Betonobjekt: Der Aufzugsschacht am Mallinckrodthof bestimmt seit Monaten viele Diskussionen in Borchen. Am Montag wurde bekannt, dass die mächtige Säule mit Lärchenholz verkleidet werden könnte, um die Optik aufzuhübschen. - © Marc Köppelmann
Betonobjekt: Der Aufzugsschacht am Mallinckrodthof bestimmt seit Monaten viele Diskussionen in Borchen. Am Montag wurde bekannt, dass die mächtige Säule mit Lärchenholz verkleidet werden könnte, um die Optik aufzuhübschen. | © Marc Köppelmann

Borchen Klüngel-Vorwürfe im Borchener Aufzugsstreit

Mallickrodthof: Borchener CDU und Grüne vermuten Absprachen auf parteipolitischer Ebene zwischen Bürgermeister und LWL-Direktor. Fraktion der Freien distanziert sich

Peter Albrecht

Borchen. Die Scharmützel in der Borchener Lokalpolitik setzen sich auch nach dem neuen Gestaltungsvorschlag einer Lärchenholzverkleidung am umstrittenen Beton-Aufzugsschacht des Mallinckrodthofs fort. Drei Mitteilungen erreichten gestern die Redaktion - jeweils gespickt mit Vorwürfen. Die Absender waren Gemeindesprecher Tom Finke für Bürgermeister Reiner Allerdissen (SPD), die Fraktionschefs von CDU und Grünen im Borchener Rat, Hansjörg Frewer und Guido Reitmeyer, sowie Carsten Koch und Marcel Welsing für die Fraktionsgemeinschaft der "Freien". In den Erklärungen wird deutlich, wie verhärtet die politischen Fronten auch nach dem jüngsten Friedensschluss zwischen der Gemeindeverwaltung und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) sind. Nach vorherigen Missverständnissen hatten beide Seiten nach einem Ortstermin am Montag verkündet, dass die Gemeinde bei der Gestaltung der Außenaufzugsanlage denkmalkonform gehandelt habe. Antrag auf Akteneinsicht Dennoch gibt es weiterhin Mitteilungsbedarf von allen Seiten. Bürgermeister Allerdissen lässt durch seinen Sprecher in einer Erklärung wissen, dass nun auch der Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses, CDU-Mann Jürgen Rennkamp, Akteneinsicht in die Vorgänge um die Genehmigung des Aufzugs und bezüglich der Umbauten für das neue Restaurant im Mallinckrodthof beantragt hat. Schwerpunkt sollen Finanz-, Vergabe- und Ausschreibungsunterlagen sein. Allerdissen sei über diesen Antrag der CDU-Fraktion auf Akteneinsicht "verwundert, hat es doch eine mehrstündige Akteneinsicht durch das CDU-Fraktionsmitglied Herrn Kuhnigk gegeben". In der Mitteilung heißt es weiter: "Warum nun auch die Umbaumaßnahme des Mallinckrodthofes für den Restaurantbetrieb in diese Akteneinsicht mit einbezogen werden soll, ist vollends unverständlich." Die CDU-Fraktion zweifelt in ihrer Erklärung an, dass die am Montag zwischen Gemeindeverwaltung und Landschaftsverband Westfalen-Lippe demonstrierte Einigkeit bezüglich einer sauber abgestimmten denkmalkonformen Planung des Aufzugbaus tatsächlich belastbar ist. Wenig Begeisterung über das Lärchenholz Auch der Vorschlag, den Betonschacht mit Lärchenholz zu verkleiden, löst bei Christdemokraten und Grünen offenbar wenig Begeisterung aus: "Früher hat man mit Lärchenstäbchen die Plumpsklos verkleidet. Hier will man mit einer dann später begrünten Variante die Kuh vom Eis bekommen." Doch die Absender stoßen die Tür für zukünftige Gespräche nicht gänzlich zu, sie sagen, dass "noch engagierte Überzeugungsarbeit zu leisten" sei. Als Grund für die neue Einigkeit zwischen Gemeinde und LWL vermuten CDU und Grüne parteipolitische Verbindungen zwischen Bürgermeister und LWL-Direktor. Wie Allerdissen sei auch Matthias Löb SPD-Mitglied. Es liegt, so heißt es, "wohl eher die Vermutung nahe, dass hier massiv der parteipolitische Einfluss genutzt wurde, um gerade zu biegen, was vorher schief gelaufen ist." In den Augen der Fraktionschefs Frewer und Reitmeyer haben aber beide Verwaltungen, der LWL und die Gemeinde Borchen, "gravierende Fehler" gemacht, die dazu führten, dass im Herbst ein großer Streit um die Optik des Aufzugsschachts entbrannte. Nicht mehr miteinander geredet Bürgermeister Allerdissen attestieren die Fraktionsvorsitzenden, dass dessen Kommunikation mit dem Rat "verbesserungsfähig" sei. Sie werfen ihm vor, in der Neujahrsansprache Fraktionschefs als Parteivorsitzende bezeichnet zu haben und weisen seine Bezeichnung "Krawallbacke" als rhetorische Entgleisung zurück. Auch dadurch werde laut Presseerklärung deutlich, dass "im Rat der Gemeinde Borchen schon lange nicht mehr miteinander geredet wird, sondern übereinander". Die Fraktion "Die Freien", bestehend aus Freier Wählergemeinschaft und FDP, distanziert sich in ihrer gestrigen Mitteilung vom Vorgehen von CDU und Grünen in Sachen Aufzug: "In sämtliche Vorgänge, insbesondere in die Kommunikation der beiden Fraktionen mit dem LWL und der Akteneinsicht war unsere Fraktion nicht mit einbezogen." Die Fraktionsspitze fordert die SPD des Bürgermeisters auf, "endlich zu einer Sachpolitik zurückzukehren".

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