gefahr - und erntete für diese Einschätzung heftigen Gegenwind von CDU, Grünen und den Freien. Für das Unternehmen Westfalen Weser Energie hatte Markus Schulz vorgestellt, welche Auswirkungen der Anschluss der Biogasanlage von Landwirt Franz Koch-Bertram an das Fernwärmenetz hat. Sein Resultat: die Öko-Bilanz der Fernwärme würde verbessert, ein geringerer Preis für Endverbraucher käme nicht zustande und wie es nach Ablauf der Förderung für die Anlage des Landwirts im Jahr 2026 weitergeht, steht noch nicht fest. Konkrete Verhandlungen mit Koch-Bertram seien noch nicht geführt worden. An dieser Stelle hakt Bürgermeister Allerdissen ein und gibt zu bedenken, dass sich der selbe Landwirt im persönlichen Gespräch geweigert habe, jemals Flächen für den Bau der Umgehungsstraße zu verkaufen. "Ohne dass wir über Preise gesprochen haben, hat er mir erklärt, nicht zu verkaufen, da er gegen die Straße sei", sagt Allerdissen gegenüber der NW. Er habe daraufhin die Gespräche mit dem Landwirt abgebrochen. Sollte der Ausschuss dennoch die Belieferung mit Biogas empfehlen, werde dem Landwirt ein Geschäft ermöglicht, obwohl sich dieser gegen die Umgehungsstraße gestellt habe. "Dieser Zusammenhang muss deutlich werden. Der Ausschuss würde dem Bürgermeister damit in den Rücken fallen", sagt er. An Allerdissens Verquickung beider Themen stößt sich unter anderem Bauausschussvorsitzender Harald Kuhnigk (CDU): "Die Sorgen kann ich nicht teilen. Der Energieversorger hat freie Hand in der Zusammenstellung des Energiemixes. Wenn er den Landwirt ins Boot holt, kann man danach immer noch über Flächen für die Straße verhandeln." Und Kuhnigk geht davon aus, dass solche Verhandlungen auch Erfolg haben können: "Wenn man vernünftig mit dem Landwirt redet, kommt man auch zum Ziel." Für die Grünen sagte Hartmut Oster: "Ich finde es schwierig, den Landwirt auf diese Weise zur Räson zu rufen." Auch Carsten Koch von der Fraktion der Freien (FWB/FDP) "weiß nicht, was beides miteinander zu tun hat". Für die SPD stützt Hans-Jörg Nordmeyer seinen Parteifreund und Bürgermeister Allerdissen: "Wenn sich ein möglicher Partner gegen ein großes Ziel der Gemeinde stellt, ist es schwierig, noch andere Ziele zu verhandeln." Auch für Allerdissen bleibt die Sachlage eindeutig: "Kommt der Partner mit seiner Biogasanlage ins Boot, erhöht sich das Risiko des Scheiterns beim Projekt Umgehungsstraße extrem." Koch-Bertram war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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