Gespannte Erwartung: Jung und Alt warten auf die Ankunft von Bischof Bernhard aus Paderborn. Der Geistliche soll die Vesperther Kirche in Fürstenberg weihen. Das mittelalterliche Vesperthe ist so etwas wie das Mutterdorf von Fürstenberg. Die Historie wird auf der Bühne lebendig. - © Andreas Götte
Gespannte Erwartung: Jung und Alt warten auf die Ankunft von Bischof Bernhard aus Paderborn. Der Geistliche soll die Vesperther Kirche in Fürstenberg weihen. Das mittelalterliche Vesperthe ist so etwas wie das Mutterdorf von Fürstenberg. Die Historie wird auf der Bühne lebendig. | © Andreas Götte

Bad Wünnenberg In Fürstenberg lebt das Mittelalter auf

Andreas Götte

Bad Wünnenberg-Fürstenberg. Wenn Graf Matthias und Gräfin Antonie zu Westphalen ihr Anwesen für die Bevölkerung öffnen und sogar in einem historischen Schauspiel im früheren Pferdestall auf der Bühne stehen, muss etwas Besonderes passiert sein. Am Reformationstag feierten die Fürstenberger zum 800. Mal die Kirchweih der früheren Vesperther Kirche. Sie stand auf dem heutigen Kirchhof, der mittlerweile als Friedhof dient. Um sie herum hatten sich im Mittelalter Familien angesiedelt. Vesperthe ist so etwas wie das Mutterdorf von Fürstenberg. In einem von Gabi Kloppenburg geschriebenen und inszenierten historischen Schauspiel wurden die damaligen Ereignisse im ausverkauften Pferdestall (die Karten waren innerhalb von 20 Minuten vergriffen) komprimiert in zwei Akten mit ausschließlich Fürstenberger Akteuren nachgezeichnet. Nur die Harfenistin Karin Gunia kam aus Alfen. Das Jugendorchester des Fürstenberger Musikvereins sorgte für die weitere musikalische Untermalung der Welturaufführung. Der edle Widekind und die edle Gisle von Vesperthe (gespielt von Matthias und Antonie zu Westphalen) erwarten zusammen mit der Dorfbevölkerung hohen Besuch aus Paderborn. Bischof Bernhard III. hat sich angesagt, um die Vesperther Kirche zu weihen. Viele Jahre später kommt es zum Knatsch. Die Edelherren haben ihren beträchtlichen Besitz dem Paderborner Klerus vermacht. Das ruft 1234 den Edelherrn Berthold von Büren, gespielt von Clemens Henkel, auf den Plan. Ihm geht es um Land und Geld. Vor Gericht wird er schließlich mit 25 Pfund Silber abgefunden. Im Gegenzug verzichtet er auf weitere Ansprüche. Der Edelherr stimmt zu und die Historie nimmt ihren Lauf. Zum Ende des Stücks schildern Jugendliche - mit Hilfe des Internets - wie die Geschichte weitergeht. Lang anhaltender Applaus war danach der Lohn für die vielen Proben der Darstellerinnen und Darsteller, unter ihnen auch die Frau und zwei Töchter von Bürgermeister Christoph Rüther. Auch Philippa, die Tochter der gräflichen Familie, zeigte schauspielerische Qualitäten. Ganz vorne in der ersten Reihe hatte sich Uwe Glahe das bunte Treiben in aller Ruhe angeschaut. "Ich hatte keine Vorkenntnisse, das war wie ein Schuss ins Blaue, aber es hat richtig Spaß gemacht", sagt der 50-Jährige. Er finde es toll, dass auch die gräfliche Familie mitmache, das sei nicht selbstverständlich, so der Geschäftsführer des BSV Fürstenberg. Nach dem Schauspiel folgte für Akteure und Publikum das Nachspiel im Pfarrheim. Die Menschenschlange vor der Theke war lang. Schließlich wurde extra gebrautes Vesperther Bier ausgeschenkt. Zu der einmaligen Aktion hatte die Dalheimer Klosterbrauerei 120 Liter zur Verfügung gestellt. "Das Bier ist dunkel und süffig und entspricht der damaligen Zeit", konstatierte Clemens Henkel zufrieden. Bereits am frühen Nachmittag hatten die Feierlichkeiten mit einer Gedenkfeier am Kirchhof begonnen. Gräfin Antonie von Westphalen enthüllte einen 2,8 Tonnen schweren Gedenkstein aus Granit mit einer Gedenktafel in Bronze. Sehr gut besucht war anschließend die feierliche Vesper in der Pfarrkirche. Die Fürstenberger Schützen standen Spalier, als Weihbischof Matthias König ins Gotteshaus einzog. Wegen der großen Resonanz wird das historische Schauspiel am Sonntag, 12. November, um 19 Uhr ein weiteres Mal im früheren Pferdestall im gräflichen Schlosspark aufgeführt. Der Vorverkauf beginnt am 6. November im Textilhaus Hillebrand in Fürstenberg. Die Vesperther Kirche war über Jahrhunderte die Pfarrkirche des Dorfes. Seit weit über 200 Jahren steht sie nicht mehr. Spätestens seit dem Reformationstag 2017 wird sie vielen in Erinnerung bleiben.

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